30.11.12 Finanzdienstleister

Studie: Nachhaltige Banken erwirtschaften stabilere Gewinne und vergeben mehr Kredite als herkömmliche

Die seit Jahren anhaltende Bankenkrise hat auch eine Kehrseite: den anhaltenden Erfolg nachhaltig ausgerichteter Finanzinstitute. Die verzeichnen nicht nur einen starken Zustrom von Neukunden. Sie unterstützen auch Realwirtschaft besser als herkömmlich ausgerichtete „systemrelevante“ Banken und erwirtschaften stabilere Gewinne. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die jetzt vom Weltverbands der Nachhaltigkeitsbanken (GABV) veröffentlicht worden ist.

Diesem Verband gehören 20 nachhaltige Banken aus aller Welt an, etwa die deutsche GLS Bank aus Bochum, die Triodos Bank aus den Niederlanden, die Merkur Bank aus Dänemark, BancoSol aus Bolivien, die australische bankmecu und US-Unternehmen wie First Green Bank aus Florida oder die New Resource Bank aus Kalifornien. Im Herbst 2009 hatten elf nachhaltige Banken den GABV gegründet.

Der vom GABV publizierte Bericht untersucht den Zeitraum von 2001 bis 2011 und wurde in Zusammenarbeit mit der Rockefeller Foundation und unter Mithilfe der ShoreBank International (SBI) erstellt. Unter anderem vergleicht er die finanzielle Entwicklung von 22 Nachhaltigkeitsbanken mit 28 konventionellen Banken. Hierbei stellten die Autoren fest, dass die Nachhaltigkeitsbanken seit 2001 bei den Aktiva ein Wachstum von 481 Prozent erreicht haben, bei einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 18,5 Prozent. Dagegen erhöhten sich die Aktiva der „systemrelevanten“ Banken in diesem Zeitraum nur um durchschnittlich 10,4 Prozent.

Der Anteil der Kreditvergabe an allen Aktiva einer Bank ist ein wichtiger Indikator für ihre relative Unterstützung der Realwirtschaft. Auch hier liegen die nachhaltigen Banken der Studie zufolge klar vor den großen herkömmlichen Finanzinstituten. Die Nachhaltigkeitsbanken setzten demnach im Untersuchungszeitraum mit 72,6 Prozent den größten Teil ihrer Aktiva für die Vergabe von Krediten ein. Konventionelle Geldinstitute erreichten hier lediglich eine Quote von 40,7 Prozent ihrer Aktiva.

Peter Blom, Vorsitzender des GABV und CEO der Triodos Bank, stellt dazu fest: „Nachhaltige Banken haben konstant Produkte, Dienstleistungen und sozial, ökologisch sowie ökonomisch nachhaltige Erträge geliefert. Sie haben damit die Realwirtschaft unterstützt und gezeigt, dass Banken mit nachhaltigen Prinzipien ein überzeugendes Geschäftsmodell für die Gesellschaft, Kunden und Investoren bieten.“

Die GABV-Studie widerlegt auch die verbreitete Annahme, dass nachhaltige Geschäftsmodelle mit niedrigeren Gewinnen verbunden sind. Wie die die Untersuchung der Bankbilanzen zeigte, lag die Eigenkapitalrendite der Nachhaltigkeitsbanken nur unwesentlich unter der der „systemrelevanten“ Banken. Ihre Gesamtkapitalrendite war sogar höher, sie betrug im Untersuchungszeitraum bei den Nachhaltigkeitsbanken 72 Cents je Dollar gegenüber 55 Cents je Dollar bei den herkömmlichen Banken.

Thomas Jorberg, Vorstandssprecher der GLS Bank, betont: „Ein stärkeres nachhaltiges Handeln bietet einen wichtigen Weg, den Herausforderungen des Bankwesens zu begegnen. Wie die Studie zeigt, können nachhaltige Banken ihre Aktivitäten während der gegenwärtigen Rezession steigern und insbesondere mehr Kredite an kleine sowie wachstumsstarke Unternehmen vergeben.“ Der GLS-Chef weiter: „Die Nachhaltigkeitsbanken galten lange als Nischenanbieter. Mittlerweile steigt die weltweite Akzeptanz unseres nachhaltigen Ansatzes innerhalb der Finanzbranche.”

Einen Überblick über die aktuellen Konditionen für Privatkunden von deutschen Nachhaltigkeitsbanken gibt dieser Opens external link in new windowBeitrag von ECOreporter.de, den wir am 15. November veröffentlicht haben.
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