26.02.13 Erneuerbare Energie

Studie: Photovoltaikboom in Indien in Gefahr

Trotz derzeit schwieriger Marktbedingungen hält die indische Regierung weiter an ihren Plänen fest, bis 2017 eine Solarstromkapazität von insgesamt 10.000 Megwatt (MW) zu erreichen. So sieht es die zweite Phase des Laufenden Grünstrom-Ausbauplans des zuständigen Ministeriums Ministry of New and Renewable Energy (MNRE) vor. Zum Vergleich: in Deutschland gingen allein in 2012 rund 7.500 MW ans Netz.

Die Marktforscher und Finanzberater von Mercom Capital gehen in einer aktuellen Studie davon aus, dass in Indien in 2013 zusätzlich zu bestehenden Solarstromleistung von 1.200 MW Photovoltaikprojekte mit 1.300 bis 1.400 MW realisiert werden. Der Großteil der Neuinstallationen solle über Steuervergünstigungen und Zuschüsse für Privatinvestoren angestoßen werden.

Indien wolle hierbei vor allem auf in der Heimat produzierte Technikkomponenten setzen. Die Analysten von Mercom Capital sehen allerdings verschiedene Risiken, die mit den Plänen und der Politik verbunden sind. Zum einen könne damit ein Nachfrageschub nach kurzfristigen Krediten in Gang gesetzt werden, der die Ziele für die Regierung teurer machen könnte.

Zum anderen stünde die Bürokratie den Ausbauplänen in manchen Bundesstaaten im Wege. So sei beispielsweise im Bundesstaat Tamil Nadu das Interesse aufgrund der komplizierten Ausschreibungsverfahren für Solarprojekte zuletzt eher lau gewesen, so die Analysten. Ein Einspeisevergütungssystem, so wie es in Indien bislang nur im Bundesstaat Gujarat existiere, habe sich als lukrativer und effektiver erwiesen.

Weitere Unsicherheiten auf Investorenseite seien durch die internationalen Handelsstreitigkeiten um die vermeintlichen Dumpingpreise chinesischer Photovoltaikprodukte zu erwarten, führend ie Experten weiter an. Dies sei durch eine Beschwerde aus den USA bei der Welthandelsorganisation WTO verschärft worden. Die US-amerikanische Herstellerbranche sieht sich demnach nämlich durch die bisherige Förderpraxis benachteiligt.

Die Strategie der indischen Behörden sei angesichts von bis zu 400 Millionen Menschen ohne Zugang zu Strom und ebenso erheblichen Defiziten bei den Stromspeichermöglichkeiten erstaunlich, kritisierte der Studienmitautor Raj Prabhu. Das Land müsse seine Anstrengungen verstärken, um sicherzugehen, dass die Solarenergie in Indien nicht doch scheitere, so Prabhu weiter.
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