Profi-Investoren setzen mehr und mehr auf nachhaltige Vermögensanlagen. Das hat unterschiedliche Gründe. / Foto: Pixabay

03.07.17

Profi-Anleger investieren verstärkt nachhaltig

Institutionelle Anleger setzen stärker auf nachhaltige Investments. Das zeigt eine Studie von Union Investment und der Uni Stuttgart.


Der Anteil der Großanleger, die nachhaltige Strategien in der Kapitalanlage nutzen, erhöhte sich demnach gegenüber dem Vorjahr um 4 Prozentpunkte auf 64 Prozent. Vor fünf Jahren lag dieser Wert noch bei 48 Prozent. Alexander Schindler, im Vorstand von Union Investment zuständig für institutionelle Kunden, sieht darin ein klares Signal: "Nachhaltige Investments sind längst kein Feigenblatt mehr, sondern gehören für viele Großanleger zum Alltag."

Der sogenannte Stimmungsindex zur nachhaltigen Geldanlage stieg im Vorjahresvergleich um 1,9 auf 19,4 Punkte. Der Index basiert auf den Daten einer jährlichen Befragung institutioneller Investoren. Die Skala reicht von -100 bis +100.

In diesem Jahr nahmen 204 Großanleger wie Versicherungen, Pensionskassen, Banken, Unternehmen und Stiftungen mit einem verwalteten Gesamtvermögen von fast 5 Billionen Euro an der Befragung teil. Lag der Stimmungswert im Jahr 2013 noch bei +5,4 Punkten, so erhöhte sich dieser in den vergangenen Jahren beständig auf aktuell fast +20 Punkte.


Zu den Großinvestoren zählen beispielsweise Versicherungen wie die Talanx mit Hauptsitz in Hannover, zu deren Marken auch die Hannover Rück gehört (mehr über diese nachhaltige ECOreporter-Favoriten-Aktie erfahren Sie hier). "Die Nachhaltigkeit eines Investments ist für uns auch ein Indikator für dessen langfristige Wirtschaftlichkeit", sagte  Herbert K. Haas, Vorstandsvorsitzender der Talanx AG. Seit Anfang des Jahres prüft die Talanx deshalb konzernweit Wertpapieranlagen daraufhin, ob sie Umwelt-, Sozial- und Governancekriterien (Environmental, Social, Governance, kurz: ESG-Kriterien) einhalten. Bis Ende 2017 will die Versicherungsgruppe sich aus nicht nachhaltigen Investments zurückziehen.

Die Prüfung der "alten" Kapitalanlagen erfolge auf Grundlage des UN Global Compact,teilte die Talanx mit. Ausgeschlossen vom Investment seien zum Beispiel kontroverse Waffen. Bevor neue Wertpapierkäufe getätigt werden, analysiere man, ob der Emittent den ESG-Kriterien entspricht. Derzeit sei die Gruppe mit rund 1,5 Milliarden Euro in Erneuerbare Energien und andere "zentrale Strukturgüter" wie zum Beispiel Stromnetze investiert. Bis Ende des Jahres 2017 will Talanx ihren Anlagebestand in diesem Bereich auf knapp 2 Milliarden Euro erhöhen.


Anbieter müssen nachhaltige Produkte transparenter machen

Auch wenn mehr und mehr Investoren auf Nachhaltigkeit setzen, gibt es in ihren Augen noch Verbesserungsbedarf: Als Kritikpunkt nennen die Profi-Anleger in erster Linie eine mangelnde Transparenz der angebotenen Lösungskonzepte (62 Prozent), zudem eine unzureichende Abbildung des notwendigen Rendite-Risiko-Profils sowie ein zu enges Anlageuniversum (51 Prozent). "Anbieter müssen künftig Investorenbedürfnisse noch passgenauer abbilden und für mehr Transparenz sorgen", sagte Schindler von Union Investment. Einen Ausstieg aus der nachhaltigen Kapitalanlage können sich 77 Prozent der Großanleger allerdings nicht mehr vorstellen.

Wurden in den Anfangsjahren der nachhaltigen Kapitalanlage vor allem ethische, soziale und ökologische Aspekte als bedeutsam angesehen, so rückte danach zunehmend die ökonomische Dimension in den Blick. 2013 war diese noch für 42 Prozent der Befragten wichtig, heute stehen ökonomische Aspekte für 64 Prozent der Investoren im Vordergrund. "Nachhaltigkeit hat sich von einem weichen zu einem harten Anlagekriterium im Portfoliomanagement entwickelt. Dieser Wandel hat die Professionalisierung der nachhaltigen Kapitalanlage unterstützt", sagt Schindler.


Investoren setzen mehr auf Aktien und weniger auf Renten-Assets

Ein weiterer bedeutsamer Wandel lässt sich bei der Asset Allocation nachhaltiger Anlagen beobachten. Mittlerweile wird diese nicht mehr von der Anlageklasse Renten dominiert. Lag der Rentenanteil im Jahr 2013 noch bei 45 Prozent, so beträgt er in der aktuellen Befragung 30 Prozent. Deutlich zulegen konnten demgegenüber Aktien, deren Anteil vor fünf Jahren nur bei 14 Prozent lag und inzwischen auf 30 Prozent angewachsen ist.

Renten und Aktien bilden damit die bevorzugten Asset-Klassen für nachhaltige Strategien, gefolgt von Immobilien mit 22 Prozent und Infrastruktur mit 8 Prozent. "Der Blick ins Gesamtportfolio zeigt bei deutschen Investoren aber immer noch ein erhebliches Potenzial für Nachhaltigkeit, denn sie haben erst 37 Prozent ihrer Assets nachhaltig angelegt", unterstreicht der Professor für Betriebswirtschaft Henry Schäfer von der Universität Stuttgart, der an der Studie mitgearbeitet hat.


Klimaschutzvertrag und Regulierung sind wichtige Gründe für das Umdenken bei Investoren

Auch der Pariser Klimagipfel vom Dezember 2015 hat offenbar Spuren bei der nachhaltigen Kapitalanlage institutioneller Investoren hinterlassen – wenn auch mit zeitlicher Verzögerung. Berücksichtigten im Jahr 2016 gerade einmal 21 Prozent der nachhaltigen Investoren Klimaschutzaspekte in ihren Anlagerichtlinien, so waren es 2017 bereits 43 Prozent. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen: "Der Klimaschutz hat über alle Wirtschaftssektoren hinweg gravierende Auswirkungen auf Geschäftsmodelle und Ertragsaussichten. Investoren kommen nicht mehr daran vorbei, Klimarisiken in ihrem Portfolio zu berücksichtigen", so Schäfer von Union Investment.

Bereits jetzt geraten Großanleger unter Handlungsdruck. So müssen nach einer vom EU-Parlament im November 2016 erlassenen Richtlinie Betriebspensionsfonds ihre Gelder künftig auch unter Beachtung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien sowie Klimarisiken anlegen. Sich verändernde regulatorische Anforderungen sind auch der Studie zufolge daher der mit Abstand wichtigste Impuls für institutionelle Investoren, sich stärker mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. 52 Prozent der Befragten äußerten sich in diesem Sinne. 2013 lag der Anteil noch bei 32 Prozent.

Ungeachtet dieser Einschätzung sind manche relevanten Aspekte der Nachhaltigkeit vielen Investoren noch nicht vertraut. So verfügen 67 Prozent der Großanleger über keine oder geringe Kenntnisse der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals). Nur ein Fünftel bezieht diese in die nachhaltige Kapitalanlage ein. Ebenfalls nur 20 Prozent verfügen über Informationen zu den Klimawirkungen ihres Portfolios. 

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