10.07.08 Aktientipps

Studie sieht deutschen Solarmarkt im Umbruch - Welche Aktien haben Potential, wo liegen Risiken?

Wie wird sich der deutsche Solarmarkt bis 2010 entwickeln? Welche Auswirkungen hat das auf die Aktien der Solarunternehmen? Diesen und weiteren Fragen ist die  HSBC Trinkaus & Burkhardt AG aus Düsseldorf in einer aktuellen Studie nachgegangen. Deren Kernthese: Anleger müssen bei Solaraktien fortan sehr selektiv vorgehen. Die Branche stehe vor großen Herausforderungen. ECOreporter.de stellt die wesentlichen Ergebnisse der Untersuchung vor:

Die Autoren der Studie betonen, dass der weltweite Solarmarkt weiter wachsen wird. Für 2010 erwarten sie eine Nachfrage für Photovoltaik-Produkte von rund 10 Gigawatt (GW). Sie werde angetrieben von den sehr guten Bedingungen in aufstrebenden Solarmärkten wie Italien und Griechenland, die eine hohe Solareinstrahlung aufweisen. HSBC prognostiziert für Griechenland einen Anstieg der Nachfrage für Solarprodukte von 50 Megawatt (MW) in 2008 auf 300 MW in 2009. In Italien werde sie sich bis 2009 auf 800 MW verdoppeln. Allerdings könne sich die Unsicherheit über die politische Förderung in Spanien, Japan und den USA negativ niederschlagen. In Deutschland bestehe zwar nun Klarheit darüber, wie Solarstrom ab 2009 vergütet werde. Die von der Bundesregierung durchgesetzte Absenkung werde aber dazu führen, dass der deutsche Solarmarkt im kommenden Jahr mit zehn Prozent Zuwachs auf rund 1.540 MW an Dynamik verliere. Nur wenn die Preise für Solarprodukte deutlich fielen, könnten Solarparks in Deutschland wirtschaftlich attraktiv bleiben. HSBC rechnet mit einem Preisrückgang bei Solarmodulen von 15 bis 20 Prozent bis Ende 2009. Bereits in der zweiten Jahreshälfte von 2008 könne dieser Abwärtstrend einsetzen.

Da Deutschland der führende Solarmarkt weltweit ist und wohl auch im ähnlich bedeutsamen spanischen Solarmarkt eine Absenkung der Vergütung von Solarstrom ansteht, dürfte es der Studie zufolge allgemein zu sinkenden Modulpreisen kommen. Zumal das Angebot weitere steige. Die Kapazitäten der Hersteller von Solarzellen werden nach Einschätzung der HSBC-Experten weiter stark zunehmen, auf insgesamt 34 GW in 2010. Wobei in der Prognose 25 GW auf herkömmliche Zellen entfallen und 9 GW auf Dünnschichtprodukte. Angesichts dieses Überangebots sehen die Autoren der Studie die Dünnschicht-Technologie im Vorteil. Hier sei das Potential für Kosteneinsparungen so groß, dass es die Nachteile der problematischeren Installation und geringeren Effizienz weit übersteige. Insgesamt rechnet HSBC mit einem starken Preiswettbewerb unter den Anbietern von Solarprodukten. Dieser werde sich mit dem weiteren Markteintritt von neuen Akteuren und der zunehmenden Wettbewerbsfähigkeit junger Unternehmen insbesondere aus Asien noch verschärfen.

Im Vorteil sieht HSBC voll integrierte Solarkonzerne, die über starke Vertriebskanäle verfügen und vor allem weitaus stärker in der Lage seien, über Skaleneffekte Kosten einzusparen und ihre Produkte billiger und in größeren Mengen abzusetzen, als kleinere Konkurrenten. Daher wird in der Studie zum Beispiel die Aktie der Bonner SolarWorld AG zum Kauf empfohlen, mit 44 Euro als Kursziel. Damit geht die Bank davon aus, dass diese Aktie wieder die Rekordwerte von Ende 2007 erreicht. Gestern ging sie in Frankfurt mit einem Kurs von unter 28 Euro aus dem Handel. Die Autoren der Studie machen auch keine Hoffnung darauf, dass sich die Preise für Silizium nennenswert verbilligen, dem wichtigsten Rohstoff für die Produktion herkömmlicher Solarmodule. Mittelfristig sei allenfalls ein Preisrückgang von bis zu zehn Prozent zu erwarten, da die ansteigende Nachfrage den Kapazitätsausbau der Hersteller von Silizium weitgehend ausgleiche. Einen Hoffnungsschimmer, dass sich Silizium stärker verbilligen und so die Produzenten herkömmlicher Solarmodule eine Verringerung ihrer Rohstoffkosten erreichen könnten, lässt HSBC der Branche allerdings. Laut den Analysten der Bank ist die Entwicklung bei den Siliziumherstellern nur sehr schwer einzuschätzen, da ständig neue Akteure auf den Markt träten und auch neue Herstellungsverfahren erprobt würden.

Skeptisch beurteilen die Autoren der Studie die langfristigen Aussichten der Ausrüster von Solarproduzenten. Diese hätten während des Solarbooms der letzten Jahre zwar glänzende Geschäfte gemacht. Aufgrund der hohen Auftragsbestände von Akteuren wie Roth & Rau, Meyer Burger könne dieser Trend auch bis in das kommende Jahr hinein   anhalten.  Doch dann werde sich der Markt ändern. Zum einen drängten mit Firmen wie Intel oder Applied Materials sehr große Akteure in den Markt. Zum anderen werde die Nachfrage für schlüsselfertig aufgestellte Produktionslinien voraussichtlich immer kleiner werden. Die Kunden verfügten zunehmend über eigene Kompetenz im Zusammenfügen der Komponenten, sie müssten immer weniger Know-how von den Anbietern solcher Systeme einkaufen. Zwar werde es vermutlich einen Trend zu immer größeren Anlagen geben - dies zeige etwa das Beispiel der von Hyundai bei der centrotherm photovoltaics AG aus dem bayrischen Blaubeuren bestellten fünf Produktionslinien mit 50 MW Kapazität zeige. Es könne aber nicht jeder Anbieter ohne weiteres solche Großbestellungen stemmen. Im Vorteil sieht HSBC hier Pfeiffer Vacuum und Manz, die sich unter anderem durch starke Margen bzw. ein breit aufgestelltes Geschäftsmodell auszeichneten. Die Bank empfiehlt dagegen, centrotherm und Roth & Rau unterzugewichten.
In der vergangen Woche hatte ECOreporter.de über die Kursentwicklungen von Solaraktien berichtet. Dabei gingen wir auf ein ausführliches Gespräch mit Burkhard Weiss ein. Der Analyst ist einer der Autoren der Solarstudie und äußerte sich gegenüber ECOreporter.de auch zur Entwicklungen in anderen Solarmärkten (per Mausklick gelangen Sie zu dem Artikel).

Bildhinweis: Wafersäge von Meyer Burger / Quelle jeweils: Unternehmen
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