28.08.09 Fonds / ETF

“Superfonds” mit sozialer Verantwortung – ECOreporter.de-Interview mit Andreas W. Korth zum Mischfonds BN & P Good Growth Fund

Die Arbeit für das Nachhaltigkeitsziel sozialer Friede ist Teil des Konzepts des Mischfonds BN & P - Good Growth Fund des Hennefer Good Growth Institut für globale Vermögensentwicklung. Im Interview mit ECOreporter.de erklärt Andreas W. Korth die Struktur des Fonds. Korth ist Geschäftsführer des Good Growth Instituts, Mitinitiator des Fonds und Co-Fondsmanager neben Volker Dietrich von BN&Partner.


ECOreporter.de: Der Good Growth Fund kann in fast alle Arten von Wertpapieren investieren, auch in andere Fonds. Handelt es sich somit um einen „Superfonds“?
Andreas W. Korth: Genau, nur über diese Fondskonstruktion in Luxemburg ist es uns möglich, bis zu 30 Prozent des Fondsvolumens in Spezialfonds, vor allem Mikrofinanzfonds zu investieren. Als vermögensverwaltender Nachhaltigkeitsfonds können wir durch die Anlageformen Aktien, Renten, Zertifikate, Index-, Investment- und Mikrofinanzfonds für die Anleger kostengünstig eine sehr breite Risikostreuung erzielen. Anders als bei einem Dachfonds können wir z.B. auch in hohem Umfang Kasse vorhalten, wenn die Marktverhältnisse es sinnvoll erscheinen lassen.


ECOreporter.de: Was macht die Anlageklasse Mikrofinanzfonds so interessant für den Fonds?
Korth: Das klar definierte Nachhaltigkeitsziel des Good Growth Fund ist die Förderung des sozialen Friedens. Noch immer liegt fast die Hälfte der Weltbevölkerung unter der Armutsgrenze von zwei US-Dollar pro Tag. Jahrzehnte der traditionellen Entwicklungspolitik haben kaum zur Verbesserung dieses Ungleichgewichts beitragen können. Ein besonderer Lichtblick ist daher die systematische Verbreitung der Idee von Mikrofinanzierungen durch den Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus. Mit diesem System von Kleinkrediten, vergeben durch Mikrofinanzbanken, wird vor allem Frauen und Kleinunternehmern ein unabhängiger Weg aus der Armut ermöglicht. Mikrofinanzfonds versorgen die Mikrofinanzkreditinstitute mit der notwendigen Liquidität und sind damit ein Schlüssel für eine Verbesserung der Einkommenssituation in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Damit erfüllen diese in idealer Weise unser Positivkriterium „Sozialer Frieden“. Die Investitionen in den Bereich Mikrofinanz sind jedoch nicht nur ethisch motiviert: Mikrofinanz bringt den Geldgebern eine angemessene Verzinsung zwischen drei und fünf Prozent bei einer geringeren Volatilität als Staatsanleihen. 


ECOreporter.de: Wie sind die verschiedenen Anlagebereiche im aktuellen Portfolio des Fonds vertreten?
Korth: Aktuell sind rund 26 Prozent des Volumens in Mikrofinanzfonds investiert. Das restliche Portfolio wird unter Berücksichtigung der Ausschlusskriterien „Rüstung“ und „Menschenrechtsverletzung“ mit einem aktiven Vermögensverwaltungsansatz investiert. Nur so können wir unseren Investoren insgesamt eine Zielrendite von fünf bis sieben Prozent über einen kompletten Börsenzyklus hinweg in Aussicht stellen. Der Anteil der aktien- oder rohstofforientierten Anlagen darf zwischen 10 Prozent und maximal 60 Prozent schwanken. Die reine Aktienstrategie hat derzeit einen Anteil von knapp 30 Prozent, der Rest verteilt sich auf Rentenwerte, marktneutrale Investments und Cash.


ECOreporter.de: Warum investieren Sie nur bis zu 30 Prozent in den Bereich Mikrofinanz, wo dort die sozialen Effekte doch am besten nachvollziehbar sind?
Korth: Die Mischung sozialer und traditioneller Investments dient nicht nur der Sicherung des gewünschten Renditeziels. Der Bereich Mikrofinanz in Reinkultur ist auch deshalb vorwiegend professionellen Anlegern vorbehalten, weil diese Gelder längerfristig gebunden werden müssen. Der Good Growth Fund stellt mit seiner Aufteilung sicher, dass die Anleger Anteile am Fonds jederzeit wieder verkaufen können. 


ECOreporter.de: Das Investmentkonzept des Good Growth Fund erscheint sehr anspruchsvoll und aufwendig. In den letzten Monaten wurden verschiedene Nachhaltigkeitsfonds mangels Masse geschlossen. In vielen Fällen hätten die fixen Kosten das Vermögen zu sehr belastet. Gibt es ein Mindestvolumen, dass der Fonds erreichen muss, um wirtschaftlich arbeiten zu können?
Korth: Anders als bei den großen Fondsgesellschaften gibt es bei unserem Fonds sehr schlanke Strukturen, so dass der Fonds bereits mit dem aktuellen Volumen von rund acht Millionen Euro positive Deckungsbeiträge liefert. Mit dem Fonds verfolge ich gemeinsam mit BN&Partner als Initiator auch nicht das Ziel der Ertragsmaximierung. Vielmehr geht es uns und unserem Startkapitalgeber Michael Horbach darum, mit eigenem Vorbild voran zu gehen, um die Idee von sozialem Unternehmertum im Sinne von Prof. Yunus in unserer Gesellschaft zu etablieren. Daher freuen wir uns über jeden zusätzlichen Investor, ohne auf das Volumen zwingend angewiesen zu sein. 


ECOreporter.de: Wie hoch liegt die Umschlagshäufigkeit des Good Growth Fund? Gibt es dafür eine Obergrenze?
Korth: Eine feste Obergrenze gibt es nicht, auf das gesamte Fondsvolumen gehen wir aber von einer Umschlagshäufigkeit von weniger als 100 Prozent pro Jahr aus. Bei vielen Basisinvestments wie z.B. im Bereich Mikrofinanz sind wir sehr treue Investoren. Im Bereich der Aktien- und Renteninvestments arbeiten wir mit einem antizyklischen Umschichtungssystem. Wir überprüfen monatlich unser Aktienexposure und passen es bis zu drei Prozent antizyklisch an. In schwierigem konjunkturellen Fahrwasser wird die Aktienquote tendenziell auf bis zu 60 Prozent erhöht und bei Überhitzungsanzeichen wird die Quote in gleicher Weise gesenkt. Dieses System reduziert Bauchentscheidungen und führt zu einer Reduzierung der Volatilität im Fonds. Die Kosten dieser Umschichtungen sind jedoch absolut überschaubar. 


ECOreporter.de: Wie hoch liegen andere Gebühren und Gebührenkennziffern wie beispielsweise der Ausgabeaufschlag oder die TER?
Korth: Die Managementgebühren liegen aktuell bei 1,525 Prozent und der Ausgabeaufschlag bei 5 Prozent. Wenn die Sonderkosten der Fondsauflage „verdaut“ sind, sollte die TER nur dann über 2 Prozent liegen, wenn wir für die Anleger eine Rendite von mehr als 5 Prozent erwirtschaften und dadurch auch eine Performance Fee verdienen. 
Diese Gebühren bewegen sich damit im normalen Rahmen und finanzieren nicht nur das Fondsmanagement und den Vertrieb. Vielmehr werden von uns aus den Managementgebühren 0,2 Prozent des Volumens der Publikumstranche zur Gründungsförderung von sozialem Unternehmertum gespendet.


ECOreporter.de: Wie wird festgelegt, wie viel gespendet wird und wer wählt die Spendenempfänger aus?
Korth: Das Fondsmanagement wird von einem ehrenamtlichen Investmentbeirat unterstützt, der u.a. auch für die Verwendung der Spendengelder verantwortlich ist. Für den Bereich Social Business sind vor allem Dr. Maritta Koch-Weser und Peter Spiegel verantwortlich. Peter Spiegel leitet u.a. das Genisis Institute for Social Business in Berlin, und führt dort mit Unterstützung von Prof. Yunus für Deutschland die Fäden der Idee des Sozialen Unternehmertums zusammen. Über dieses Gremium ist eine möglichst wirksame Mittelverwendung sichergestellt. Mit unserem Nachhaltigkeitsbericht haben die Investoren die vollständige Transparenz.


ECOreporter.de: Der Fonds ist eigenen Angaben zufolge direkt oder indirekt in rund 2.500 Einzeltitel investiert. Wie gelingt es da noch, den Anspruch auf Nachhaltigkeit zu konkretisieren?
Korth: Auch wenn die Wachstumsraten der Nachhaltigkeitsfonds bislang sehr beeindrucken waren, ist unstrittig, dass wir hier in Deutschland gegenüber unseren europäischen Nachbarn noch deutlichen Nachholbedarf bei den nachhaltigen Investments haben. Dies liegt unseres Erachtens daran, dass die dunkelgrünen Nachhaltigkeitsfonds nicht dem Bedarf der überwiegenden Zahl der Anleger entsprechen, die einerseits mit ihrem Investment einen ersten Schritt Richtung Nachhaltigkeit gehen wollen, andererseits aber möglichst geringe Risiken wünschen. Risikoreduzierung geht mit Risikostreuung einher. Das Nachhaltigkeitskonzept unseres Fonds wurde mit Toleranzschwellen so konzipiert, dass Kleinstinvestments mit einem Anteil von weniger als 0,2 Prozent am Fondsvolumen nicht der Ethikprüfung unterworfen werden müssen. Diese Vorgehensweise reduziert die Kosten und ermöglicht dann z.B. die Investitionen in breit gestreute Indexfonds (ETF). Mit dieser pragmatischen Vorgehensweise und dem zugehörigen Regelwerk gehen wir sehr offen um, wie unser Nachhaltigkeitsbericht und das Eurosif Transparenzsiegel belegen. Wer eine fundamentale Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen vor Risiko und Rendite stellt, ist bei uns nicht richtig.


ECOreporter.de: Weshalb beschränkt sich der Fonds auf die beiden sozialen Negativkriterien Waffen und Menschen- bzw. Arbeitsrechte?
Korth: Nach den bisherigen Kriterien von Eurosif sind Fonds mit drei und mehr Negativkriterien schon „dunkelgrün“. Wir wollen diesen Anspruch bewusst nicht erheben und stellen Risikostreuung und Nachhaltigkeit wirklich auf eine Stufe. Durch die Mikrofinanzinvestments, die laufenden Spenden und mit unserem Engagement für die freiwillige Ethikkonvention der Vereinten Nationen UN-Global Compact nutzen wir zudem weitere Instrumente, um das Ziel Sozialer Frieden mit unserem Fonds zu unterstützen, ohne die notwendige Risikostreuung zu gefährden.


ECOreporter.de: Weshalb wurden überhaupt keine ökologischen Negativkriterien formuliert?
Korth: Wir fokussieren uns auf das Ziel sozialer Frieden, weil wir glauben, dass es genug gute Nachhaltigkeitsprodukte im ökologischen Bereich gibt, die die Kunden mit unserem Fonds kombinieren können. Ein Fonds, der zugleich den Zielen Klimaschutz, Gesundheit und Sozialer Frieden dienen will, kann nur eine Mogelpackung werden, oder muss im Bereich der Risikostreuung erhebliche Kompromisse machen. 


ECOreporter.de: Ihr Fonds bietet Anlegern auch die Möglichkeit der Altersvorsorge mit steuerlicher Förderung. Wie genau sieht das aus und für welchen Typ von Anleger eignet sich das Angebot?
Korth: Die Basisrente auch Rüruprente genannt, ist gerade für ältere Anleger und Selbständige eines der letzten Steuersparmodelle. In 2009 können 68 Prozent der Beiträge von der Steuer abgesetzt werden (die Förderung steigt bis zum Jahr 2025 auf 100 Prozent an). Erst nach Renteneintritt ist die Basisrente dann steuerpflichtig. Daraus ergeben sich attraktive Steuerstundungs- und Spareffekte. Vor allem in Verbindung mit einem Berufsunfähigkeitsschutz ist die Basisrente auch für Berufsstarter und Angestellte interessant. Mit HDI Gerling haben wir eine Lebensversicherung als Partner gewonnen, die nun eine Basisrente in Verbindung mit dem Good Growth Fund anbietet. Selbstverständlich kann man auch über alle anderen Fondspolicen bei HDI Gerling in den Good Growth Fund investieren. Selbst Umschichtungen von vorhandenen Fondsguthaben in den Good Growth Fund sind dort möglich.


ECOreporter.de: Wo sehen Sie die besonderen Qualitäten des Good Growth Fund gegenüber anderen Nachhaltigkeitsfonds?
Korth: Wir konzentrieren uns als erster Fonds in Europa auf das Nachhaltigkeitsziel Sozialer Frieden und bringen eine angemessene Rendite, Risikostreuung und Nachhaltigkeit in Balance. Kurz gesagt: Eine Investition mit Herz und Verstand! 

ECOreporter.de: Herr Korth, wir danken Ihnen für das Gespräch!


Fondsdaten
ISIN: LU0360706096
WKN: HAFX2F
Fondskategorie: Mischfonds / balanced
Risikoklasse: Konservativ
Anlagegesellschaft: Hauck & Aufhäuser Investment Gesellschaft S.A., Luxemburg
Sitzland: Luxemburg
Depotbank: Hauck & Aufhäuser Privatbankiers S.A.
Auflagedatum: 14.5.2008
Geschäftsjahrende: 30.09.
Fondsvolumen: 7,7 Mio EUR
Fondswährung: EUR
Ausgabeaufschlag: 5,0 Prozent (bis zu 5,75 Prozent)
Verwaltungsgebühr: bis zu 1,575 Prozent
Rücknahmegebühr: Keine
Depotbankgebühr: 0,10 Prozent
TER n.a.
Mindestanlagesumme: 500 EUR
Sparplan: Ab 50 EUR
Fondsmanager Hauck & Aufhäuser Investmentgesellschaft S.A.
Berater: BN & Partner Schweiz AG
Ausschüttungsart: thesaurierend
Zugelassen: in Luxemburg, Deutschland


Weitere Informationen zum BN & P Good Growth Fund finden Sie hier: Opens external link in new windowMausklick

Bild: Mikrofinanzinvestitionen sollen die Lebensbedingungen in Entwicklungs- und Schwellenländern verbessern helfen. / Quelle: Good Growth Institut
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