Nur langsam verlassen die Tesla Modelle 3 die Produktionshalle. / Foto: Unternehmen

  Aktientipps

Tesla will auf neuem Weg frisches Kapital suchen – was das für die Aktie bedeutet

Was Tesla und Aubameyang gemeinsam haben? Nicht viel auf den ersten Blick (Aubameyang fährt keinen Tesla, sondern glitzernde Benziner anderer Hersteller) – und dennoch gibt es da zwei Punkte, die auf beide zutreffen: Ständig sorgen das US-Unternehmen und der mittlerweile ehemalige Dortmunder und Neu-Londoner für neue Schlagzeilen. Und dann fehlt es beiden auch an der Leistung – Aubameyang erst seit einigen Wochen, Tesla eigentlich schon fast immer. Tröpfchenweise verlassen die Wagen des neuen Tesla Modells 3 die Produktionshallen. Wenig Autos produziert, wenig verkauft, wenig Geld – das wäre die logische Reihe. Nicht bei Tesla. Tesla scheint jede Menge Probleme zu haben, aber keine Geldsorgen.

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

8.000 Dollar soll Tesla pro Minute verbrennen, wie Medien es martialisch beschreiben. Man könnte es auch in moderater Finanzsprache so formulieren: Tesla hat einen erstaunlich hohen negativen cash-flow. Aber weil die Investoren von Tesla-Gründer Elon Musk nahezu hypnotisiert zu sein scheinen, haben sie ihm Milliarden anvertraut. Tesla hat daher eine Marktkapitalisierung, die höher ist als bei den meisten ganz normalen Automobilbauern. Obwohl auf den Straßen weltweit weniger Teslas als alte Modelle von Saab rollen. Auch für das Model 3 hatte Tesla eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Dann hat Tesla auch noch Wandelanleihen begeben. Nun baut Tesla laut Medienberichten an einer ABS-Anleihe. Das sind forderungsbesicherte Wertpapiere mit speziellen Sicherheiten. Laut Bloomberg soll die Tesla-Leasing-Flotte als Sicherheit gelten. Über eine halbe Milliarde Dollar soll auf diese Weise hineinkommen. Das würde Tesla eine Zeit lang absichern. Doch auf mittlere Sicht wäre es besser, Tesla würde so viel Autos produzieren wie die Kunden wollen – und das in der Qualität, die die Kunden mögen.

Wer hinter die Kulissen der Automobilindustrie schaut, der kann erahnen, wo Teslas wirkliche Probleme sitzen: In Wolfsburg, bei Stuttgart, in München und in Ingolstadt und in vielen anderen Städten, in denen konventionelle Autobauer zuhause sind. Sie alle sind im Moment in einer Art Abwehrschlacht mit ihrem eigenen Missverhalten gefangen, tun empört über die von ihnen finanzierten Tierversuche mit Affen, produzieren aber weiter Zwölf- und Achtzylinder. Das alles ist Gegenwart, aber eine, die schon wie Vergangenheit wirkt. Denn die Elektroautos werden bald auch von Audi, BMW, Mercedes und VW und den anderen kommen – Nissan fährt sowieso schon vorweg, von StreetScooter und anderen ganz zu schweigen. Aber ein Elektro-Audi ist ein Audi, mit der gegebenen Qualität und mit Produktionsabläufen, die eingespielt sind. Von daher: Danke, Tesla, für die Vorarbeit. Und viel Glück. Aber Geld anlegen mit Tesla? Das ist wie Lotto: Glückssache. Wer strategisch denkt, meidet die Tesla-Aktie.

Aktuell, seriös und kostenlos: Der ECOreporter-Newsletter. Seit 1999.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x