13.06.07 Anleihen / AIF

Test: Climate Awareness Bond: Kapitalschutz plus X - Bank will mit Rekordanleihe Mittel für Klimaschutzmaßnahmen einsammeln

Eine sichere Geldanlage für die nächsten fünf Jahre, bei der die Mittel für den Klimaschutz eingesetzt werden, bietet derzeit die Europäische Investitionsbank (EIB). Sie hat mit dem „Climate Awareness Bond“ eine Anleihe aufgelegt, die bis zum 22. Juni 2007 gezeichnet werden kann. Danach wird die Emission an den Börsen geführt. Zahlungsdatum ist der 22. Juni 2007. Die EIB gehört den Mitgliedstaaten der EU und ist von Agenturen wie Moodey’s und Standard&Poors mit einem Triple-A geratet worden. Ihre Anleihe ist den Angaben zufolge die erste, die in allen 27 Mitgliedstaaten zugleich angeboten wird. Sie hat eine Laufzeit bis 2012, die Platzierung erfolgt über 15 internationale Banken.

Einer der Lead Manager der Anleihe ist Barclays Capital. Laut deren Angaben richtet sich das Angebot sowohl an institutionelle Investoren als auch an Privatanleger. Ihnen werde bei der Fälligkeit am 28. Juni 2012 eine Mindestrückzahlung von 105 Prozent des eingezahlten Kapitals garantiert. Bei dem Nennwert von 100 Euro, zu dem die Papiere jeweils herausgegeben werden, wären dies fünf Euro Gewinn. Diese fünf Prozent Rendite sind jedoch nur den Anlegern garantiert, die das Papier bis zum Ende der Laufzeit halten. Allerdings sind damit die Renditechancen für den Anleger bei diesem Angebot noch nicht erschöpft. Denn eigentlich handelt es sich bei der Anleihe um ein Garantie-Zertifikat. Das Angebot sieht zusätzlich vor, dass der Anleger von der Wertentwicklung des eigens entwickelten Nachhaltigkeitsindex "FTSE 4 Good Environmental Leaders Europe 40 Index" profitiert, wenn diese bis zum Laufzeitende des „Climate Awareness Bond“ positiv verläuft. Wie Uwe Becker, Leiter des Zertifikategeschäfts bei Barclays Capital Deutschland, gegenüber ECOreporter.de erläutert, wird diese Partizipation 75 bis 85 Prozent betragen. Die genaue Höhe dieses Anteils könne erst nach Ablauf der Zeichnungsfrist berechnet werden. Der Index sei schließlich neu und man müsse erst einmal ein Pricing durchführen. Eine 100-prozentige Beteiligung des Anlegers sei nicht möglich, da die abgezogene Differenz benötigt werde, um den zugesicherten Kapitalschutz zu finanzieren. Wahrscheinlich sei eine Partizipation in Höhe von 80 Prozent an der Wertentwicklung des "FTSE 4 Good Environmental Leaders Europe 40 Index". „Wenn dieser bis zum Laufzeitende um 50 Prozent zulegt, bekommt der Anleger dann für den Nennwert von 100 Euro bei einer 80-prozentigen Beteiligung 140 Euro ausgezahlt“, rechnet Becker vor. Wie er betont, wird keine Gebühr für die Zeichnung der Anleihe erhoben. Grundsätzlich könnten die Depotbanken zwar welche erheben, das sei aber nach seiner Einschätzung „äußerst unwahrscheinlich“.

Bei dem Wertpapier der EIB handelt sich ihm zufolge um die größte an einen Aktienindex gekoppelte Konsortialanleihe, die jemals aufgelegt worden ist. Ihr Emissionsvolumen beläuft sich auf mindestens 600 Millionen Euro. „Wir halten aber auch 1 Milliarde Euro für möglich“, so Becker. Der FTSE-Index verzeichnete in den zwölf Monaten von Ende März 2006 bis Ende März 2007 einen Wertzuwachs von über sieben Prozent. Auf Sicht von drei Jahren belief sich die Performance der aktuellen Auswahl des Index auf über 34 Prozent, auf fünf Jahre allerdings nur auf wenig mehr als fünf Prozent. Um die Folgen eines plötzlichen Kursabsturzes am Ende der Laufzeit abzufedern, hat die Emittentin des „Climate Awareness Bond“ nach Darstellung von Becker eine Sicherung eingebaut. Sie habe festgelegt, dass der angewandte Abschlusswert des "FTSE 4 Good Environmental Leaders Europe 40 Index" auf dem durchschnittlichen Wert basiert, den er während der letzten sieben Monate vor dem Fälligkeitsdatum erreicht. Insgesamt fließt nur die Entwicklung der Aktienkurse der im Index enthaltenen Unternehmen in die Berechnung ein, Dividendenzahlungen spielen keine Rolle. Sollte während der Laufzeit der FTSE-Nachhaltigkeitsindex eingestellt werden, so wird laut der Emittentin Dresdner Kleinwort als Berechnungsstelle einen Ersatzindex auswählen, der dem "FTSE 4 Good Environmental Leaders Europe 40 Index" möglichst nahe kommt.

Dieser Nachhaltigkeitsindex enthält die nach Marktkapitalisierung 40 größten europäischen Unternehmen, die laut der FTSE (Financial Times Stock Exchange) den größten Beitrag zum Umweltschutz leisten. Wie der nach eigenen Angaben größte Anbieter von Indices weltweit mitteilt, müssen die ausgewählten Firmen eine tragfähige Nachhaltigkeitsstrategie vorweisen und dabei mehr leisten als ihre Konkurrenten. Es wird verlangt, dass sie Best-Practice-Standards ihrer Branche erfüllen, wenn nicht gar übertreffen, und auch andere Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit anregen. Bei der aktuellen Auswahl der 40 Titel des "FTSE 4 Good Environmental Leaders Europe 40 Index" liegt der Schwerpunkt bei Banken (Gewichtung von 34 Prozent), Telekommunikations- und Öl-Werten (Gewichtung von jeweils knapp 15 Prozent). Deutsche Titel sind etwa Bayer und BASF, die Autobauer BMW und Volkswagen, die Deutsche Telekom und die Deutsche Bank. Ebenfalls enthalten sind zum Beispiel ABN Amro und HSBC, BP und Shell, ABB und Unilever. Der Unterschied zu Nachhaltigkeitsindex mit strengen Kriterien wie etwa dem Natur-Aktien-Index (NAI), der weder Auto- noch Ölwerte enthält, ist offensichtlich. Anleger, die Wert auf eine konsequente Auswahl von Nachhaltigkeitspionieren setzen wollen, dürften von der Auswahl enttäuscht sein.

„Die durch diese kapitalgarantierte Anleihe zur Verfügung gestellten Mittel werden ausschließlich in Projekte zur Förderung von regenerativen Energien und Steigerung der Energieeffizienz investiert“, gibt dagegen Uwe Becker zu bedenken. Die EIB verpflichte sich, das eingeworbene Kapital zweckgebunden zur Kreditauszahlung für Projekte in den Bereichen Erneuerbare Energie und Energieeffizienz einzusetzen. Laut dem Experten der Barclays Capital stellt diese Zweckgebundenheit der Anleihe ein Novum dar. Die nötige Transparenz ist laut der EIB dadurch gewährleistet, dass sie im Jahresbericht der Bank dokumentiert werden. Die Bank hat nach eigenen Angaben allein in den letzten fünf Jahren 2,2 Milliarden Euro für die Finanzierung von Projekten im Bereich Erneuerbarer Energie eingesetzt. Hintergrund seien die Klimaziele der EU. Die sehen vor, dass bis 2020 der Anteil der Regenerativen an dem Energieverbrauch in der Union auf 20 Prozent steigt und dieser zugleich um 20 Prozent verringert wird. Um mindestens 20 Prozent soll der Treibhausgasausstoß der EU-Staaten bis dahin sinken. Zu der Erfüllung dieser Ziele soll die EIB als Finanzvehikel der Mitgliedstaaten einen wichtigen Beitrag leisten. Laut einem für 2007 bis 2009 aufgelegten Plan muss jeder zweite von ihr im Bereich Energieproduktion bereitgestellte Euro in den Bereich der klimaschonenden Erzeugung fließen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Bereichen Wasser- und Windkraft, Solarenergie und Geothermie. Zudem will die EIB im großen Stil Maßnahmen zur Verbesserung von Energieeffizienz wie bessere Gebäudeisolation finanzieren helfen.

Mit dem Angebot der Anleihe eröffnet die EIB den Investoren überdies die die Möglichkeit, auf einen teil des Gewinns zu verzichten und ihn für den Klimaschutz einzusetzen. Wie Becker erläutert, soll der Anleger vor dem Fälligkeitsdatum gefragt werden, ob den Teil seines Gewinns, der höher als 25 Prozent liegt, entsprechend einsetzen will. Beim oben erwähnten Beispiel eines Wertzuwachses des "FTSE 4 Good Environmental Leaders Europe 40 Index" von 50 Prozent wären dies 20 Euro. Wenn der Anleger möchte, setzt die EIB diese „Spende“ ein, um EU-Emissionsrechte aufzukaufen und zu löschen. Dies soll die Menge der im Umlauf befindlichen CO2-Emissionszertifikate reduzieren helfen. Dadurch wiederum soll deren Preis ansteigen, so dass es für die vom Emissionshandel betroffenen Unternehmen lohnender wird, ihre Emissionen zu begrenzen, damit sie keine oder weniger dafür erforderliche Emissionsberechtigungen zukaufen müssen. Die EIB betont jedoch, dass dies nur ein Angebot an den Anleger ist und der dieses ausdrücklich wünschen muss.

Fazit:
Wir halten das Angebot der „Spende“, um EU-Emissionsrechte aufzukaufen und zu löschen, für wenig überzeugend und auch nur schwer nachvollziehbar. Möglicherweise handelt es sich nur um ein Marketinginstrument, um das Klimaschutzanliegen der EIB bei dieser Anleihe zu unterstreichen. Das Angebot selbst kann dagegen durchaus überzeugen. Dies gilt vor allem für Anleger, die ihr Geld sicher anlegen wollen. Das Risiko des „Climate Awareness Bond“ ist bei der hohen Bonität der EIB zu vernachlässigen. Dass die garantierte Mindestrendite dafür nur ein Prozent pro Jahr erreicht, ist der Preis für diese Sicherheit. Er erscheint uns trotz des Umstands, dass andere sichere Anlagen wie etwa Sparbücher mehr Rendite einbringen, angemessen. Denn die Anbindung an die Wertentwicklung des "FTSE 4 Good Environmental Leaders Europe 40 Index" eröffnet die realistische Chance zu deutlich höherem Gewinn. Angesichts der erforderlichen Maßnahmen zum Klimaschutz weltweit gehen viele Experten davon aus, dass die Aktienkurse von Unternehmen, die sich um die Entlastung des Weltklimas bemühen, in den nächsten Jahren steigen werden. Die in dem für die Anleihe aufgelegten FTSE-Index gelisteten Unternehmen können zwar nicht als Klimaschutz-Pioniere gelten. Im Vergleich zu ihren Konkurrenten scheinen sie jedoch bereits auf den Trend zu mehr Nachhaltigkeit reagiert und sich damit Wettbewerbsvorteile gesichert zu haben. Das dürfte sich in der Wertentwicklung der für den Index ausgewählten Titel positiv niederschlagen.

Climate Awareness Bond
ISIN: XS0301665310
WKN: A0NWU1

Bildhinweise:
Die Anleihe soll helfen, den Ausbau klimaschonender Energieerzeugung zu finanzieren. / Quelle: NEG Micon;
Module der Solartochter von BP / Quelle: Unternehmen;
die EIB will unter anderem Wasserkraft-Projekte finanzieren / Quelle: Endesa
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