Der Standort des Projektes des Öko-Energie Umweltfonds 1 im Mai 2014. / Quelle: ECOreporter

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Test: Öko-Energie Umweltfonds 1 – der geschlossene Kunststoff-Recycling-Fonds von Ventafonds im ECOanlagecheck

Der Öko-Energie Umweltfonds 1 der Fondsinitiatorin Ventafonds GmbH aus Bremen ist seit mehr als vier Jahren im Verkauf. Millionen haben die Anleger bereits investiert. Die Fondswerbung verspricht immerhin 200 Prozent Gesamtausschüttungen.

Die ECOreporter.de-Fotos aus Dezember 2013 und Mai 2014 zeigen, wie der Bau fortschritt.

Der Fonds soll eine neuartige Anlage errichten, die insbesondere Kunststoffe recyceln und in ein heizölähnliches Produktöl umwandeln soll. Anleger können sich ab 10.000 Euro plus fünf Prozent Agio an dem Fonds beteiligen. Der ECOanlagecheck analysiert das Angebot – wie riskant ist das Investment?

ECOreporter.de hat die Veröffentlichung dieses Anlagechecks mehrfach verschoben, um den Bau der Anlage abzuwarten. Daher stammen die meisten der in diesem ECOanlagecheck genannten Daten von Ende 2013. Die ECOreporter.de-Redaktion hatte den Anbieter im Mai 2014 noch einmal befragt, insbesondere zum Platzierungsstand, zum Stand der Bauarbeiten und zum Stand des geplanten Cradle-to-Cradle-Bewertungsverfahrens. Als Antwort hieß es beispielsweise, der aktuelle Stand lasse sich auf der homepage abrufen, außerdem sei ein Bautagebuch eingerichtet. „Mit den Baumaßnahmen wurde also begonnen“, sagte der Anbieter auch.

Laut Bautagebuch ist beispielsweise eine 500-kg-Bombe entschärft worden, das Bautagebuch verwies aber auch auf allgemeine Finanzmarkt-Ereignisse, die nichts mit dem Projekt selbst zu tun hatten.

Die Anbieterin erklärte im Mai 2014, man sei in Gesprächen mit Investoren, welche u.a. auch an der Übernahme der Mehrheit an dem Projekt interessiert seien.

Die Fondsinitiatorin

Anbieterin des Fonds Öko-Energie Umweltfonds GmbH & Co. KG ist der Fonds selbst. Daher müssten Anleger bei Rechtsstreitigkeiten, z. B. wegen möglicher Prospektmängel, quasi gegen sich selbst klagen. Zudem ist aufgrund der sehr langen Platzierungsphase die Prospekthaftungsfrist schon abgelaufen.
Initiatorin des Fonds ist die Ventafonds GmbH aus Bremen. Eine Leistungsbilanz hat das Unternehmen nicht veröffentlicht. Laut eigener Internetseite hat Ventafonds bislang zwei Dubai-Immobilienfonds, einen Hotelfonds und einen Bildungsfonds initiiert. Der Bildungsfonds wurde den Angaben der Initiatorin zufolge während der Platzierungsphase von einem Großinvestor übernommen, das Hotel wird nach Angaben der Initiatorin an einen Einzelinvestor verkauft (Stand: 10. Dezember 2013). Die beiden Dubaifonds (Immobilien) haben Verluste erwirtschaftet, die verbleibenden Gelder fließen nach Aussage der Initiatorin an die Investoren zurück (Stand: 10. Dezember 2013).

Foto: Der Projekt-Standort im Dezember 2013

Das Angebot

Das einzuwerbende Eigenkapital wurde per Nachtrag Nr. 4 vom Mai 2013 von 26,8 Millionen Euro auf 31,5 Millionen Euro (jeweils plus 5 Prozent Agio) erhöht, um die geplante Anlage um eine nach Angaben der Initiatorin sinnvolle eigene Sortier- und Schredderanlage ergänzen zu können. Zum Zeitpunkt des Nachtrags Nr. 4 waren rund 4,7 Millionen Euro eingeworben. Laut Nachtrag Nr. 4 sind weitere 8 Millionen Euro erforderlich, um die erste der geplanten vier Anlagen zu bestellen und die zum Betrieb der Anlage notwendigen Voraussetzungen zu schaffen. Im Nachtrag Nr. 3 war verkündet worden, dass eine Schweizer Vermögensverwaltung eine Platzierungsgarantie (Fälligkeit spätestens zu Ende 2012) über 10 Millionen Euro gegeben hat. Es wird im Nachtrag Nr. 3 weiter ausgeführt, dass damit 12,24 Millionen Euro „platziert sind“ und „der Bau der Anlage als gesichert angesehen werden kann“. Im Nachtrag Nr. 4 wird mitgeteilt, dass eine Platzierungsgarantie vorgesehen „war“ und „die geänderte Planung ohne den Zufluss der Platzierungsgarantie eine Neukalkulation des Investitions- und Finanzplans“ erforderte. Dies insbesondere bei den Kosten der Anlagentechnik, den Kosten für Gutachten, Prospekte sowie für Marketing/Werbung“.

Foto: Ein Schild hinterm Bauzaun signalisiert, was für ein Projekt hier umgesetzt werden soll.

Laut Nachtrag Nr. 4 ist der Fonds weiter als reiner Eigenkapitalfonds geplant, jedoch ist die Aufnahme von Fremdkapital (bis zu 50 Prozent des Fondsvolumens) nunmehr erlaubt. Der Investitions- und Finanzplan hat sich über die Nachträge in mehreren Punkten verändert. Beispielsweise belaufen sich die Marketingkosten im Nachtrag Nr. 4 auf 705.000 Euro, während es im Hauptprospekt nur 200.000 Euro waren. Nach Angaben der Initiatorin enthalten die Marketingkosten im Nachtrag Nr. 4 den – nicht verbrauchten – Frühzeichnerbonus, der im Hauptprospekt ausgewiesen worden war.

Die prospektierte Gesamthöhe der einmaligen Provisionen beläuft sich weiterhin insgesamt auf 17 Prozent (inkl. 5 Prozent Agio). Die neue (geplante) Laufzeit des Fonds beträgt rund neun Jahre bis Ende 2018. Für Investoren, die jetzt erst in den Fonds einsteigen, wäre die Laufzeit somit laut der im Prospektnachtrag Nr. 4  dargestellten Planung rund fünf Jahre. Im Hauptprospekt war eine Laufzeit bis Ende 2020 und im 2. Nachtrag eine Laufzeit bis Ende 2022 vorgesehen.

Die Investition

Der Fonds will eine Anlage errichten lassen, die aus Kunststoffabfällen und/oder Altölen ein Produktöl nach DIN 51603-1 herstellen soll, vergleichbar mit Heizöl. Die Anlage soll von einer externen Betreibergesellschaft betrieben werden. Die für die Anlage gepachtete Fläche befindet sich im Rheinau-Hafen von Mannheim im Norden Baden-Württembergs.

Der Fonds trägt zwar den Namen „Öko-Energie Umweltfonds“, aber die ökologische Vorteilhaftigkeit wird im Prospekt nicht nachgewiesen, da eine aussagekräftige – alle Produktzyklen umfassende –  Stoff- und Energiebilanz fehlt. Beispielsweise müssen Kunststoffe laut Prospekt zerkleinert, gereinigt, von Fremdstoffen befreit, kontrolliert und getrocknet werden, wodurch Energie verbraucht wird. Das danach angewendete Verfahren der Thermolyse verbraucht durch die Erhitzung Energie, um aus festen Kunststoffen letztlich Öle zu gewinnen. Dabei entstehen Luftschadstoffe, die gereinigt werden müssen, um die Umweltauflagen einzuhalten, und Reststoffe wie wachsartige Komponenten, die entsorgt werden müssen. Aufgrund der laut Prospekt großen Mengen an brennbaren Feststoffen, Flüssigkeiten und Gasen ist ein Sicherheitskonzept mit umfassenden Schutzmaßnahmen erforderlich, um Brände und Explosionen zu verhindern.

Foto: Unter anderem wurden Bagger eingesetzt, um das Grundstück einzuebnen.

Nach Angaben der Initiatorin durchläuft die geplante Anlage des Fonds derzeit ein Bewertungsverfahren der EPEA Internationale Umweltforschungs GmbH aus Hamburg. Das Verfahren ist nach Angaben der Anbieterin nun weitestgehend abgeschlossen (Stand: 16. Mai 2014). Die Ergebnisse sollen nach Fertigstellung präsentiert werden (wohl Ende Juni 2014). Laut der EPEA-Internetseite sind „Cradle to Cradle“-Kriterien für die Evaluierung (Bewertung) unter anderem die Materialbewertung, die Wiederverwertbarkeit in Kreisläufen und das Energie- und Wassermanagement bei der Produktion.

Von der Kunststoff-Altöl-Recycling-Anlage gibt es laut Hauptprospekt nur eine Anlage. Dabei handelt es sich um eine Pilotanlage in der Schweiz. Daher besteht laut Prospekt das Risiko, dass beim Betrieb der Anlage heute noch unbekannte Probleme auftreten können. Weiterhin ist unsicher, ob sich die Anlagentechnologie am Markt durchsetzen kann. Es ist möglich, dass andere Recycling- oder Verwertungstechnologien und –methoden für Kunststoffe und/oder Altöle existieren oder entwickelt werden, die wirtschaftlich rentabler und umweltfreundlicher sein könnten.

Die geplante Anlage des Fonds beruht auf der Syntrol-Technologie der Firma Nill-Tech GmbH aus Holzgerlingen in Baden-Württemberg. Die Nill-Tech GmbH ist auch der Verkäufer der Anlagen. Laut Fondsprospekt (2009) wurde die Firma 1992 gegründet und hat zehn Mitarbeiter. Die Nill-Tech GmbH soll die Anlagen laut Nachtrag Nr. 4 an den Fonds liefern und sie errichten. Laut Jahresabschluss 2012 besitzt die Nill-Tech GmbH ein Anlagevermögen von rund 5.500 Euro. Zudem werden im Jahresabschluss 2012 rund 142.000 Euro Eigenkapital und rund 5,604 Millionen Euro an Verbindlichkeiten ausgewiesen, so dass die Eigenkapitalquote mit rund 2,5 Prozent sehr gering war. Aufgrund dieser Zahlen ist es fraglich, ob der Anlagenbauer Nill-Tech bei Anlagenmängeln für Gewährleistungen/ Garantien einstehen und Schadensersatzleistungen leisten könnte. Zudem besteht laut Prospekt das Risiko, dass Vorauszahlungen des Fonds verloren gehen, wenn etwa wegen einer Insolvenz des Anlagenbauers die Anlagen nicht fertiggestellt werden sollten. Nach eigener Aussage hat die Initiatorin entsprechende Sicherungsmaßnahmen getroffen, die aber teilweise vertraulich seien. Nach Aussage der Fondsinitiatorin ist der Geschäftsführer der Nill-Tech GmbH „dann mit 1 Million Euro an dem Fonds beteiligt.“ (Stand: Dezember 2013).

Der Projektstand

Das Anlagenprojekt des Fonds hat sich um mehrere Jahre verzögert. Der Hauptgrund für die mehrjährigen Verzögerungen ist nach Angaben der Initiatorin die schleppende Einwerbung des benötigten Eigenkapitals, was durch die Finanzkrise begründet sei.

Foto: Im Mai 2014 war auf dem Grundstück noch keine Anlage zu sehen, lediglich viel Erde.

Der Hauptprospekt sah bereits erste Umsatzerlöse für 2010 vor. Laut Nachtrag Nr. 4 war der Baubeginn ab dem vierten Quartal 2013 geplant und die Inbetriebnahme für 2015. ECOreporter.de war Ende Dezember 2013 vor Ort und hat sich das im Prospektnachtrag Nr. 4 genannte Grundstück, auf dem die Anlage errichtet werden soll, angesehen. Vorgefunden hat ECOreporter.de ein Bauschild auf einem platten Grundstück. Inzwischen ist nach Angaben der Anbieterin am 31. März 2014 der Baubeginn gewesen. Die Bilder zeigen den Zustand des Grundstücks am 11. Mai 2014, mehr als 5 Wochen nach „Baubeginn“.

Im Mai 2011 wurde die erste Baugenehmigung für die Anlage auf dem Grundstück erteilt, für das der Fonds seit Juli 2010 Optionsprämien zahlte. Da für dieses Grundstück ab August 2011 Miete gezahlt werden sollte, hat die Fondsgeschäftsführung laut Prospektnachtrag Nr. 3 (Dezember 2011) entschieden, auf ein anderes Grundstück eine Straße weiter umzuziehen. Die deutlich günstigeren Konditionen lagen laut der von der Geschäftsführung im Nachtrag Nr. 3 geäußerten Vermutung daran, dass das neue Grundstück für andere Großunternehmen zu klein sei. Die Baugenehmigung für das neue Grundstück wurde laut Nachtrag Nr. 4 im Mai 2012 erteilt.

Die Fondskalkulation

Die im Prospektnachtrag Nr. 4 prognostizierte Gesamtausschüttung für die Anleger liegt auf dem Niveau der im Hauptprospekt prognostizierten Gesamtausschüttung. Das ist insofern erklärungsbedürftig, da der Fonds aufgrund der Verzögerungen schon rund vier Jahre lang Ausgaben zu verzeichnen hatte, denen keine Umsatzerlöse gegenüberstanden. Beispielsweise beläuft sich laut aktualisierter Liquiditätsrechnung alleine die Vergütung für die Fondsgeschäftsführung auf insgesamt 540.000 Euro bis Ende 2013.

Die Erläuterungen zu den Investitionsplänen und Liquiditätsrechnungen, die in dem Prospekt und den Prospektnachträgen enthalten sind, sind teilweise wenig detailliert. Zudem ist ein Vergleich der Berechnungen erschwert, da mit unterschiedlichen Fondslaufzeiten kalkuliert wird. Beides führt dazu, dass eine umfassende Analyse der Liquiditätsrechnungen schwer möglich ist.

Auffallend ist aber beispielsweise, dass im Hauptprospekt der Verkaufserlös der Anlagen und Gebäude mit rund 10,7 Millionen Euro kalkuliert wird. Das sind etwa 50 Prozent der Anschaffungskosten nach rund 10 Jahren Betriebsdauer. Im Prospektnachtrag Nr. 4 wird der Verkaufserlös dagegen mit rund 44,1 Millionen Euro angesetzt. Das sind mehr als 170 Prozent der Anschaffungskosten nach rund 4 Jahren Betriebsdauer. Unabhängig von den Prozentzahlen wird im ersten Fall die Anlage über die Jahre abgeschrieben, während sie im zweiten Fall über die Jahre deutlich an Wert gewinnt. Die Fondsinitiatorin verweist ECOreporter.de hinsichtlich der Verkaufserlöskalkulation auf eine extern erstellte Plausibilitätsanalyse. In der Plausibilitätsanalyse wird ausgeführt, dass  – auf Basis der im Prospektnachtrag prognostizierten Erlöse und Kosten – „ein Veräußerungserlösprospektansatz von ca. 44 Millionen Euro“ so wörtlich „vorstellbar erscheint“.

Foto: Im Mai stand immerhin viel Platz zur Verfügung für eine Kunststoff-Altöl-Recycling-Anlage.

Teilweise im Zusammenhang mit der Verkaufserlösprognose stehen die geplanten Betriebskosten. Im Nachtrag Nr. 3 wurde erwähnt, dass die Betriebskosten bislang „deutlich zu hoch geplant“ waren.
Auch die Erlösseite wurde „optimiert“: Während im Hauptprospekt mit einem Verkaufserlös für das von der Anlage herzustellende Produktöl, das mit Heizöl vergleichbar sein soll, von 0,40 Euro je Liter kalkuliert wird, werden im Nachtrag Nr. 4 nun 0,65 Euro je Liter als anfänglicher Verkaufserlös prognostiziert. Im Prospekt wird diese Annahme mit Blick auf den auf 0,75 Euro je Liter gestiegen Gasölpreis (Art Börsenpreis für Heizöl und Diesel) gerechtfertigt. Allerdings  bezieht sich dieser Preis auf ein Preishoch im März 2013. Zwei Monate später lag der Gasölpreis unter 0,65 Euro je Liter. Aktuell steht der Gasölpreis bei rund 0,66 Euro je Liter (Stand: 30. Mai 2014). Insofern kann es sich als eine optimistische Annahme herausstellen, dass im aktuellen Nachtrag Nr. 4 ein Erlöspreis von 0,65 Euro je Liter als Basis genommen wird und der Ölpreis mit 5 Prozent pro Jahr gesteigert wird, so dass er 2022 schon bei ca. 1,11 Euro je Liter stehen soll. Im Hauptprospekt war nur mit einem Preisanstieg von 3 Prozent pro Jahr kalkuliert worden. Nach Angaben der Initiatorin würde bei fallenden bzw. weniger stark steigenden Ölpreisen auch die Preise für die Inputmaterialen – im Vergleich zur Prognose – günstiger werden, so dass, wenn die Erlöse aufgrund niedrigerer Ölpreise unter der Prognose liegen sollten, auch die Kosten sinken würden.

Fazit

Der Fonds liegt mit seiner geplanten Anlage mehrere Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück. Daher sind teilweise Mehrkosten entstanden, denen noch nicht die geplanten Umsatzerlöse gegenüberstehen. Trotzdem ist die Gesamtausschüttungsprognose annähernd beibehalten worden. Ein wesentlicher Grund hierfür ist, dass im Prospektnachtrag Nr. 4 mit – im Vergleich zum Hauptprospekt – deutlich höheren Umsatzerlösen und infolgedessen auch mit einem deutlich höheren Veräußerungserlös für die Anlage kalkuliert wird. Es ist möglich, dass sich die Kalkulation als zu optimistisch herausstellen wird. Bei solchen Prognosen ist zu bedenken: Es handelt sich um eine neuartige Anlage, für die kaum Erfahrungswerte und Vergleichszahlen vorliegen. Für Anleger besteht auch das Risiko, dass – nachdem die zwischenzeitlich prospektierte Platzierungsgarantie ausgefallen ist  – nicht ausreichend Kapital eingeworben oder anderweitig beschafft wird, um die erste Anlage errichten und in Betrieb nehmen zu können. Insgesamt handelt es sich beim vorliegenden Fonds um ein Investment mit hohen Risiken.
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