Solarzellenproduktion bei SolarWorld: Der Solarpionier hat über viele Jahre hohe Verluste erwirtschaftet, weil es dem Konzern nicht gelang, den Preisverfall bei Solartechnik aufzufangen. / Foto: SolarWorld AG

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Trauerspiel: SolarWorld AG hat wohl keine Zukunft

Vor vier Jahren war das Aus für die SolarWorld AG noch so eben abgewendet worden. Nun steht offenbar die Zerschlagung bevor. Für die Aktionäre des langjährigen Flaggschiffs der deutschen Solarindustrie ist das ein Desaster. Anleger, die in Anleihen von SolarWorld investiert haben, können noch hoffen, zumindest einen größeren Teil ihres Geldes zurückzuerhalten.


Am kommenden Montag endet aller Voraussicht nach ein Kapitel deutscher Industriegeschichte. Denn mit der SolarWorld AG schließt dann auch der letzte deutsche Solarhersteller seinen Hauptsitz. Dies keine zehn Jahre nachdem die Bundesrepublik mit Firmen wie SolarWorld, Solon, Q-Cells oder Solarfabrik AG der Motor der globalen Produktion von Solartechnik war.

Einzig SolarWorld hatte die massiven Umbrüche im internationalen Solarmarkt überstanden. Doch nur noch bis zum Montag wird das Insolvenzgeld für die Mitarbeiter gezahlt. Danach muss der Hauptsitz des 1998 gegründeten Solarpioniers geschlossen werden.

Qatar Solar kann nur retten, was zu retten ist

Was mit der Solarproduktion von SolarWorld in Ostdeutschland und in den USA geschehen wird, ist noch offen.  Horst Piepenburg, der vorläufige Insolvenzverwalter der SolarWorld AG, verhandelt nach  eigenen Angaben mit einer Investorengruppe über eine Übernahme der Produktionsstandorte in Freiberg (Sachsen) und Arnstadt (Thüringen).

Wie dpa unter Berufung auf einen Insider meldete, soll es sich hierbei um Qatar Solar handeln. Eine Grundsatzvereinbarung sei demnach schon unterzeichnet. Das Unternehmen, das über eine Stiftung dem Scheichtum Katar gehört, ist mit rund 30 Prozent Anteil ein Großaktionär des Bonner Solarkonzerns.

Gemeinsam mit SolarWorld hat Qatar Solar eigene Produktionskapazitäten aufgebaut. Es ist nur naheliegend, dass sich Qatar Solar nun die deutsche SolarWorld-Produktion einverleibt. In den Verhandlungen geht es wohl nur um die Frage des Preises. Recht wahrscheinlich ist, dass Qatar Solar die hochwertige Solarproduktion künftig auf eigene Rechnung betreibt.

Und es ist kaum damit zu rechnen, dass die SolarWorld AG fortbestehen wird. Deren übrige Aktionäre dürften ihr Investment bereits abgeschrieben haben. Die Aktie wird aktuell nur noch mit rund einem Euro gehandelt, sie hat damit im Vergleich zu 2015 rund 92 Prozent an Wert verloren.

Geduldsprobe für Anleihe-Gläubiger

Schon bei der letzten Existenzkrise von SolarWorld in 2013 zahlten am Ende die Aktionäre die Zeche. Damals führte ein harter Kapitalschnitt dazu, dass über 90 Prozent der Aktienanteile an die Anleihe-Gläubiger übergingen (in unserem Beitrag von 2013 erfahren Sie mehr darüber). Nur so konnte SolarWorld damals von den Anleihe-Verbindlichkeiten befreit werden und der Zahlungsunfähigkeit entgehen. Mit der Übernahme der deutschen Produktion kann nun der Großaktionär Qatar Solar die Verluste seines Investments in den Solarkonzern begrenzen.

Von den Einnahmen aus dem Verkauf könnten die übrigen SolarWorld-Gläubiger profitieren, zu denen auch die Investoren gehören, die die Anleihen des Solarkonzerns gezeichnet haben. Beide Schuldverschreibungen haben eine Laufzeit bis 2019 und wurden an der Börse zuletzt nur noch mit rund 60 Prozent des Nominalwertes gehandelt.

Noch völlig unklar ist, was aus der großen SolarWorld-Produktion in den USA wird. Auch für sie dürfte es Kaufinteressenten geben, etwa von chinesischen Konkurrenten, die für ihre Importe in die Vereinigten Staaten hohe Zölle zahlen müssen. Bei einer Solarproduktion vor Ort fallen diese nicht an. Gelingt der Verkauf der US-Tochter, würden davon ebenfalls die Anleihen-Gläubiger profitieren.

SolarWorld AG: ISIN DE000A1YCMM2 / WKN A1YCMM
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