Die Elektro-Limousine Tesla Model S ist bislang der Verkaufsschlager des Unternehmens aus Kalifornien. Es hat davon im zweiten Quartal 12.000 Fahrzeuge an Kunden übergeben. / Quelle: Tesla Inc.

04.07.17 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Trendwende? – Elektroauto-Aktie Tesla unter Druck

Die Aktie des Elektroauto-Pioniers Tesla schwächelt. Seit einer Woche hat die Umwelt-Aktie fast 10 Prozent an Wert verloren. Dabei konnte das Unternehmen mit Hauptsitz in Kalifornien jetzt einen Erfolg vermelden.

Nach eigenen Angaben hat Tesla im zweiten Quartal über 22.000 Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert und damit 53 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im ersten Halbjahr konnte Tesla 47.100 Elektroautos an Kunden übergeben. Produziert hat das Unternehmen in den ersten sechs Monaten 51.126 Elektroautos.

Zum Vergleich: im ersten Halbjahr 2016 hatte Tesla erst 30.000 Fahrzeuge ausgeliefert, im Gesamtjahr 2016 insgesamt 76.230 Elektroautos verkauft, und das Unternehmen blieb damit unter dem anvisierten Absatz von 80.000 Stück.

Tesla hatte erneut Probleme bei der Produktion

Die Börsianer reagierten dennoch ernüchtert. Die Tesla-Aktie gab an der Nasdaq nach Bekanntgabe dieser Zahlen um 2,5 Prozent auf 352,6 Dollar nach. Sie hat sich damit in einer Woche um fast 10 Prozent verbilligt und notiert auf Monatssicht mit 3,8 Prozent nur noch leicht im Plus. Der starke Kursanstieg von 220 auf über 383 Dollar in den sechs Monaten bis zur letzten Juni-Woche ist damit abgebrochen. Unter dem Strich steht jetzt ein Jahresplus von rund 63 Prozent.

Offenbar haben viele Aktionäre die Gelegenheit genutzt und Kursgewinne zu Geld gemacht, die Beteiligung abgestoßen und nicht riskiert, dass enttäuschende Zahlen für das zweite Quartal und erste Halbjahr den Tesla-Kurs einbrechen lassen.

Zu einem Absturz kam es zwar nicht, denn die Produktionszahlen blieben im Rahmen der Ankündigungen von Tesla. Die Kalifornier haben die Absatzprognose von 47.000 bis 50.000 Elektroautos aber auch nur so eben erfüllt. Wer mehr erhofft hatte, wurde also enttäuscht. Zumal Tesla abermals Probleme beim Ausbau der Produktion einräumen musste (lesen Sie dazu auch unseren Beitrag über die anscheinend teils extrem harten Arbeitsbedingungen bei Tesla). Im zweiten Quartal gab es einen Produktionsengpass bei Hochleistungsbatterien mit 100 Kilowattstunden, wie das Unternehmen mitteilte. Dieser sei aber inzwischen behoben.

Tesla will schon sehr bald eine Massenproduktion stemmen

Immerhin kann Tesla nach eigener Darstellung jetzt wie angekündigt die Produktion eines Elektroautos für den Massenmarkt starten. Bisher hatten die Kalifornier nur Elektro-Limousinen für meist über 100.000 Dollar im Angebot. In dieser Woche soll nun die Serienfertigung des Mittelklasse-Fahrzeugs "Model 3" beginnen. Laut Tesla gibt es für dieses rund 35.000 Dollar teure Elektroauto bereits rund 400.000 Vorbestellungen. Was aber auch bedeutet, dass viele Kunden Geduld aufbringen müssen.

Entscheidend ist, ob es Tesla gelingt, die Produktion nun wie geplant extrem schnell sehr stark auszubauen und auch ausreichend Batterien für so viele Elektroautos zur Verfügung zu haben. Tesla plant, die Produktion von rund 84.000 in 2016 auf 500.000 in 2018 zu steigern und dann bis 2020 auf eine Million zu verdoppeln. Und das dürfte sehr teuer werden.

Laut Tesla-Chef Elon Musk wird der Aufbau der Produktion für das Modell 3 allein in 2017 zusätzliche Kosten von 2,0 bis 2,5 Milliarden Dollar verursachen. Ein weiterer Vergleich: Ende 2016 verfüge Tesla über flüssige Mittel im Umfang von 3,4 Milliarden Dollar. Das Unternehmen hat aber bereits weiteres Kapital von Investoren eingeworben, es kann solche Ausgaben also stemmen.

Tesla ist alles andere als profitabel

Doch damit ist weiter offen, wann Tesla profitabel werden wird. Bislang häuft der Elektroautobauer hohe Verluste an. So fiel in 2016 ein Nettoverlust von 675 Millionen Dollar an. Nicht ohne Grund betonte Tesla bei der Bekanntgabe der deutlich verbesserten Absatzzahlen im zweiten Quartal und ersten Halbjahr, dass dies keine Rückschlüsse erlaube auf die finanzielle Entwicklung des Unternehmens in diesen Zeiträumen.

ECOreporter hatte vor einer Woche in einem Aktientipp davon abgeraten, in die Tesla-Aktie zu investieren. An dieser Einschätzung halten wir weiter fest. In den Aktienkurs ist bereits eingepreist, dass die Produktionsziele erreicht werden. Wenn Tesla diese verfehlt – was bei dem extremen Ausbautempo wenig überraschend wäre – sind Kursrückschläge sehr wahrscheinlich.

Tesla Motors Inc.: ISIN US88160R1014 / WKN A1CX3T
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