Test von Wafern aus der Produktion von SolarWorld. Anleger sollten sich die Aussichten des Solarkonzerns vor dem Kauf der Aktie ebenfalls ganz genau anschauen. / Quelle: Unternehmen

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Trotz Zuwächsen: Aussichten für SolarWorld eher düster

Die SolarWorld AG aus Bonn hat ihren Ansatz im 1. Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 41 Prozent auf 154 Megawatt (MW) gesteigert. Sie kann dabei aber noch längst nicht mit den großen Aktueren im Markt mithalten. So haben etwa Canadian Solar und die chinesische JA Solar in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres Solartechnik mit rund 500 bzw. rund 640 MW Gesamtkapazität verschifft. Doch dem deutschen Solarkonzern gelang es immerhin, sich von der schwachen Entwicklung im deutschen Photovoltaikmarkt abzukoppeln. Während der deutsche Gesamtmarkt im 1. Quartal 2014 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 41 Prozent zurückging, konnte die SolarWorld ihren Absatz um zwölf Prozent steigern. Trotz des Anstiegs der Absatzmengen verzeichnete der Solarkonzern einen Rückgang seines Umsatzes von 112,2 Millionen auf 99,4 Millionen Euro. Das Unternehmen verweist darauf, dass im 1. Quartal 2013 zwei besonders umsatzstarke Großprojekte verkauft worden waren. Bereinigt um diese Projekte sei der Quartalsumsatz um mehr als 50 Prozent gestiegen.

Dabei blieb der Anteil des Deutschlandgeschäfts am gesamten Umsatz des Unternehmens mit 23 Prozent konstant, während das US-Geschäft stark an Bedeutung verlor. In den Vereinigten Staaten hat die SolarWorld im 1. Quartal nur noch 27 Prozent der Erlöse erwirtschaftet nach 68 Prozent im Vorjahreszeitraum. Dafür wuchs die Bedeutung des übrigen Europa-Geschäftes, dessen Umsatzanteil von 13 auf 33 Prozent gewachsen ist. Bedenklich ist, dass die SolarWorld im besonders wachstumsstarken Solarmarkt Asiens an Boden verloren hat. Hier wurden im 1. Quartal nur noch 3,6 Prozent des Umsatzes erlöst nach elf Prozent im Vorjahresquartal.

Beim operativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) gelang der SoalrWorld die Rückkehr in die Gewinnzone. Hier verzeichnete die SolarWorld für das 1. Quartal einen Gewinn von 127,4 Millionen Euro nach einem Fehlbetrag von 32,3 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das konzernweite Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verbesserte sich im 1. Quartal 2014 um 159,2 Millionen auf Millionen Euro. Allerdings ist hier ein vorläufig ermittelter Gewinn aus der Erstbilanzierung der von der Bosch Solar Energy AG erworbenen Produktionsanlagen und weiteren Vermögenswerten in Höhe von 135,6 Millionen Euro eingerechnet.

Die SolarWorld AG hatte im Februar eine harte Sanierung abgeschlossen, die vor allem zu Lasten der Altaktionäre und der Investoren ging, die in Anleihen des Unternehmens investiert hatten. Für das laufende Geschäftsjahr 2014 erwartet die Führung des Solarkonzerns einen abermaligen EBIT-Verlust und das wohl erst in 2015 wieder ein positives operatives Ergebnis erzielt wird. Doch SolarWorld hat den Anschluss an die größten Solarkonzerne der Welt verloren. Die sitzen vor allem in China und profitieren im Gegensatz zu den Bonnern davon, dass sich der internationale Photovoltaikmarkt stark nach Asien verlagert hat. Dort wächst die Nachfrage für Solarkomponenten in riesigen Schritten, und SolarWorld bekommt von diesem Kuchen fast nichts ab. Chinesische Solarhersteller dagegen sichern sich große Anteile davon und können so immer großere Absätze erreichen, dabei durch die damit verbundenen Skaleneffekte immer günstiger produzieren und so ihren Preisvorteil gegenüber SolarWorld weiter ausbauen.

Zudem sind die Deutschen weiter stark vom Geschäft als Solarhersteller abhängig, während die größten Konkurrenten bereits im großen Stil auch als Projektierer arbeiten, damit immer größere Teile der eigenen Produktion sicher auslasten und die Marge steigern können. Auch sichern diese Konkurrenten damit ihr Geschäft für den Fall ab, dass die Preise für Solartechnik wieder unter Druck geraten. Angesichts dieser Wettbewerbssituation dürfte es SolarWorld schwer fallen, wieder nue Marktanteile zu erobern. Der Solarkonzern hat zwar die Pleite mit Erfolg abgewendet und das Zeug, sich als einer von wenigen europäischen Solarherstellern im Markt zu behaupten. Das aber wird nach unserer Einschätzung kaum ausreichen, der Aktie nenneswerten Auftrieb zu verleihen. Daher raten wir von der Beteiligung ab.

SolarWorld AG:  ISIN DE000A1YDED6 / WKN A1YDED
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