Scancell setzt auf hohe Kompetenz in der Tumorforschung. / Quelle. Fotolia

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Tumorjäger an der Börse – die Aktie von Scancell Holdings

Nachhaltig in Biotechnologie investieren – das ermöglicht die Aktie der an der Londoner Börse notierten Scancell Holdings. Das Unternehmen aus dem britischen Nottingham arbeitet an Technologien zur Behandlung von Krebserkrankungen. Dank vielversprechender erster Ergebnisse mit von Scancell entwickelten Verfahren hat sich die Aktie bislang gut entwickelt.

Sie ist seit rund drei Jahren am wenig regulierten Londoner Börsensegment AIM (Alternative Investment Market) gelistet. Dort hat der Anteilsschein auf Jahressicht rund 150 Prozent an Wert gewonnen und notiert aktuell bei 0,37 Britischen Pfund. Allerdings schwankt der Kurs sehr stark, meist mit Ausschlägen von 0,30 bis 0,50 Britischen Pfund. Ab diesem Herbst soll die Aktie auch an der Frankfurter Börse gehandelt werden. Laut CEO Richard Goodfellow bereitet Scancell derzeit das Listing an diesem Börsenplatz vor. Es werde durch die Acon Aktienbank AG in Frankfurt durchgeführt, voraussichtlich bis Oktober 2013 werde die Vorbereitung dafür abgeschlossen sein. Derzeit beläuft sich die Marktkapitalisierung des Unternehmens auf rund 80 Millionen Britische Pfund.

Scancell ist 1997 aus der Abspaltung eines Forscherteams von der Universität Nottingham hervorgegangen und hat in 2006 eine erste Biotechnologie an Arana Therapeutics verkauft, ein Pharmaunternehmen aus Australien. Darauf basiert letztlich das Geschäftsmodell des Unternehmens: es entwickelt Therapieverfahren und verkauft seine Biotechnologie dann an Großunternehmen, die es zur Produktion im großen Maßstab ausarbeiten. Derzeit arbeitet Scancell an einer Behandlung von Hautkrebserkrankungen. Allerdings lasse sich die neue Technologie potentiell bei einer Vielzahl von weiteren Tumorerkrankungen, wie Leber-, Magen-, und Prostatakrebs anwenden, erläutert CEO Goodfellow, der nach eigenen Angaben seit rund 25 Jahren in der Pharmabranche und seit 1999 für Scancell tätig ist. Er leitet das Unternehmen gemeinsam mit Professorin Lindy Durrant, einer Immunologin mit langjähriger Forschungserfahrung.

Das Prinzip der Scancell-Technologie basiert darauf, das menschliche Immunsystem dazu anzuregen, Krebszellen zu attackieren. So soll es gelingen, das Wachstum bestehender Tumorzellen einzugrenzen und der Metastasierung - also der Streuung des Krebses - vorzubeugen. Wenn dies gelingt, kann bei der Krebsbehandlung auf die herkömmliche Chemotherapie mit ihren schweren Nebenwirkungen verzichtet werden. Die Lebensqualität von Krebspatienten wäre bei einer solchen Behandlung besser als bei konventionellen Therapien – und sie wäre wohl auch kostengünstiger.

In einer ersten Testphase hat der Einsatz des Scancell-Verfahrens dem Unternehmen zufolge gute Ergebnisse gezeitigt. Diese müssen nun in einer weiteren Studie bestätigt werden, deren Ergebnisse in etwa einem Jahr vorliegen sollen. Wie Goodfellow erläutert, wurden in dieser zweiten Studie Hautkrebs-Patienten behandelt, die kaum mehr Aussicht auf Heilung hatten. Die bisherigen Ergebnisse seien sehr ermutigend, bei einem dieser Patienten seien Metastasen in der Lunge vollkommen verschwunden.

Der spezielle Fokus von Scancell liegt auch deshalb auf der Behandlung von Hautkrebserkrankungen, weil diese in den letzten Jahren besonders stark zugenommen haben. Und weil sie besonders tückisch verlaufen. Denn häufig wird ein Hautkrebs nicht rechtzeitig erkannt. So kann er tiefere Hautschichten erreichen und über das Blut- und das Lymphsystem weitere Tumore im gesamten Körper auslösen. Aus diesem Grund ist auch das Interesse großer Pharmakonzerne an einem wirksamen Heilverfahren sehr groß, insbesondere an solch neuartigen Immuntherapien, in denen die Branchenriesen noch großen Nachholbedarf hätten. Nach Angaben von Goodfellow würde Scancell seine Technologie bevorzugt an einen Konzern verkaufen, der wie etwa Roche aus der Schweiz schon heute stark auf Medikamente gegen Krebs setzt. Der Pharmakonzern aus der Schweiz sei daher ein „perfekter“ Partner für die Weiterentwicklung dieser Technologie.

Der CEO Richard Goodfellow betont zwar, dass die Finanzierung von Scancall so weit gesichert sei, dass man auch weitere klinische Erprobungsphasen ohne Problem durchführen könne. Letztendlich aber habe ein so hoch spezialisiertes Unternehmen wie Scancell gar nicht die Ressourcen, den Wirkstoff auf den Markt zu bringen, so Goodfellow. Möglich wäre ein Verkauf vielleicht schon in 2014. Davon würden natürlich die Aktionäre des Unternehmens profitieren. Die von Scancell ausgegeben Aktien befinden sich zu 86 Prozent im Streubesitz. Aber auch etliche Wagniskapitalgeber, die viel Geld in das Unternehmen gesteckt haben. Dazu gehören laut Goodfellow Wachstumsfonds aus Großbritannien und aus der Schweiz ebenso wie vermögende Privatinvestoren. Scancell verfüge derzeit über genug Kapital, um bis 2016 seine Verfahren weiter zu entwickeln, sei also nicht auf einen baldigen Verkauf angewiesen. Pro Jahr benötige das Unternehmen rund zwei Millionen Britischen Pfund.

Über den Verkaufswert von Scancell ist es von entscheidender Bedeutung, dass die laufenden klinischen Untersuchungen ihrer Krebstherapie weiter erfolgreich sind. Niemand kann die Aussichten dafür seriös beurteilen. Es spricht aber für das Unternehmen, dass es schon lange in diesem Markt aktiv ist und führende Mitarbeiter neben hohen Qualifikationen auch umfassende Erfahrungen mitbringen. Wie etwa CEO Goodfellow sind sie selbst an der Gesellschaft beteiligt. Der Einstieg in die Aktie ist ohne Zweifel ein spekulatives Investment und kommt daher nur für sehr wagemutige Anleger in Frage. Wenn die Scancell-Technologie die Hoffnungen des Unternehmens erfüllt, winkt nicht nur eine gute Rendite auf das Investment. Davon würden auch viele Menschen profitieren, die an Krebs erkranken und dann wirksam behandelt werden könnten.

Scancell Holdings Ltd:  ISIN GB00B63D3314 / WKN A1JZ3D
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