Viele nachhaltige Aktienfonds haben 2015 zweistellig an Wert gewonnen. An der Spitze liegt der Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland mit über 24 Prozent Plus. Fondsmanager Andrew Murphy erläuterte gegenüber ECOreporter.de seine Anlagestrategie. Zu den größten Positionen in seinem Portfolio gehört die österreichische Mayr-Melnhof Karton AG. Im Bild: umweltschonende produzierte Kartonagenrollen. / Foto: Unternehmen

21.01.16 Fonds / ETF , Fonds des Monats

Über 24 Prozent Plus für den besten nachhaltigen Aktienfonds in 2015 – Siegerfonds setzt stark auf Biolebensmittel und erneuerbare Energie

Die Jahresbilanz der nachhaltigen Aktienfonds kann sich sehen lassen. Der beste von ihnen hat in 2015 über 24 Prozent an Wert gewonnen. Dies gelang ihm mit einer besonders konsequent auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Anlagestrategie. Die besten 20 und damit jeder siebte Fonds dieser Kategorie legte mindestens 14 Prozent zu. Insgesamt erreichten 59 nachhaltige Aktienfonds einen zweistelligen Wertzuwachs und damit mehr als jeder dritte der 142 nachhaltigen Aktienfonds auf dem deutschen Markt. Nur 18 nachhaltige Aktienfonds schlossen das vergangene Jahr im Minus ab. Sechs dieser Fonds gaben zweistellig nach, der schwächste um 17 Prozent. Das zeigt unsere Fondsdatenbank ECOfondsreporter.  

Mit deutlichem Abstand zur Konkurrenz liegen zwei nachhaltige Aktienfonds in dieser Jahresauswertung an der Spitze. Jahressieger wurde in 2015 der Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland in 2015. Der erfolgreichste nachhaltige Aktienfonds in 2015 erreichte ein Jahresplus von 24,7 Prozent. Der in 2008 aufgelegte Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland hat ein Volumen von sechs Millionen Euro. Pro Jahr fällt eine Verwaltungsgebühr von 1,72 Prozent an. Der Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland investiert nur in Unternehmen aus nachhaltigen Branchen wie biologische Nahrungsmittel, ökologisches Bauen, erneuerbare Energien, Gesundheit, umweltschonende Verkehrstechnik und Wasser. Zudem setzt er einen klaren regionalen Schwerpunkt und beschränkt sich auf Firmen aus dem oder mit Kerngeschäft im deutschsprachigen Raum. Zu den größten Positionen im Portfolio gehören etwa der österreichische Kartonhersteller Mayr-Melnhof, der Windparkprojektierer und –betreiber Energiekontor aus Bremen und die Nürnberger UmweltBank.

Andrew Murphy von der Bonner Murphy&Spitz Nachhaltige Vermögensverwaltung AG ist Fondsmanager des Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland. Er betont, dass Nachhaltigkeitsanalysen von Murphy&Spitz Green Research der Auswahl der Beteiligungen vorausgehen. Ihm zufolge filtert es Unternehmen heraus, die gegen eine umfangreiche Liste von Ausschlusskriterien verstoßen. Dazu zählen nicht nur gängige Ausschlusskriterien wie Atomenergie, Kinderarbeit und Rüstung. Tabu sind auch Firmen, die umweltschädliche Technologien anbieten, vermeidbare Tierversuche durchführen, gentechnisch manipulierte Produkte herstellen oder verbreiten, Geschäftsbeziehungen zu Staaten pflegen, die Menschenrechte verletzen oder von Pornographie profitieren. Der Fondsmanager betont auch die Bedeutung von Transparenz der Unternehmen. So habe der Fonds die Aktie des spanischen Windkraftanlagenherstellers Gamesa verkauft, als dieser auf Nachfragen zu einem umstritten Projekt in Mexiko keine Stellung abgab (wir haben darüber  berichtet).

Fondsmanager bewertet e.n.o. energy, First Solar und Wessanen positiv

Zu über 20 Prozent ist der Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland jeweils in die Branchen Gesundheit und erneuerbare Energien investiert. Auf sie entfällt damit fast die Hälfte der Investments. Wie Fondsmanager Murphy erläutert, hat der Fonds zuletzt etwa in die Aktien von First Solar und Wessanen investiert. First Solar, einer der größten Solarkonzerne der Welt, wird nach seiner Einschätzung von einer guten Marktentwicklung in den USA profitieren (lesen Sie dazu auch unseren aktuellen  Aktientipp  über First Solar). Die niederländische Wessanen bietet Bio-Lebensmittel an. Die Aktie des Unternehmens hat in 2015 kräftig zugelegt (Näheres dazu erfahren Sie in unserem  Jahresrückblick nachhaltige Aktien). „Naturkost boomt und Wessanen konnte mit guten Zahlen überzeugen“, erläutert Murphy seine positive Einschätzung der Aktie.

Zu den größten Beteiligungen des Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland gehört auch eine Anleihe der Rostocker Windkraftspezialistin e.n.o. energy. Deren Kurs ist zuletzt stark unter Druck geraten. An der Börse wird sie gegenwärtig nur noch mit 69 Prozent des Nominalwertes gehandelt. Verkäufer bieten sie also nur noch für etwas mehr als ein Drittel des Betrages an, den Anleihebesitzer ausgezahlt erhalten, wenn die Schuldverschreibung zur Zeichnung fällig wird. Die Laufzeit der Anleihe endet Mitte 2016, aber e.n.o. energy strebt eine Verlängerung an. Murphy bereitet der Kursverfall der Anleihe keine Sorge. Er hält eine Laufzeitverlängerung für sinnvoll und bewertet das Wertpapier weiter als aussichtsreiches Investment. Das Unternehmen sei wirtschaftlich stabil, müsse sich aber möglichst hohe flüssige Mittel sichern, um Windkraftprojekte zügig umsetzen zu können, ehe die von der Bundesregierung angekündigte Reform der Windkraftförderung umgesetzt wird. Das sei der Grund für das Ansinnen, die Laufzeit der Anleihe zu verlängern, meint der Fondsmanager. Zum Hintergrund: Demnächst soll der Preis für Windstrom über Ausschreibungen festgelegt werden, während bislang das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) feste Einspeisetarife für Windstrom aus neuen Anlagen festlegt. Wer vorher neue Projekte ans Netz bringt, kann noch die bisherige Förderung über das EEG nutzen.

Im Bild: Fondsmanager Andrew Murphy. / Foto: Murphy&Spitz Nachhaltige Vermögensverwaltung AG

Für das Jahr 2016 bewertet der Fondsmanager die Aussichten zuversichtlich, vor allem die für Investments im deutschsprachigen Raum. Hier werde sich der extrem niedrige Ölpreis wie eine Art Konjunkturprogramm auswirken. Weil es viel billiger geworden sei, erneuerbare Energie zu erzeugen, vor allem aufgrund der stark gesunkenen Preise für Solarmodule, werde sich der schwache Ölpreis auch nicht belastend auf Unternehmen dieser Branche auswirken.

Der LBBW Global Warming setzt mit Erfolg auf Klimaschutz

Der LBBW Global Warming der Stuttgarter LBBW Asset Management Investmentgesellschaft mbH rangiert mit einem Wertzuwachs von 23,9 Prozent nur knapp hinter dem Jahressieger und hat damit ebenfalls die Konkurrenzprodukte deutlich übertrumpft. Dieser nachhaltige Aktienfonds investiert weltweit  in Unternehmen, die einen Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel leisten oder zumindest dessen Folgen abmildern. Dazu zählen bei diesem Fonds nicht nur Unternehmen aus Bereichen wie regenerative Energie, sondern auch Versicherer und Autozulieferer. Zu den größten Positionen des Fonds gehört zum Beispiel die Aktie von AXA, weil der französische Versicherungskonzern stark in klimaschonende Windparks investiert und in 2015 den Ausstieg aus Kohleinvestments angekündigt hat (mehr über diese Divestment-Bewegung lesen Sie  hier). Und die deutsche Continental AG, die Reifen mit deutlich verringertem Rollwiderstand anbietet, was den Treibstoffverbrauch und damit die Klimabelastung von Autos vermindert. Einen weiteren Beitrag dazu leistet Continental durch Injektionssysteme für effizientere Benzin- und Dieselmotoren sowie durch elektrische Antriebssysteme für Hybrid- und Elektrofahrzeuge und durch serienmäßig produzierte Lithium-Ionen-Batterien für Elektro- und Hybridfahrzeuge. Am stärksten ist der LBBW Global Warming aber in regenerative Energie investiert, die Aktien der Windradhersteller Nordex und Vestas gehören zu seinen größten Beteiligungen.

Auch der LBBW Global Warming setzt auf Ausschlusskriterien. So dürfen die Firmen im Portfolio nicht in Bereichen wie Atomstromproduktion, Glücksspiel oder Verkauf von Tabakwaren aktiv sein oder von Kinderarbeit profitieren. Der LBBW Global Warming hat seit seinem Start Anfang 2007 ein Volumen von 32,6 Millionen Euro aufgebaut. Anfallende Gewinne werden an die Investoren ausgeschüttet. Die jährliche Managementgebühr beträgt 1,5 Prozent.

Die zehn besten nachhaltigen Aktienfonds in 2015

* In Fremdwährungen notierende Fonds wurden umgerechnet.

ECOreporter untersucht den Markt der nachhaltigen Geldanlage seit 1997 kontinuierlich. Zunächst im Auftrag des NRW-Umweltministeriums; mittlerweile werden die in der Branche anerkannten Zahlen von ECOreporter.de als ein Ergebnis der eigenen fortlaufenden Marktuntersuchungen veröffentlicht.
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