Kohlekraftwerke sind im Stromsektor die größten Klimakiller. Der Sparinvest Ethical Emerging Markets Value investiert stark in Kohlefinanzierer. / Quelle: Fotolia

12.05.15 Fonds / ETF , Fonds des Monats

Über acht Prozent Wertzuwachs für die besten nachhaltigen Aktienfonds im April

Im April hat nur etwas mehr als die Hälfte der nachhaltigen Aktienfonds einen Wertzuwachs erzielt. Doch die besten zehn von ihnen legten immerhin mindestens vier Prozent zu, die drei besten sogar über acht Prozent. 63 der 142 in Deutschland zugelassenen nachhaltigen Aktienfonds verzeichneten dagegen zum Monatsende ein Minus. Der schwächste verlor knapp vier Prozent an Wert. Das geht aus unserer Fondsdatenbank ECOfondsreporter hervor.

Fonds des Monats wurde der Sparinvest Ethical Emerging Markets Value mit einem Plus von fast neun Prozent. Die Sparinvest S.A. aus Luxemburg hat ihn im Juni 2012 gestartet. Pro Jahr kassiert die Sparinvest S.A. für diesen Fonds eine Verwaltungsgebühr von 1,75 Prozent. Er verfügt über ein Fondsvolumen von 34 Millionen Euro. Investiert wird ausschließlich in Unternehmen aus Schwellenländern, den so genannten Emerging Markets. Unter den Top 10 des Monats April 2015 tummeln sich gleich sieben Fonds mit diesem regionalen Fokus. Zuletzt lag der einzelne regionale Schwerpunkt des Sparinvest Ethical Emerging Markets Value eindeutig auf China. Er ist zu 18 Prozent in Aktien aus China veranlagt, zu 14 Prozent in Aktien aus Hong Kong und zu 6 Prozent in das von China abgespaltene, mit ihm wirtschaftlich aber eng verbundene Taiwan. Das macht zusammen 38 Prozent und verweist auf eine hohe Abhängigkeit dieses Fonds von der wirtschaftlichen Entwicklung der Volksrepublik. Er ist auch sonst überwiegend in Asien investiert, kaum in Schwellenländern aus anderen Regionen.

Für den Sparinvest Ethical Emerging Markets Value kommen Aktien von Unternehmen nicht in Frage, die gegen die UN-Richtlinien im Zusammenhang mit den Menschenrechten, dem Umweltschutz, den Arbeitsbedingungen sowie der Bekämpfung von Korruption verstoßen. Tabu sind Unternehmen auch, wenn  sie in umstrittenen Branchen wie Alkohol, Glücksspiel, Tabak, Pornografie und Waffen/Kampfausrüstung tätig sind. Der Ausschlussprozess wird bei diesem Fonds vom schwedischen Unternehmen Ethix SRI Advisors durchgeführt. Ferner setzt Sparinvest Aktionärsstimmrechte auf Hauptversammlungen wahr, um Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit zu bewegen.

Im Portfolio des Sparinvest Ethical Emerging Markets Value sind Aktien aus der Finanzbranche mit zusammen über 27 Prozent des Fondsvolumens am stärksten vertreten. Zu den größten Einzelwerten gehören etwa die Bank of China und die China Construction Bank. Das ist aus ökologischer Sicht überaus problematisch. Denn diese beiden Banken gehören zu den größten Kohlefinanzierern der Welt. Das geht zumindest aus einer Studie zur Finanzierung von Kohlebergbau- und Kohlekraftwerksfirmen hervor, die das Netzwerk BankTrack veröffentlicht hat, dem unter anderem die deutsche Nicht-Regierungsorganisation ‚urgewald‘ angehört. Laut dem Report mit dem Titel „Banking on Coal 2014“ gehört die China Construction Bank zu den fünf weltweit größten Kohlefinanzierern und rangiert Bank of China auf Platz 11, direkt hinter der Deutschen Bank. Das ist umso bedenklicher, als China der größte Emittent von Treibhausgasen weltweit ist und vor allem die Verbrennung von Kohle dazu beiträgt. Nur wenn China hier bald eine starke Trendwende gelingt, hat der globale Klimaschutz überhaupt eine Chance. Stärker als durch die Finanzierung von immer mehr Kohlekraftwerken in China können Finanzkonzerne den internationalen Klimaschutz kaum behindern. Daher ist es nicht zu rechtfertigen, wenn ein nachhaltiger Aktienfonds stark in solche Unternehmen investiert.

Der zweitbeste Fonds des Monats setzt auf den Best-of-class-Ansatz

Der JSS Sustainable Equity - Global Emerging Markets hat im April 2015 ebenfalls mehr als acht Prozent zugelegt. Auf Jahressicht liegt er allerdings klar hinter dem Monatssieger. Auch der zweitbeste Fonds des Monats April beschränkt sich auf Aktien von Unternehmen aus Schwellenländern. Der JSS Sustainable Equity - Global Emerging Markets setzt dabei zwar ebenfalls stark auf Asien, aber dabei nicht so einseitig wie der Monatssieger. So ist der Fonds von Asset Management Quantitative und Sarasin & Partners, einer Tochtergesellschaft der Bank J. Safra Sarasin aus Basel, zu mehr als 21 Prozent in Südafrika investiert. Und der Anteil von China liegt mit 24 Prozent des Fondsvermögens nur leicht über dem der Investitionen in Südkorea. Hohe Anteile der Investitionen in Malaysia, Indonesien und Singapur sorgen ebenfalls für eine stärkere regionale Streuung.  

Dafür notiert dieser Fonds in Dollar statt in Euro. Es bestehen also Währungsrisiken. Hinzu kommt ein starkes Ungleichgewicht bei der Streuung der Beteiligungen auf verschiedene Branchen. Das Portfolio des JSS Sustainable Equity - Global Emerging Markets besteht zu satten 44 Prozent aus Aktien von Finanzkonzernen wie China Everbright und Nedbank aus Südafrika, die beide zu den größten Beteiligungen des Fonds gehören. Eine weitere ist der koreanische Kosmetikkonzern AmorePacific. Die Titelauswahl stützt sich auf Nachhaltigkeitsanalysen der Bank J. Safra Sarasin. Dabei kommen Unternehmen aus allen Branchen in Frage, doch Firmen aus problematischen Sektoren wie etwa Öl müssen erhöhte Mindestanforderungen erfüllen. Dieser so genannte Best-of-class-Ansatz ist eine Variante des Best-in-class-Ansatzes. Bei beiden werden die Unternehmen mit den besten Nachhaltigkeitsleistungen innerhalb ihrer Branche ermittelt.

Das Fondsvermögen des im März 2010 aufgelegten Fonds lag Ende April 2015 bei rund 44 Millionen Dollar. Bei ihm beträgt die Verwaltungsgebühr wie beim Monatssieger 1,75 Prozent pro Jahr. Hinzu kommt aber eine Performancegebühr von zehn Prozent.

Die zehn besten nachhaltigen Aktienfonds im April

* In Fremdwährungen notierende Fonds wurden umgerechnet.

ECOreporter untersucht den Markt der nachhaltigen Geldanlage seit 1997 kontinuierlich. Zunächst im Auftrag des NRW-Umweltministeriums; mittlerweile werden die in der Branche anerkannten Zahlen von ECOreporter.de als ein Ergebnis der eigenen fortlaufenden Marktuntersuchungen veröffentlicht. Als ECOreporter.de 1997 diese Daten erstmals ermittelten, gab es nur zwölf nachhaltige Fonds mit insgesamt lediglich 220 Millionen Euro Volumen. Ende 2014 belief sich das Volumen der 268 nachhaltigen Fonds in Deutschland auf insgesamt 34,8 Milliarden Euro. Unsere Daten zur Wertentwicklung der Fonds stammen in der Regel von den Fondsbörsen.
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