07.12.10 Erneuerbare Energie

Überholt die Photovoltaik jetzt die solarthermischen Großkraftwerke beim günstigen Strompreis? - ECOreporter.de-Interview mit Dr. Werner Platzer, Solarexperte des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme



ECOreporter.de: In Spanien gibt es einen Vergütungstarif für Solarstrom aus Solarthermischen Anlagen, den CSP-Anlagen. Er beträgt 27 Eurocent pro Kilowattstunden (KWh). Können CSP-Anlagen mit diesem Vergütungstarif wirtschaftlich betrieben werden?

Dr. Wener Platzer: Das ist sicherlich auskömmlich. Sonst wären nicht so viele Projekte in Planung und im Bau. Eine exakte Kalkulation der Konsortien zu diesen Projekten ist allerdings nicht veröffentlicht. Es wird aber unter Experten und auch innerhalb des Verbandes Estela davon ausgegangen, dass die Kosten mit zunehmendem Ausbau bis 2020 deutlich sinken werden – um 35 bis 50 Prozent laut einer Studie der Beratungsgesellschaft A.T. Kearney für Estela, bei einem Ausbau bis dahin auf eine Gesamtleistung von 20 bis 30 Gigawatt (GW).

ECOreporter.de: Stellt man Photovoltaik-Großanlagen den CSP-Anlagen an sonnenreichen Standorten in Spanien gegenüber - welche Solarstromtechnologie produziert den günstigeren Strom?

Platzer: Bis vor kurzem war eindeutig die solarthermische Stromerzeugung günstiger, auch in Spanien. Deswegen lagen die Einspeisetarife für Photovoltaik noch höher als für CSP-Anlagen. Aber mit den hohen Ausbauraten der Photovoltaik und ihrer Lernkurve, was die deutliche Kostenreduktion angeht, muss man sagen: Inzwischen ist die Frage nicht mehr pauschal zu beantworten. Es ist wichtig, nicht die Kosten pro installierter Leistung zu vergleichen, sondern die Kosten für die wirkliche Stromerzeugung: Bei CSP-Kraftwerken ist die maximale Leistung durch die konventionelle Turbine definiert, es können aber ganz verschiedene Solarfelder damit verbunden werden. Und die Vollaststundenzahl ist üblicherweise bei CSP deutlich höher als bei Photovoltaik.

ECOreporter.de: Solarthermische Kraftwerke sollen vorzugsweise in den südlichen, besonders heißen Regionen der Welt umweltfreundlich Strom produzieren. Wie groß ist der Wasserverbrauch einer CSP Großanlage?

Platzer: Beim Wasserverbrauch muss man unterscheiden: Es gibt den Wasserverbrauch für den Kondensator einer normalen Turbine (Kühlturm) und den Wasserverbrauch für die Reinigung der Spiegel. Ersteres ist nicht notwendig, und Wüstenkraftwerke werden mit Hilfe von Trockenkühlung (und geringerem thermodynamischen Wirkungsgrad) dort gebaut, wo Wassermangel herrscht. Die Trockenkühlung ist bekannt aus dem konventionellen Kraftwerksbau. Wo Wasser vorhanden und preisgünstig ist, erhöht man den Wirkungsgrad mit der Nasskühlung, die mit etwa 96 bis 97 Prozent den Löwenanteil des Wassers verbraucht. Nur etwa 3 Prozent werden noch zur Reinigung benötigt. Hier sind wassersparende Reinigungsverfahren in der Entwicklung.

ECOreporter.de: Wie fortgeschritten ist der moderne CSP-Anlagenstandard im Bezug auf die Energiespeicherung? Ergibt sich hier ein entscheidender Wettbewerbsvorteil gegenüber Photovoltaik-Großkraftwerken?

Platzer: Kommerzielle Großspeicher mit über einer Gigawattstunde Speicherkapazität existieren. In einigen spanischen CSP-Projekten, so z.B. bei Andasol 1, hat man sich für diese Speicherlösung (Zweitank-Flüssigsalzspeicher) entschieden, da damit die Laufzeit und die Volllaststunden deutlich erhöht werden können – so kommt man auf knapp 4000 Volllaststunden pro Jahr. Die Turbine erreicht dann längere Laufzeiten. Alternativ könnte man die Turbine durch Zufeuerung z.B. mit Gas länger betreiben (sog. Hybrid-Kraftwerk).



ECOreporter.de: Herr Platzer, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Bildhinweis: Concentrated Solar Power (kurz: CSP)-Anlage, anderer Begriff: Solarthermisches Kraftwerk. Das Sonnenlicht erhitzt eine Flüssigkeit, über die letztlich eine klassische Turbine angetrieben wird, deren Energie wiederum einen Generator Strom erzeugen lässt. / Quelle: Novasol
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