50 Prozent weniger Stromerzeugung aus deutschen Kohlekraftwerken bis 2030 sollten das Ziel sein, so das Ergebnis einer Studie des Umweltbundesamts. Das Bild zeigt einen Kohlebagger im Tagebau. / Foto: Fotolia

18.01.17 Erneuerbare Energie

Umweltbundesamt: Weniger Kohle, mehr Erneuerbare? So geht's

Das Umweltbundesamt hat mit einer Studie aufgezeigt, wie sich die Stromerzeugung aus Kohle in Deutschland in den kommenden Jahren deutlich reduzieren ließe. Um in der Energiewirtschaft 50 Prozent der Treibhausgas-Emissionen bis 2030 einzusparen, sei es notwendig, weniger als die Hälfte des Stroms in Kohlekraftwerken zu produzieren. Nur so könne Deutschland das Klimaziel erreichen (wir haben über die Pläne der Großen Koalition berichtet).  In der Studie "Klimaschutz im Stromsektor 2030 – Vergleich von Instrumenten zur Emissionsminderung" werden vier Optionen aufgezeigt, mit denen die deutschen Emissionen und der Exportüberschuss gleichzeitig gesenkt werden könnten.

- Ein Vorschlag des Umweltbundesamtes (UBA) lautet, Braun- und Steinkohlekraftwerke, die im Jahr 2030 mindestens 40 Jahre alt sind, nach und nach stillzulegen. Im Jahr 2030 würde sich damit die installierte Leistung der Braunkohlekraftwerke um 55 Prozent und die der Steinkohlekraftwerke um etwa 60 Prozent gegenüber 2015 reduzieren.

- Die zweite Variante ist, nur Braunkohlekraftwerke nach und nach vom Netz zu nehmen. Bis 2030 reduziere sich die installierte Leistung dieser Kraftwerke um etwa 75 Prozent gegenüber dem Jahr 2015.

- Eine dritte Möglichkeit sei, jede Tonne CO2 aus mit fossilen Brennstoffen befeuerten Kraftwerken um zehn Euro pro Tonne zu verteuern, etwa durch einen Preisaufschlag über Brennstoffsteuern in der Stromerzeugung.

- Eine weitere Option sei, die Volllaststunden der Braun- und Steinkohlekraftwerke bis 2030 auf höchstens 4.000 Stunden zu begrenzen.

Nach Analyse des UBAs ließe sich mit allen vier Vorschlägen das Klimaziel für die Energiewirtschaft erreichen. Die ersten zwei Optionen werden als "insgesamt robuster Weg" eingestuft, mit einer hohen Emissionsminderung in Europa. Die nationale Brennstoffsteuer, wie sie Option drei vorsieht, wäre das kostengünstigste Instrument hinsichtlich der Stromerzeugungskosten, so das UBA weiter. "Alle Vorschläge lassen sich national umsetzen, müssen aber durch eine Verschärfung des europäischen Emissionshandels flankiert werden. Die Strompreiserhöhungen fallen moderat aus. Maximal 0,2 Cent pro Kilowattstunde würden die Großhandelspreise steigen", erklärte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger.

Gas-Kraftwerke profitieren vom Rückgang des Exportüberschusses

Weiter heißt es in der Studie: "Mit dem Rückgang des deutschen Exportüberschusses beim Strom bis 2030 könnten insbesondere Gas-Kraftwerke außerhalb Deutschlands stärker ausgelastet werden. Dies würde auch zu CO2-Minderungen außerhalb Deutschlands führen, da die Produktion von Gaskraftwerken übernommen würde, die weniger CO2 ausstoßen als Kohlekraftwerke. Die in den Optionen 1 und 2 vorgeschlagene direkte Minderung der Braunkohleverstromung hätten jedoch den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu den Optionen 3 und 4 besser sicherstellen können, dass die Emissionen nicht nur in andere EU-Staaten verlagert werden."

Durch den deutschen Kohleausstieg blieben CO2-Zertifikate auf den dem europäischen CO2-Markt ungenutzt. Damit es zu keinem Überangebot an ungenutzten CO2-Zertifikaten komme, sollten die Mitgliedstaaten entsprechende Mengen bei den Versteigerungen kürzen und endgültig löschen dürfen.

Laut der UBA-Analyse können alle vier Optionen verfassungsrechtlich so ausgestaltet werden, dass der Staat keine Entschädigungen leisten müsse. Zudem sollte unverzüglich ein geordneter Strukturwandel eingeleitet werden. Dies schaffe Planungssicherheit und helfe, Fehlinvestitionen für Investoren zu vermeiden.

Wie Anleger den Kohleausstieg vorantreiben können, lesen Sie in unserem "Gut erklärt: Divestment". (Link entfernt)  
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