Wasserkraftwerke erzeugen Strom, ohne dass dabei klimaschädliche Gase entstehen. / Quelle: EDP

23.01.15 ECOanlagecheck , Geschlossene Fonds

Unabhängige Analyse: der geschlossene Alternative Investmentfonds RE04 Wasserkraft Kanada von reconcept

Reconcept aus Hamburg, bisher ein Solar- und Wind-Investment-Initiator, hat  seinen ersten Wasserkraftfonds auf den Markt gebracht. Der Fonds ist zudem einer der ersten Alternativen Investmentfonds (AIF) im Bereich der erneuerbaren Energien und entspricht damit den Regeln für AIFs, die auch dem Anlegerschutz dienen. Der Fonds RE04 Wasserkraft Kanada soll mittelbar in die Errichtung von Wasserkraftwerken in Kanada investieren. Die konkreten Investitionen stehen derzeit noch nicht fest. Anleger können sich ab 35.000 Kanadischen Dollar (entspricht ca. 24.500 Euro, Stand: 10. Dezember 2014) plus drei Prozent Agio an dem Fonds beteiligen. Der ECOanlagecheck analysiert das Angebot.

Bei der „reconcept 04 Wasserkraft Kanada GmbH & Co. geschlossenen Investmentkommanditgesellschaft“ handelt es sich um einen der ersten Fonds aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien, der nach dem neuen Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) konzipiert ist und Privatanlegern angeboten wird. Ein solcher Alternativer Investmentfonds (AIF) unterscheidet sich in etlichen Punkten von den bisherigen geschlossenen Fonds: Beispielsweise sind – ähnlich wie bei offenen Investmentfonds – die Anlagebedingungen (bzw. die Anlagestrategie) des Fonds ausführlich dargestellt und formal rechtlich prospektiert. Zudem muss während der Fondslaufzeit fortlaufend die wirtschaftliche Entwicklung des Fonds ermittelt und dokumentiert werden. Bei der Prospektgestaltung haben die Anbieter mehr Freiraum hinsichtlich Gliederung und Inhalt. Der vorliegende Prospekt enthält nach Einschätzung von ECOreporter.de die erforderlichen Informationen, um das Investmentangebot beurteilen zu können.

Das vorliegende Angebot richtet sich an qualifizierte Anleger im Sinne des KAGB. Die Kapitalverwaltungsgesellschaft prüft anhand der Angaben der Anleger, ob deren Sachverstand, Kenntnisse und Erfahrungen ausreichen, um die Risiken des Investments verstehen und eine Anlagenentscheidung selbst treffen zu können. Die Beschränkung des Angebotes auf qualifizierte Anleger sowie die Mindestbeteiligung von umgerechnet 20.000 Euro sind erforderlich, wenn der Fonds dem Grundsatz der Risikomischung im Sinne des KAGB nicht entspricht. Risikomischung liegt vor, wenn der Fonds in mindestens drei Wasserkraftwerke mittelbar investiert. Abhängig vom Platzierungsvolumen des Fonds ist es aber möglich, dass der Fonds in weniger als drei Wasserkraftwerke investieren wird. Der Fonds soll sich planmäßig an kanadischen Betreibergesellschaften beteiligen, die in noch zu errichtende Wasserkraftwerke investieren sollen. Die konkreten Wasserkraftwerke und die Projektpartner stehen derzeit noch nicht fest (Stand: 17. Dezember 2014). Es ist laut Prospekt vorgesehen, dass der Fonds die Anteile an den Betreibergesellschaft erst dann erwirbt, wenn die Projekte Baureife erreicht haben.

Fondsinitiatorin und Leistungsbilanz

Anbieterin des Fonds ist die reconcept Vermögensmanagement GmbH, die im März 2013 in Hamburg mit einem Stammkapital von 25.000 Euro gegründet wurde. Sie ist eine Tochtergesellschaft der reconcept GmbH, die bereits seit 1998 geschlossene Fonds – vorrangig Windfonds von WKN AG – bei der Konzeption, Finanzierung, Eigenkapitalplatzierung und Vermarktung begleitet hat, aber keine eigenen Fonds aufgelegt hatte. Die reconcept GmbH gehörte bis 2009 zur heutigen WKN AG Unternehmensgruppe, die Windparkprojekte entwickelt. Mittelbarer Mehrheitsgesellschafter der reconcept GmbH ist Volker Friedrichsen, der seit mehr als 20 Jahren in der Windenergiebranche tätig ist, u.a. als ehemaliger Geschäftsführer von Vestas Deutschland. Laut Prospekt berät er das Management der reconcept GmbH in grundsätzlichen Fragen.

Die reconcept Gruppe hat bislang fünf Fonds auf den Markt gebracht – neben dem Wasserkraftfonds Kanada drei Windfonds und einen Solarfonds, der einen Solarpark in Spanien erwarb. Einer der Windfonds investierte in zwei Windparks in Deutschland. Die zwei anderen Windfonds, von denen sich einer derzeit in Platzierungsphase befindet, beteiligen sich an Windkraftprojekten in Finnland.
Eigenkapitalhöhe und Platzierungsgarantie

Gesamtfinanzierungsvolumen: 82,85 Millionen Kanadische Dollar (CAD, 100 Prozent)
Eigenkapitalvolumen: 41,7 Millionen CAD (50,33 Prozent)
Platzierungsgarantie: Nein
Agio: 1,25 Millionen CAD (1,51 Prozent)
Fremdkapitalvolumen: 39,9 Millionen CAD (48,16 Prozent)

Ein zu platzierendes Mindestkapital ist laut Prospekt nicht vorgesehen.
Darlehensverträge sind derzeit noch nicht abgeschlossen, da die Projekte noch nicht feststehen (Stand: 17. Dezember 2014). Für die Prognoserechnung geht die Anbieterin von einem Zinssatz von 6,5 Prozent pro Jahr für die langfristigen Darlehen aus. Die Darlehenslaufzeit nimmt die Anbieterin mit ca. 40 Jahren an. Sie unterstellt, dass zum geplanten Fondsende 2023 für eine frühzeitige Ablösung des Darlehens keine Vorfälligkeitsentschädigung anfällt. Falls der Käufer das Darlehen übernehmen sollte, würde sich das Problem einer eventuellen Vorfälligkeitsentschädigung nicht stellen.

Fondsnebenkosten
(in Prozent des Eigenkapitalvolumens ohne Agio)

Agio: 3,0 Prozent
Eigenkapitalvermittlung (ohne Agio): 8,0 Prozent
Konzeption: 3,5 Prozent
Einrichtung Kapitalverwaltungsgesellschaft: 0,8 Prozent
Prospekt-, Vertriebs- und Marketingunterlagen: 0,2 Prozent
Rechts- und Steuerberatung, Gutachten, Verwahrstelle: 0,8 Prozent
Gründungskosten, Handelsregister, Sonstiges: 0,1 Prozent
Nicht erstattungsfähige Vorsteuer: 1,1 Prozent
Gesamtweichkosten: 17,5 Prozent

Laut Prospekt sind die tatsächlichen initialen (anfänglichen) Kosten, die über 16,06 Prozent des Eigenkapitalvolumens (ohne Agio) hinausgehen, „im Zweifel“ von der reconcept Vermögensmanagement GmbH zu leisten. Die Gesamtsumme aus Ausgabeaufschlag und Initialkosten beträgt laut Prospekt bis zu 18,5 Prozent des Ausgabepreises (Eigenkapitalvolumen ohne Agio).
Laut Prospekt erhält die Eigenkapitalvermittlerin reconcept consulting GmbH bei Vertriebsstart eine Vorauszahlung von 2 Prozent des Emissionskapitals (entspricht 0,83 Millionen CAD). Der Großteil der Konzeptionskosten sind fixe Kosten (rund 1,13 Millionen CAD), die laut Prospekt für die reconcept GmbH bereits mit der Einreichung der Beteiligungsunterlagen bei der BaFin „verdient ist“ Laut Prospekt hat die reconcept GmbH mit der Fondsgesellschaft einen Vertrag über eine Zwischenfinanzierung von bis zu 1,5 Millionen CAD zu einem Zinssatz von 6,75 Prozent abgeschlossen. Es kann der Eindruck entstehen, dass die Fondsgesellschaft die Zwischenfinanzierung hauptsächlich benötigt, um Weichkosten wie z. B. die oben genannte – marktunübliche – Vorauszahlung von Vertriebsprovisionen leisten zu können. Nach Angaben der Anbieterin hat die reconcept GmbH der Fondsgesellschaft diese Möglichkeit der Zwischenfinanzierung ausschließlich dazu eingeräumt, damit diese Projekterwerbe gegebenenfalls vorfinanzieren kann, soweit das Eigenkapital noch nicht voll eingeworben worden ist.

Laufende Kosten

Laufende Vertriebsprovision für die reconcept consulting GmbH (pro Jahr): 0,2 Prozent des Nettoinventarwertes (Schätzung), entspricht durchschnittlich ca. 100.000 CAD
Verwahrstelle (pro Jahr): 0,06 Prozent des Gesamtinvestitionsvolumens (Schätzung), entspricht durchschnittlich ca. 70.000 CAD
Kapitalverwaltungsstelle (pro Jahr): ca. 1,0 Prozent des Nettoinventarwertes (Schätzung), entspricht durchschnittlich ca. 550.000 CAD
Sonstiges (z .B. Wirtschaftsprüfungskosten, pro Jahr): ca. 120.000 CAD (Schätzung)

Betriebs- und Instandhaltungskosten, Pacht- und Lizenzkosten (erstes volles Betriebsjahr 2017, Schätzung): 1,17 Millionen CAD
Kaufmännische Betriebsführung, Verwaltung, Monitoring (2017, Schätzung): 110.000 CAD
Kostensteigerung (Kalkulation): 2,0 Prozent pro Jahr

Die Kostenschätzungen beruhen auf der Annahme, dass der Fonds sich mittelbar an drei Wasserkraftwerken mit einer Nennleistung von 22,3 Megawatt (MW) beteiligt. Bei geschätzten Stromerträgen von rund 8,14 Millionen CAD (2017) beträgt die Betriebskostenquote rund 15,7 Prozent. Die Betriebskostenquote erhöht sich bis 2023 laut der Prospektschätzung auf rund 16,6 Prozent, da der Strompreis annahmegemäß laut Stromverkaufsvertrag nur hälftig an die Inflationsentwicklung (Consumer Price Index, CPI) angepasst wird.

Laufzeit und Ausschüttungen

Laufzeit: bis 31. Dezember 2023, Verlängerung der Laufzeit durch die Fondsgeschäftsführung bis zur vollständigen Veräußerung der Betreibergesellschaften bzw. der Wasserkraftwerke möglich; kein ordentliches Kündigungsrecht für die Anleger, Auflösung der Fondsgesellschaft mit 75-Prozent-Mehrheit der Gesellschafterversammlung
Gesamtausschüttung (Prognose): 177 Prozent (inkl. 103 Prozent Kapitalrückzahlung)
Ausschüttung durch Verkaufserlös (Prognose): 120 Prozent
Renditeprognose vor Steuern pro Jahr (IRR, Prognose; ECOreporter.de-Berechnung): 7,5 Prozent
Einkunftsart: Einkünfte aus Gewerbebetrieb
Einspeisevergütung (Prognose): 109 CAD/MWh (Durchschnitt der drei Projekte bei Stromverkaufs-Vertragsunterzeichnung (geplant 2014/2015))
Die energiepolitischen Rahmenbedingungen für die Erneuerbaren Energien werden in Kanada nicht von der staatlichen Regierung vorgegeben. Vielmehr entscheiden die Regierungen der einzelnen Provinzen laut Prospekt, welche gesetzgeberischen Rahmenbedingungen sie den erneuerbaren Energien vorgeben. Die Fondsgesellschaft plant in der Provinz British Columbia zu investieren. Dafür muss sie einen Vertrag mit dem staatlichen Stromversorger BC (British Columbia) Hydro abschließen. BC Hydro zahlt – bei Erfüllung verschiedener Bedingungen – einen – von der Region innerhalb British Columbia abhängigen – Preis von rund 95 bis rund 104 CAD/MWh (jeweils Basispreis 2010). Das sind umgerechnet rund 6,4 bis 7,3 Eurocent/kWh (Wechselkurs 10. Dezember 2014). Bis zur Unterzeichnung eines Stromverkaufsvertrages wird der Basispreis laut Prospekt vollständig an die Inflationsentwicklung (CPI) angepasst.

ECOreporter.de hat einen IRR von 7,5 Prozent vor Steuern errechnet, während die Anbieterin einen IRR von 8,48 Prozent vor Steuern prospektiert hat. Der Unterschied beruht nach Angaben der Anbieterin auf einer unterschiedlichen Berechnungsmethodik. Die Anbieterin unterteilt demnach bei ihrer – mathematisch genaueren – Berechnungsmethodik das betreffende Jahr weiter in die einzelnen Monate und ordnet sämtliche Einzahlungen und Auszahlungen dem entsprechenden Monat zu. Dagegen geht ECOreporter.de in der Berechnung davon aus, dass sämtliche Einzahlungen und Auszahlungen eines Jahres jeweils zum 31. Dezember des betreffenden Jahres anfallen. Hintergrund ist, dass in den Prospekten und den Prognoserechnungen die Verteilung der Zahlungsströme auf die einzelnen Monate eines Jahres in der Regel nicht enthalten ist.

Laut Prospekt unterliegen die Ausschüttungen an die Anleger (Einkünfte aus Gewerbebetrieb) gemäß der derzeitigen Rechtslage in Deutschland nur dem Progressionsvorbehalt.

Der Großteil der Ausschüttungen an die Anleger soll durch den Verkauf der – noch nicht bekannten – Wasserkraftwerke Ende 2023 erwirtschaftet werden. Den Veräußerungserlös hat die Anbieterin ermittelt, indem sie die prognostizierten Zahlungsüberschüsse ab 2024 mit 7,5 Prozent pro Jahr abgezinst hat, so dass ein Käufer der Wasserkraftwerke eine Renditeerwartung von 7,5 Prozent vor Steuern hat. Dabei wurde angenommen, dass die Wasserkraftwerke eine Betriebsdauer von jeweils 40 Jahren haben und dass die Inflationsrate (CPI) von British Columbia 2 Prozent pro Jahr beträgt. Von dem so errechneten Veräußerungserlös hat die Anbieterin gegebenenfalls notwendige Sanierungs- und Modernisierungskosten von fünf Prozent der ursprünglichen Herstellungskosten abgezogen, so dass sich ein Veräußerungserlös von rund 94 Millionen CAD ergibt. Dieser liegt laut Prognose damit über den Anschaffungskosten (inkl. Nebenkosten) für die Wasserkraftwerke von rund 72 Millionen CAD. Hintergrund der Preissteigerung sind die 50prozentige Inflationsindexierung der Strompreise und die Annahme, dass bereits mehrere Jahre in Betrieb befindliche Wasserkraftwerke ohne Projektentwicklungsrisiken einen höheren Wert haben.
Die Kapitalverwaltungsgesellschaft und Anbieterin reconcept Vermögensmanagement GmbH erhält eine Erfolgsbeteiligung von bis zu 20 Prozent des Betrages, um den der Anteilwert am Ende der Fondslaufzeit unter Berücksichtigung bereits geleisteter Ausschüttungen den Ausgabepreis zuzüglich einer jährlichen Verzinsung von 11,65 Prozent übersteigt, jedoch insgesamt höchstens bis zu 5 Prozent des durchschnittlichen Nettoinventarwertes des Fonds während der Fondslaufzeit.

Investitionen

Der Fonds plant, sich über Betreibergesellschaften an ca. drei zu errichtenden Wasserkraftwerken in British Columbia im Südwesten Kanadas zu beteiligen. Die Projekte und die beteiligten Partner stehen derzeit noch nicht fest (Stand: 17. Dezember 2014). Reconcept pflegt nach eigenen Angaben zu vielen Projektentwicklern in Kanada gute Kontakte. Die Projektpipeline erstrecke sich über viele Wasserkraftstandorte. Nach Angaben der Anbieterin könne bislang aufgrund des derzeitigen Verhandlungsstandes und Geheimhaltungsvereinbarungen nur im begrenzten Umfang Informationen herausgegeben werden. In der Marketingbroschüre werden fünf mögliche Projekte kurz vorgestellt. Dabei handelt sich um fünf mittelgroße Laufwasserkraftwerke mit Nominalkapazitäten von 3,9 MW bis 15 MW.

Der Fonds soll in baureife Wasserkraftprojekte investieren, der Erwerb von bestehenden Wasserkraftwerken ist aber auch möglich. Im Prospekt sind technische, rechtliche und wirtschaftliche Investitionskriterien aufgeführt. Die technischen Investitionskriterien sehen beispielsweise vor, dass nur Turbinen von namhaften und von Banken akzeptierten Herstellern eingesetzt werden. Unter den rechtlichen Investitionskriterien ist beispielsweise aufgeführt, dass der Fonds die Betreibergesellschaften grundsätzlich zu 100 Prozent erwerben soll, jedoch auch Investitionen möglich sind, bei denen weniger als 100 Prozent der Anteile gehalten werden. Die indigenen Ureinwohner (First Nations) von Kanada, von denen ein großer Teil in der Provinz British Columbia lebt, haben grundsätzlich das Recht, sich an den Wasserkraftprojekten des Fonds zu beteiligen. In diesem Fall wäre der Fonds nicht zu 100 Prozent beteiligt. Umfang und Konditionen einer Beteiligung der First Nations sind laut Prospekt nicht bekannt.
Die wirtschaftlichen Investitionskriterien verlangen beispielsweise, dass (nur) ein unabhängiges Ertragsgutachten und ein Stromabnahmevertrag vorliegen. Ein Bewertungsgutachten muss nach dem KAGB erstellt werden. Der vom Fonds zu zahlende Preis darf dabei laut Prospekt nicht oder nur unwesentlich den von einem externen Gutachter ermittelten Verkehrswert des Wasserkraftwerkes übersteigen.

Ökologische Wirkung

Die Investitionen des Fonds stehen derzeit noch nicht fest, so dass die ökologische Wirkung noch nicht konkret beurteilt werden kann. Wasserkraftwerke erzeugen Strom, ohne dass dabei klimaschädliche Gase entstehen. Sie sind allerdings nicht von vorneherein umweltschonend. Der Bau und Betrieb eines Laufwasserkraftwerks kann grundsätzlich – abhängig vom Einzelfall und dem Standort – zu erheblichen Beeinträchtigungen der Natur  führen.

Bei den fünf in der Marketingbroschüre vorgestellten Wasserkraftprojekten, in die der Fonds eventuell investiert, ist der Einsatz von Pelton-Turbinen geplant. Diese kommen vor allem bei großen Fallhöhen – bei den fünf Projekten sind es 120 bis 478 Meter – zum Einsatz. Sie sehen etwa so aus wie eine – technologisch sehr viel modernere – Version von Wasserrädern an alten Wassermühlen. Bei einem stetigen Wassernachfluss sind Wasserkraftwerke grundlastfähig und daher ein wichtiger Bestandteil eines vollständig Umstiegs auf die Stromversorgung mit erneuerbaren Energien.
Für die beispielhafte Prognoserechnung im Prospekt wird unterstellt, dass der Fonds bei Vollplatzierung drei Projekte mit einer Gesamtleistung von 22,3 MW erwirbt, die zusammen rund 73 Millionen kWh Strom pro Jahr erzeugen. Mit der produzierten Strommenge könnten bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 3.500 kWh rechnerisch rund 21.000 Haushalte jährlich versorgt werden. Mit der Stromproduktion der Wasserkraftwerke könnten voraussichtlich jährlich circa 44.000 Tonnen CO2 gegenüber der Stromgewinnung aus konventionellen Kraftwerken eingespart werden.

Risiko

Die Fondsgesellschaft hat noch keine Wasserkraft-Projekte erworben, so dass ein Blindpool-Risiko besteht. Es ist möglich, dass der Fonds keine Projekte bzw. Projekte nur zu höheren Preisen als kalkuliert erwerben kann. In dem Zusammenhang ist anzumerken, dass der vorliegende Fonds das erste Angebot von reconcept im Bereich Wasserkraft und in Kanada ist. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich herausstellt, dass reconcept trotz Vorbereitungsphase nicht den Marktzugang hat, um rentable Wasserkraftprojekte zu akquirieren.

Die Investitionen des Fonds sollen zu rund 50 Prozent mit Fremdkapital finanziert werden. Entsprechende Darlehensverträge sind noch nicht abgeschlossen worden. Der Fonds erwirbt laut Konzeption Anteile an Betreibergesellschaften, die Wasserkraftwerke planen und errichten. Somit trägt der Fonds mittelbar Projektentwicklungs-, Fertigstellungs- und Bauherrenrisiken.

Nach der Fertigstellung eines Wasserkraftwerkes besteht das Risiko, dass die Stromerträge geringer sind als erwartet. Zudem ist die Stromabnahme nicht in jedem Fall gesichert. Die – noch nicht abgeschlossenen – Stromverkaufsverträge mit BC Hydro enthalten zahlreiche Klauseln. Bei Verstoß gegen eine Bestimmung des Stromverkaufsvertrages stehen BC Hydro laut Prospekt umfangreiche Kündigungsrechte zu. Die Anbieterin plant mit einer Laufzeit der Stromverkaufsverträge von 40 Jahren, BC Hydro kann aber auf eine kürzere Laufzeit (mindestens 20 Jahre) bestehen.

Die Veräußerung der Wasserkraftwerke bzw. der Betreibergesellschaften ist für 2023 geplant. Es besteht das Risiko, dass die Wasserkraftwerke gar nicht oder nicht zu den geplanten Konditionen verkauft werden können. Gründe hierfür könnten beispielsweise technische Probleme bei den Wasserkraftwerken oder durch BC Hydro gekündigte Verträge sein. Die für die Höhe des Verkaufserlös wichtige Lebensdauer der Wasserkraftwerke hängt neben internen (z. B. Qualität der Technik und Wartung) auch von externen Faktoren (z. B. Wasserstände, Klimawandel) ab. Die Höhe der Stromproduktion von Laufwasserkraftwerken ist u. a. abhängig von der Menge des fließenden Wassers (Durchflussmenge). Es besteht daher das Risiko, dass in Trockenperioden Pegelstände und somit auch die Stromproduktion sinken. Zu berücksichtigen ist auch, dass der kalkulierte Veräußerungserlös deutlich über den geplanten Anschaffungskosten für die Wasserkraftwerke liegt.

Die Investitionen, Kosten und Erträge des Fonds fallen in Kanadischen Dollar an. Auch die Anleger erhalten ihre Auszahlungen in Kanadischen Dollar. Dementsprechend besteht für die Anleger ein Währungsrisiko (und auch Währungschancen), wenn diese die in Kanadischen Dollar erfolgten Rückflüsse in Euro umtauschen wollen.

Stärken                   
Kanada stabile Volkswirtschaft
Wasserkraft in Kanada etabliert
   
Schwächen
Projekte noch nicht gesichert
Voraussichtlich Projektentwicklungs- und Baurisiken
Erster Wasserkraftfonds und erster Kanadafonds von reconcept

Chancen
Höherer Anstieg der Strompreise

Risiken
Niedrigerer Verkaufspreis für Wasserkraftwerke
Energieertragsschwankungen


Fazit:

Finanziell


Der Fonds will mittelbar über Betreibergesellschaften baureife Wasserkraftprojekte in Kanada erwerben. Die Projekte stehen derzeit noch nicht fest (Stand: 17. Dezember 2014). Es bestehen Projektentwicklungs-, Fertigstellungs-, Fremdfinanzierungs- und Platzierungsrisiken. Die Anbieterin rechnet mit (ersten) Vertragsabschlüssen im ersten Quartal 2015.
Die prospektierte Renditeerwartung ist für einen Erneuerbaren-Energien-Fonds hoch. Der Großteil der prognostizierten Ausschüttungen soll aus dem Verkauf der Wasserkraftwerke 2023 erzielt werden. Insbesondere da es sich bei dem Fonds derzeit noch um einen Blindpool handelt, bestehen erhebliche Prognoseunsicherheiten. Zudem ist es sowohl der erste Wasserkraft- als auch der erste Kanadafonds der Initiatorin reconcept, so dass sie noch keinen Nachweis erbracht hat, dass sie auf diesem Markt erfolgreich agieren kann.

Nachhaltigkeit

Stromproduktion durch Wasserkraft ist klimaschonend. Die Wasserkraftprojekte des Fonds stehen derzeit noch nicht fest, so dass die Nachhaltigkeits-Wirkung noch nicht konkret beurteilt werden kann.

ECOreporter.de-Empfehlung

Der erste Wasserkraftfonds von reconcept ist sorgfältig prospektiert und konzipiert. Allerdings hat der Fonds noch keine Investitionen getätigt und keine Projektverträge abgeschlossen, so dass noch viele (projektbezogene) Fragen offen sind. Insbesondere für Anleger, die vor einer Anlageentscheidung umfassend informiert sein wollen, ist es daher naheliegend, zumindest den angekündigten Prospektnachtrag mit Informationen zu vom Fonds abgeschlossenen Projektverträgen abzuwarten. ECOreporter.de wird nach Erscheinen des Prospektnachtrages eine Aktualisierung des ECOanlagechecks vornehmen.

Basisdaten

Kapitalverwaltungsgesellschaft und Anbieterin: reconcept Vermögensmanagement GmbH, Hamburg
Investmentgesellschaft: reconcept 04 Wasserkraft Kanada GmbH & Co. geschlossenen Investmentkommanditgesellschaft, Hamburg
Komplementärin und Geschäftsführerin: reconcept Capital GmbH, Hamburg
Treuhänderin: reconcept Treuhand GmbH, Hamburg
Verwahrstelle: Caceis Bank Deutschland GmbH, München
Beteiligungsform:  Treugeber, Umwandlung in Direktkommanditist möglich

Fondswährung: Kanadische Dollar (CAD)
Gesamtinvestitionsvolumen: 82,85 CAD
Eigenkapitalvolumen (ohne Agio): 41,7 Millionen CAD
Mindestzeichnungssumme: 35.000 CAD
Agio: 3 Prozent
Laufzeit: bis 31. Dezember 2023 (prognostiziert)

BaFin-Billigung: Ja
Leistungsbilanz: Ja
IDW-Prospektprüfungsbericht: Ja
Mittelverwendungskontrolle: Caceis Bank Deutschland GmbH, München
Sensitivitätsanalyse: Ja
Haftsumme: 100 Euro je 1.000 CAD Kommanditeinlage (Außenverhältnis), 100 Prozent der Kommanditeinlage (Innenverhältnis)
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