Der Solarpark Nienburg in Niedersachsen produziert seit 2013 Strom. Anleger können Teile der Solaranlage erwerben. Der ECOanlagecheck prüft das Angebot. / Foto: Stefan Falk, BadenInvest Consulting GmbH

01.03.16 Anleihen / AIF , ECOanlagecheck , Solarenergie-Investments

Unabhängige Analyse: Solarpark Nienburg der BadenInvest Consulting GmbH

Private Investoren können für ca. 50.000 Euro einen Teil des Solarparks Nienburg erwerben. Der Käufer wird unmittelbarer Eigentümer seines Teils der Solaranlage. Der ECOanlagecheck analysiert das Angebot.

Initiatorin des Kaufangebotes und Verkäuferin der Solarpark-Anteile ist die BadenInvest Consulting GmbH aus Karlsruhe, die das Kaufangebot auch vermittelt. Der Solarpark Nienburg in Niedersachen hat eine Nennleistung von rund 3.851 Kilowattpeak (kWp) und produziert seit 2013 Strom. Er ist in 172 Anlagen unterschiedlicher Größe aufgeteilt, die einzeln verkauft werden. Die meisten Anlagen haben eine Nennleistung von 21,56 kWp (52 Anlagen) oder von 23,52 kWp (71 Anlagen). Der Kaufpreis für eine 23,52 kWp-Anlage beträgt – inkl. Einmalpacht für 20 Jahre – 52.440 Euro zuzüglich 19 Prozent Mehrwertsteuer. Inkl. der Mehrwertsteuer ergibt sich ein Brutto-Gesamtbetrag von rund 62.404 Euro.

Unternehmensprofil

Die BadenInvest Consulting GmbH – vormals Appento GmbH, Baden-Baden – hat 2012 ihren Sitz nach Karlsruhe verlegt. Geschäftsführer des Unternehmens ist Stefan Falk (49 Jahre). Laut des ungeprüften Jahresabschlusses 2014 beträgt die Bilanzsumme der BadenInvest Consulting GmbH rund 197.000 Euro. Auf der Aktivseite der Bilanz sind ein Anlagevermögen von rund 25.000 Euro und ein Umlaufvermögen von rund 171.000 Euro ausgewiesen und auf der Passivseite ein Eigenkapital von rund 66.000 Euro, Rückstellungen von rund 36.000 Euro und Verbindlichkeiten (mit einer Restlaufzeit bis 1 Jahr) von rund 95.000 Euro. Der Jahresfehlbetrag wird mit 5.500 Euro angegeben.

Die BadenInvest Consulting GmbH ist der Betreiber des Solarparks Nienburg. Sie verkauft die Solarpark-Anteile an die Investoren und übernimmt die kaufmännische Verwaltung für die Dauer des Pachtvertrages (20 Jahre plus Verlängerungsoption). Zudem hat die BadenInvest Consulting GmbH mit der Altrius Projekt Nienburg GmbH & Co. KG einen Pachtvertrag für die Grundstücke des Solarparks Nienburg abgeschlossen, so dass die Investoren selbst keinen Vertrag mit dem Verpächter der Grundstücke ihrer Solaranlage abschließen, sondern einen Unterpachtvertrag mit der Initiatorin. Nach Angaben von BadenInvest Consulting wurde die Einmalpacht für 20 Jahre im Dezember 2015 vollständig vertragsgerecht bezahlt.

Mit der Kaufpreiszahlung an die BadenInvest Consulting GmbH haben die Investoren die Einmalpacht zu entrichten. Die BadenInvest Consulting GmbH behält laut des – nicht ordentlich kündbaren – Vertrages zur kaufmännischen Verwaltung drei monatliche Abschlagszahlungen der Einspeisevergütung ein, um eine Liquiditätsreserve aufzubauen. Dieser Betrag soll nach Ablauf des Vertrages ausgezahlt werden. Dem Kaufvertrag ist nicht zu entnehmen, dass die Liquiditätsreserve und die von den Investoren an die BadenInvest Consulting GmbH gezahlten Gelder (Kaufpreis) auf einem Treuhandkonto verwahrt bzw. eingezahlt werden und/oder einer unabhängigen Mittelverwendungskontrolle unterliegen. Nach Aussage der Initiatorin werden die laufenden Stromeinnahmen auf einem Treuhandkonto verwahrt und monatlich ausgezahlt. Daher seien sie bei Insolvenz der BadenInvest Consulting GmbH nicht davon betroffen.

Investitionen

Der Investor erwirbt eine Teilanlage – bestehend aus den Modulen, den Wechselrichtern und der Unterkonstruktion – des Solarparks Nienburg. Laut des Kaufvertrags für eine 23,52 kWp-Teilanlage des Solarparks Nienburg, der ECOreporter.de vorliegt, liefert diese Teilanlage seit Dezember 2013 Strom. Dr. Littmann Consulting aus Ennepetal hat für den Solarpark ein Ertragsgutachten erstellt, das einen jährlichen Stromertrag von 900 kWh/kWp prognostiziert. Die 900 kWh/kWp sind auch Basis der Wirtschaftlichkeitsprognose. Nach Angaben der Initiatorin hat der Solarpark 2015 einen Ertrag von 938 kWh/kWp und 2014 einen Stromertrag von 932 kWh/kWp erbracht. Laut der Ergebnisse des Ertragsgutachten bestätigt der 2014 aufgrund einer höheren Sonneneinstrahlung erzielte Wert ungefähr den Kalkulationswert, obwohl die Stromproduktion in den Wintermonaten aus nicht eindeutig geklärten Gründen unterhalb der Prognose gelegen habe. Der Ertragsgutachter geht von technischen Problemen wie z. B. Undichtigkeiten der Wechselrichter aus.

Der Solarpark ist mit kristallinen Solarmodulen der chinesischen Hersteller ET Solar, ReneSola, Trina Solar, Xinshun und der kanadischen Canadian Solar bestückt. Die Wechselrichter kommen vom deutschen Hersteller Ako Diehl und von Refusol. Die Solaranlage erhält laut Kaufvertrag eine Einspeisevergütung von 17,94 Cent/kWh. Laut Kaufvertrag wurde die Solaranlage am 29. März 2012 im Sinne des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) in Betrieb genommen. Die Netzeinspeisung hat laut Kaufvertrag aber erst rund 20 Monate später am 1. Dezember 2013 begonnen. Nach Angaben der Initiatorin begann die Einspeisung des Solarparks im Sommer 2013. Der ursprüngliche Eigentümer hat nach ihren Angaben zwei verschiedene Verträge mit der Einspeisung, von denen er einen nachgezogen habe.

Grundsätzlich ist es möglich, dass eine EEG-Einspeisevergütung nachträglich entzogen bzw. reduziert wird. Beispielsweise können Solaranlagen, die nach den Regelungen des bis zum 1. April 2012 geltenden EEG in Betrieb genommen wurden, von 2015 gefällten Entscheidungen des Oberlandesgerichtes Nürnberg und des Bundesgerichtshofes betroffen sein. Demnach ist für eine ordnungsgemäße EEG-Inbetriebnahme voraussichtlich erforderlich, dass die Solarmodule bereits an dem dafür dauerhaft vorgesehenen Standort auf den bestimmungsgemäßen Montageeinrichtungen installiert waren. Nach Angaben der Initiatorin erfolgte die EEG-Inbetriebnahme des Solarparks Nienburg ordnungsgemäß. Der zeitliche Abstand zwischen EEG-Inbetriebnahme und Beginn der Netzeinspeisung sei durch Verzögerungen seitens des Energieversorgers bedingt gewesen.

In der Wirtschaftlichkeitsprognose wurde nicht mit der Einspeisevergütung von 17,94 Cent/kWh kalkuliert, sondern mit 18,20 Cent/kWh. Die Differenz von 0,26 Cent/kWh resultiert aus dem bis 2014 für Neuanlagen geltenden Grünstromprivileg, wodurch Solarparkbetreiber unter bestimmten Voraussetzungen durch eine Direktvermarktung Zusatzerträge erzielen können, aber auch zusätzliche Kosten für die Vermarktung entstehen können. Der Einkaufsfaktor (Kaufpreis Solaranlage ohne MwSt./prognostizierte Stromproduktion erstes Jahr) für die Solaranlage beträgt rund 13,0 (bei 18,2 Cent) bzw. rund 13,2 (bei 17,94 Cent). Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass die EEG-Inbetriebnahme bereits 2012 war, so dass der EEG-Vergütungszeitraum der Solaranlage inzwischen nur noch knapp 17 Jahre beträgt. Die kalkulierten laufenden Kosten liegen im marktüblichen Bereich, allerdings erfolgt beispielsweise die vertraglich vereinbarte Wartung nach Angaben der Initiatorin nur einmal jährlich, so dass bei außerplanmäßigem Wartungsaufwand Mehrkosten z. B. für das Befreien der Module von Staub/Schnee und für Ersatz-, Verbrauchs- und/oder Verschleißteile entstehen können. Grundsätzlich trägt der Käufer (Investor) einer Anlage unmittelbar die unternehmerischen Risiken und Kosten, z. B. im Falle einer eventuellen gerichtlichen Geltendmachung von Gewährleistungs- und Garantieansprüchen gegenüber chinesischen Modulherstellern.

In der Wirtschaftlichkeitsprognose wird davon ausgegangen, dass die Anlage 26 Jahre betrieben wird und der Käufer den Erwerb seiner Anlage zu 80 Prozent fremdfinanziert. Die Initiatorin kalkuliert mit einer Laufzeit des Darlehens von ca. 15 Jahren und einem Darlehenszins von 2,95 Prozent. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Höhe des Zinssatzes auch von der persönlichen Bonität des privaten Investors und seinen anderweitigen Einnahmen abhängig sein kann.

Fazit

Der Direktkauf einer Solaranlage kann  – auch während der Betriebsjahre – eine hohe unternehmerische Kompetenz beim Käufer erfordern, da er eventuell Eigeninitiative auf einem Gebiet entwickeln muss, für das er kein Experte ist. Neben Vertrags-, Projekt- und Betriebsrisiken kann für den Käufer das mögliche maximale Risiko einer Privatinsolvenz bestehen, wenn er den Kauf der Solaranlage mit Fremdkapital finanziert.

Basisdaten

Initiatorin: BadenInvest Consulting GmbH, Karlsruhe
Anlageform: Direktkauf
Anlagesumme: ca. 50.000 Euro
Einkunftsart: Einkünfte aus Gewerbebetrieb
BaFin-Billigung: Nein
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