01.08.12 Fonds / ETF

„Uns geht der Best-in-Class-Ansatz nicht weit genug“ – ECOreporter.de-Interview zum nachhaltigen Mischfonds Nachhaltig Aktiv OP, Teil 2

Während in diesem Jahr etliche Anbieter nachhaltige Fonds vom Markt genommen haben, wurde im Frühjahr mit dem Nachhaltig Aktiv OP ein nachhaltiger Mischfonds neu lanciert. Am Konzept und an der Umsetzung haben sich Sal. Oppenheim, Hauck & Aufhäuser aus der Schweiz und Meyer & Cie. aus München beteiligt. Wir veröffentlichen die Fortsetzung des Gesprächs von ECOreporter.de mit Thomas Gambert, Abteilungsdirektor / Vertrieb Banken&Versicherungen Publikumsfonds bei der Oppenheim Fonds Trust GmbH, Oliver Fischer, Geschäftsführer der Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG und Daniel Haas, Investment Strategist bei Meyer & Cie. über den Fonds und dessen Strategie. Zum ersten Teil des Beitrags gelangen Sie per Opens external link in new windowMausklick.

ECOreporter.de: Wie reagieren Sie auf schnelle Entwicklungen?

Fischer: Das Ethikkomitee trifft sich einmal im Monat und bewertet die vom Fondsmanagement gewünschten Titel. Falls dringende Entscheidungen kurzfristig gefällt werden müssen, kann dies auch mittels Umlaufverfahren geschehen.

ECOreporter.de: Aber Sie gehen nicht nach dem Best-in-Class-Ansatz vor?

Fischer: Der Philosophie des Hauses und auch mir geht ein solcher Ansatz nicht weit genug. Wir haben nach der BP-Katastrophe gesehen, welche nachhaltigen Fonds in dieses Ölunternehmen investiert hatten. So etwas ist zu riskant und nicht nachhaltig.

ECOreporter.de: Wer bewertet die Unternehmen in finanzieller Hinsicht?

Fischer: Wir gehen aufgrund von Finanzkennzahlen vor. Die Titelauswahl basiert auf einem Scoring-Modell, welches sowohl quantitative wie auch qualitative Aspekte berücksichtigt. Wir vergleichen beispielsweise die besonderen Stärken und die Gewinnentwicklung von Unternehmen. Diese ordnen wir dann in vier Gruppen: Sehr attraktiv, attraktiv, risikoreich oder sehr risikoreich. Die sehr attraktiven schauen wir uns genauer an und prüfen das jeweilige Geschäftsmodell eingehend.

ECOreporter.de: Was ist das finanzielle Ziel des Fonds?

Gambert: Wir wollen ein Plus von drei bis fünf Prozent pro Jahr erreichen. Wir haben hier ja einen ausschüttenden Fonds mit einer Aktienquote von maximal 30 Prozent. Es geht um einen sehr konservativen, defensiven Absolute-Return-Ansatz. Mit einer Rentenquote von 70 Prozent muss man teilweise niedrigere Renditen  akzeptieren. Wir denken, dass Kunden wie Stiftungen an einer stabilen Ausschüttung und Kontinuität interessiert sind. Wir wollen daher möglichst absolute Verluste vermeiden, wir wollen besser sein als die Benchmark und wir wollen zumindest immer eine „schwarze Null“, auch wenn der Markt unfreundlich ist. Es geht immer um ein Abwägen von Risiko und Gelegenheit.

Bildhinweis: Thomas Gambert. / Quelle: Oppenheim Fonds Trust GmbH

ECOreporter.de: Wie finden Sie heraus, in welcher Phase der Markt ist?

Haas: Unsere Empfehlungen basieren auf einem Indikatorenset, welches uns regelgebunden anzeigt, ob der Markt sich in einem Bullenzyklus, Bärenzyklus oder einer zyklischen Übergangsphase befindet. Wir arbeiten nicht mit Marktprognosen, sondern analysieren den Zustand des Marktes. Uns ist bewusst, dass die Börsen von Emotionen und Liquidität getrieben sind und zeitweise keine Rücksicht auf fundamentale Einschätzungen nehmen. Beispielhaft betrachten wir die Branchenrotation in defensive und offensive Branchen, um möglichst zuverlässig beurteilen zu können, ob wir in einem Bullen- oder Bärenmarkt sind. Für uns ist es außerdem wichtig, dass wir uns auch neutral stellen können. Mit unserer Vorgehensweise verfolgen wir eine mittelfristig orientierte Positionierung. Ein Trading wie bei Hedgefonds wird es nicht geben.

Bildhinweis: Daniel Haas. / Quelle: Meyer & Cie

ECOreporter.de: Wie suchen Sie die Rentenwerte heraus?

Gambert: Es gibt klare Ausschlusskriterien. Beispielsweise sind Länder mit Atomwaffen ausgeschlossen, ebenso Länder mit Todesstrafe oder solche, die mehr als zwei Prozent des Bruttosozialproduktes für Rüstung ausgeben. Wichtig sind auch Kriterien wie Verschuldung, Korruption, Arbeitslosigkeit. Neben Staatsanleihen kann der Fonds auch in Unternehmensanleihen investieren, in Pfandbriefe, Kommunalanleihen, Anleihen der so genannten supranationale Institutionen wie Europäische Investitionsbank (EIB), Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) oder andere.

ECOreporter.de: Gibt es auch weiche Ausschlusskriterien?

Fischer: Ja, beispielsweise gibt es eine Umsatztoleranz von zehn Prozent für alkoholische Produkte.

ECOreporter.de: Wie transparent ist der Fonds?

Fischer: Transparenz ist uns wichtig. Anleger – auch Journalisten – können an den Sitzungen des Ethikkomitees teilnehmen. Wir kommentieren und publizieren zudem Ergebnisse und stellen auf Nachfrage Analysen zur Verfügung. Insgesamt geht es uns immer um Nachhaltigkeit. Und daher wollen wir Unternehmen - im Rahmen unserer Möglichkeiten - überzeugen, dass es wichtig ist, sich nachhaltig zu verhalten.

ECOreporter.de: Meine Herren, vielen Dank für das Interview!
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