13.01.10 Finanzdienstleister

"Unser Verständnis von Nachhaltigkeit zielt auf die Bewahrung der Schöpfung ab." - ECOreporter.de-Interview mit Jörg Moltrecht, KD-Bank



Wie die KD-Bank mitteilt, wurde die Bilanzsumme 2009 um knapp 1 Prozent auf rund 4,2 Milliarden Euro gesteigert Die Einlagen der vornehmlich kirchlichen Kunden nahmen um rund 4,6 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro zu. Die Kreditausleihungen belaufen sich auf knapp 1,2 Milliarden Euro, 138 Millionen Euro neue Darlehen wurden zugesagt. Die Neuzusagen sind somit nochmals um über 17 Millionen Euro gestiegen. Die genossenschaftlich organisierte Kirchenbank will den Mitgliedern eine Dividende von 7 Prozent vorschlagen.


ECOreporter.de: Sie haben vor Ihrer Tätigkeit für die KD-Bank Leitungsfunktionen bei der Dresdner Bank und bei der Sparkasse bekleidet. Worin sehen Sie die wesentlichen Unterschiede dieser Kirchenbank zu herkömmlichen Finanzinstituten?

Jörg Moltrecht: Das gemeinsame Werteverständnis zwischen Kunden und Mitarbeitenden ist eine gute Voraussetzung für eine erfolgreiche Kundenbeziehung. Als Spezialbank für Kirche und Diakonie verstehen wir uns als Dienstleister und können eine Mehrwertleistung anbieten, als Beispiele möchte ich hier unsere Handbücher „Kirchliches Immobilienmanagement“ und „Energiesparen in Kirchengemeinden anführen“, das wir zusammen mit der Energieagentur NRW aufgelegt haben. Dies können herkömmliche Banken aus ihrem Selbstverständnis heraus nicht leisten.

ECOreporter.de: Warum sind Sie zur KD- Bank gewechselt?

Moltrecht: Bei der KD-Bank steht die Beratung an erster Stelle, der Geschäftsabschluss ist das Ergebnis dieser Beratung. In meinen Augen stellen viele Banken den Abschluss in den Vordergrund, ohne der kundenorientierten Beratung ausreichend Raum zu geben, denn diese kostet viel Zeit und verursacht Kosten. Ich bin überzeugt von der Geschäftsstrategie der KD-Bank, die auf langfristige Kundenbeziehungen und Transparenz setzt. Darüber hinaus bin ich persönlich der Evangelischen Kirche bereits seit meiner Jugendzeit in Hamburg sehr verbunden.

ECOreporter.de: Wie weit sind die Pläne der KD-Bank gediehen, mit der LKG Landeskirchliche Kredit-Genossenschaft Sachsen eG zu verschmelzen?

Moltrecht: Wir haben inzwischen weitgehende Einigkeit über die Fragen zur Verschmelzung erzielt. Beide Partner sind von den Vorteilen des Zusammenschlusses überzeugt. Die Entscheidungen treffen jedoch die Mitglieder der beiden Banken im Rahmen der Generalversammlungen, die im April und Juni 2010 in Dresden und Dortmund stattfinden.  

ECOreporter.de: Welche Chancen und welche Risiken verbinden Sie mit diesem Vorhaben?

Moltrecht: Wir wünschen uns mehr Zeit für die Beratung, die durch die Einsparung bei administrativen Tätigkeiten in einer größeren Einheit entsteht. Die bisherige Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen der LKG Sachsen läuft sehr gut und lässt positive Ergebnisse erwarten.

ECOreporter.de: Wie wichtig ist den Kunden der KD-Bank das nachhaltige Investment?

Moltrecht: Unser Verständnis von Nachhaltigkeit zielt auf die Bewahrung der Schöpfung ab. Viele Kunden vollziehen diese Überlegungen nach und investieren deshalb in Unternehmen, die ein Bewusstsein für nachhaltige Fragestellungen haben.

ECOreporter.de: Was bietet die KD-Bank ihren Kunden im Bereich des nachhaltigen Investments an?

Moltrecht: Die KD-Bank wirtschaftet bewusst mit den ihr anvertrauten Geldern. Zum einen investiert sie über die Kreditvergabe ausschließlich in soziale Projekte von Kirche und Diakonie, wie z.B. Kindergärten, Altenheime, Krankenhäuser, Einrichtungen für Behinderte. Zum anderen verwendet sie für ihre Eigenanlagen an den Kapitalmärkten den KD-Bank Nachhaltigkeitsfilter, der neben den ökonomischen Kriterien die Berücksichtigung sozialer und ökologischer Aspekte sicherstellt. Durch diese Vorgehensweise können Anleger bei der KD-Bank sicher sein, dass ihre Gelder verantwortungsbewusst verwendet werden. Darüber hinaus bietet die KD-Bank verschiedene Investmentfonds an, die mit unterschiedlichen Nachhaltigkeitsansätzen arbeiten.

ECOreporter.de: Wie haben sich die Geschäfte der KD-Bank seit dem Ausbruch der Finanzkrise in 2007 entwickelt? Welche Auswirkungen hat diese für Ihre Bank gehabt bzw. hat sie noch?

Moltrecht: Die KD-Bank ist bisher ohne Blessuren durch die Finanzkrise gekommen. Auch weiterhin rechne ich nicht mit bösen Überraschungen für unser Haus. Durch die Erfüllung unseres über 80-jährigen Auftrags, Kirche und Diakonie mit günstigen Finanzlösungen zu unterstützen, sind wir nicht in die Versuchung geraten, unser Geschäftsergebnis spekulativ zu beeinflussen. In unserem Depot befinden und befanden sich keine toxischen Papiere. Nach meiner Beobachtung legen die Kunden in zunehmendem Maße Wert darauf, mit einem solide wirtschaftenden Bankpartner zusammenzuarbeiten. Für diesen Kundenkreis stehen wir mit unserem Leistungsangebot parat.

ECOreporter.de: Welche weitere Entwicklung strebt die KD-Bank an und mit welcher Strategie soll dies geschehen?

Moltrecht: Wir möchten weiterhin eine gesunde und starke Bank bleiben, die ausschließlich überschaubare Risiken eingeht. Wir sehen uns als Dienstleister für institutionelle und private Kunden, die durch unsere Leistungen einen Mehrwert erleben sollen. Die Nähe zum Kunden ist der Schlüssel dazu. Wir sehen Beratungsqualität als strategische Daueraufgabe. Regelmäßige Kundenzufriedenheitsbefragungen helfen uns, diese Aufgabe im Sinne unserer heutigen und zukünftigen Kunden zu lösen.

ECOreporter.de: Herr Moltrecht, wir danken Ihnen für das Gespräch.
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