16.01.12 Fonds / ETF

„Unternehmen aus dem Wassersektor haben gute Perspektiven.“ – Interview mit Denis Schmidli, Pictet & Cie




ECOreporter.de: Ist der Pictet  Fund Water ein Themenfonds zum Thema Wasser, oder ein Nachhaltigkeitsfonds mit klar definierten sozialen, ethischen und ökologischen Kriterien?


Denis Schmidli: Der Pictet-Water ist ein Themenfonds. Ziel der Strategie ist es, dem Anleger die ganze Bandbreite des Themas Wasser zu erschließen. Wir orientieren uns bei der thematischen Definition am Wasserkreislauf. Wasser ist neben der sichtbar flüssigen Form auch in der Luft und im Boden, das Grundwasser. Unser Anlageuniversum umfasst daher Unternehmen aus den Teilbereichen Wasser-Versorgung und Wasser-Technologie, aber auch Umweltdienstleister, wie beispielsweise Luftfilterung oder Abfallwirtschaft, beides Aktivitäten, die unmittelbar dazu beitragen, den Wasserkreislauf vor Schadstoffen zu schützen.

ECOreporter.de: Inwiefern werden ökologische, soziale und ethische Nachhaltigkeitsaspekte und -kriterien bei der Anlagestrategie  des Pictet  Fund Water eine Rolle?

Schmidli: Nachhaltigkeit in der Wirtschafstätigkeit hat eine finanzielle und eine extra-finanzielle Komponente. Unökologisches, unethisches oder unsoziales Verhalten beeinträchtigt über kurz oder lang die Fähigkeit eines Unternehmens  Cash Flow zu generieren. Mit anderen Worten: sie untergräbt die wirtschaftliche Nachhaltigkeit,  also die Überlebensfähigkeit der Firma. Insofern werden die Firmen bei uns im Rahmen der Anlageentscheide sehr genau geprüft. Die Unternehmen im Portfolio werden kontinuierlich verfolgt. Der Engagement-Prozess mit ausgewählten Firmen läuft jeweils über zwei bis drei Jahre um auch schlüssige Ergebnisse erzielen zu können.

ECOreporter.de: Wie gehen Sie mit Unternehmen um die fragwürdige ökologische, soziale oder ethische Geschäftspraktiken haben?

Schmidli: Als Anleger haben Sie Wahl zwischen dem „Exit“, also nicht in die Firma zu investieren (aber dann auch nichts verändern zu können), oder dem „Engagement“, also aktiv Verantwortung zu übernehmen und auf positive Veränderung hinzuarbeiten. Wir haben uns zu zweitem entschlossen. Firmen die  für das Thema Wasser Schlüsselspieler sind, und in die wir Anlagen als wichtig erachten, werden von uns in einen engen Engagement-Dialog eingebunden. Wir haben dafür die die Schweizer Anlagestiftung Ethos, eine bekannte unabhängige Institution für Nachhaltige Anlagen beauftragt, für uns mit ausgewählten Firmen in einen Dialog um auf Verbesserungen hinzuwirken. Es handelt sich dabei beispielsweise  um Fragen zu Arbeitsstandards, Kinderarbeit bei Zulieferern oder zu Problemen in Zusammenhang mit großen Dammprojekten. Wir zielen darauf ab, durch die Verbesserungen im Geschäftsverhalten neuen unternehmerischen Mehrwert freizulegen.  Die Ergebnisse dieses Dialogs werden von uns zu gegebener Zeit jeweils auf unserer Webseite publiziert.

ECOreporter.de: Welche Anlagestrategie verfolgt der Pictet Fund Water und welchen Erfolg versprechen Sie sich davon?

Schmidli: Der Pictet-Water ist ein „long-only“ Aktienfonds, der in börsennotierte Firmen investiert. Der Fonds sucht aktiv nach Anlagemöglichkeiten in  Unternehmen, die maßgebliche Aktivitäten im Wassergeschäft betreiben. Weltweit findet man heute rund 900 Firmen mit einer Marktkapitalisierung von rund 1,9  Milliarden Euro. Wir sind weder regionale noch sektorielle an Grenzen gebunden. Die Maßvorgabe ist, langfristig besser als der Weltaktienindex, der MSCI Welt, abzuschneiden. Der Fonds wurde im Januar 2000 aufgelegt. Seit Lancierung hat der Fonds absolut über 50 Prozent zugelegt und liegt solide 65 Prozent vor dem Weltaktienindex (Bilanzstichtag: 4. Januar 2012).
 
ECOreporter.de: Verfolgt der Fonds einen Best-In-Class-Ansatz?

Schmidli: Der Fonds verfolgt keinen Best-in-Class-Ansatz. Alle Titel im Portfolio sind darin enthalten, weil wir auf absoluter Basis von deren Kurspotential überzeugt sind. Das Portfolio wird entlang einem „Bottom-up“-Anlageansatz verwaltet, und umfasst zwischen 60 und 80 Titeln, ist also vergleichsweise konzentriert.

ECOreporter.de: Wie funktioniert die Titelwahl für den Pictet Fund Water und was qualifiziert oder disqualifiziert die Investmentkandidaten für das Anlageuniversum?

Schmidli: Um überhaupt als Anlagekandidat in Betracht gezogen werden zu können, muss eine Firma mindestens 20 Prozent  ihres Wertes, gemessen als Umsatz, Unternehmenswert oder EBITDA [= Gewinn vor Zinsen Steuern und Abschreibungen anm. d. Red.] aus dem Geschäft mit Wasser ableiten können. Fällt sie unter diese Schwelle, fällt die Firma auch aus dem Anlageuniversum. Firmen wie Nestlé oder Danone sind aus diesem Grund nicht mehr investierbar. Je gewichtiger die Ausrichtung am Thema Wasser, umso attraktiver wird sie für uns. Wir bevorzugen so genannte „Pure Plays“, also Firmen, die ausschließlich im Wasserthema unterwegs sind. Faktoren wie Volatilität und Liquidität der Aktien sind wichtige Eckpfeiler für die Bestimmung der Titelgewichte. Doch zentral ist, was die Analyse der Firmenkennzahlen und das direkte Gespräch mit der Firmenleitung hervorbringt. Wir führen  übrigens rund 200 solcher direkten Gespräche pro Jahr. Ein Beispiel: bei einer kleineren Firma ist die fachliche Kompetenz des Geschäftsführers wesentlich wichtiger, als bei einem Großkonzern mit hunderttausenden von Angestellten. Dort liegt die Aufgabe des CEO  vor allem darin, die Firmenstrategie mit dem Aufsichtsrat festzulegen und durchzusetzen.

ECOreporter-de: Welche Chancen und Risiken haben Anleger zu erwarten?

Schmidli: Die Chancen liegen in der Partizipation am Wachstum eines Themas, dass von klaren Megatrends profitiert, unter anderem von der demographischen Entwicklung, denn absolut betrachtet konsumieren immer mehr Menschen mehr Wasser. Mit wachsendem Wohlstand gilt dies auch relativ. Ein weiterer solcher Trend  ist die   Umweltherausforderung  bedingt durch den Klimawandel und  Ressourcenknappheit.
Das Risiko einer Anlage in den Fonds liegt darin, dass auf kurze Sicht die Aktien des Wassersektors mit der Gesamtmarktentwicklung korreliert sind, es also zu kurzfristig deutlichen Schwankungen kommen kann. Die damit verbundenen Risiken lassen sich nur durch einen entsprechend langen Anlagehorizont auffangen. Wir empfehlen mindestens  sieben Jahre. Anleger, die im Januar 2000 eingestiegen sind, haben absolut über 50 Prozent Rendite erwirtschaftet und liegen im Vergleich zu einem Engagement in globalen Aktien sogar über 65 Prozent  voraus.

ECOreporter.de:  Wie hat sich die Euroschuldenkrise bisher auf den Sektor Wasser allgemein und Ihren Fonds im Besonderen ausgewirkt?

Schmidli: Die Eurokrise und die amerikanische Schuldenkrise wirken sich leider auch negativ auf den Wassersektor aus. Allerdings ist das Bild differenziert zu betrachten und es gibt auch Lichtblicke. In Europa gingen Wasserversorger letztes Jahr durch schwierige Zeiten. In Lateinamerika hingegen erwarten die Versorgerfirmen solides Wachstum in den kommenden Jahren. Wir sehen vor allem, dass öffentliche Infrastrukturprojekte Verzögerungen oder Stornierungen erfahren. Kurzfristig ist dies sicher unvorteilhaft für die Ausrüsterfirmen und das Engineering. Paradoxerweise wird dies aber langfristig positiv sein für ebendiese Firmen.
Denn der Zustand der Wasserleitungen oder vielmehr der ganzen Wasserinfrastruktur wird sich durch diese Verzögerungen tendenziell eher noch verschlechtern, und der Investitionsbedarf zur Instandhaltung und Ausweitung der Wasserinfrastruktur wird leider in Zukunft um ein Vielfaches höher sein als heute.  
Den privaten Wasserversorgerfirmen  bieten sich in mittlerer und längerer Zukunft eher mehr Geschäftsmöglichkeiten. Das Modell der PPP’s [= Kurzform von Public Private Partnerships] gewinnt in Zeiten finanziellen Drucks auf die öffentliche Hand an Attraktivität. Damit lassen sich Kernaufgaben des Staates im Rahmen eng gefasster Mandate an private Akteure delegieren. Vor allem Kommunen machen verstärkt von diesem Modell Gebrauch.

ECOreporter.de: Inwiefern hat das Fondsmanagement Maßnahmen ergriffen, um den möglichen Auswirkungen der Krise auf den Fonds zu begegnen?

Schmidli:
Unsere Anlagestrategie einer ausgewogenen Anlagemischung aus Wasserversorgern und Wassertechnologiefirmen in Portefeuille half uns 2011 die schwierigen Märkte gut zu meistern. Eine wachsend positive Rolle spielen zudem die Wachstumsländer, allen voran Brasilien und China, die die Schwierigkeiten in den entwickelten Ländern der Nordhemisphäre mehr als kompensierten. In Zusammenhang mit den PPP’s zählten letztes Jahr auch die Umweltdienstleister in den USA und das ganze Geschäft der regulierten Wasserversorger in England und einigen Bundesstaaten der USA zu den Gewinnern.

ECOreporter.de: Der Fonds hält auch eine Barmittelreserve. Erläutern Sie bitte kurz die Funktion dieser Reserve und sind Sie im Verlauf der Krise mit dieser „Stellschraube“ umgegangen?
Schmidli: Der Pictet-Water bietet Anlegenden tägliche Liquidität. Die Barmittel des Fonds dienen einzig dazu, Nettomittelzu- und -abflüsse des Fonds zu bedienen. Die Barmittel bewegen sich stets zwischen null und fünf Prozent. Der Fonds ist ansonsten immer voll in Aktien des Wassersektors investiert.

ECOreporter.de: Welche Chancen und  Risiken bietet der Sektor Wasser aktuell für nachhaltig orientierte Anleger und wie wird sich der Markt in den kommenden Jahren weiterentwickeln? Was und wer wird die Nachfrage wesentlich bestimmen?

Schmidli: Die Nachfrage nach Wasser und deren Wachstum ist unbestreitbar vorhanden. Der Mensch braucht Wasser zum Überleben. Die Weltbevölkerung wächst weiter, von heute sieben Milliarden auf neun Milliarden Menschen in nicht allzu ferner Zukunft. Da die Menschen im Durchschnitt auch noch wohlhabender werden, wird auch der Pro-Kopf-Konsum weiter ansteigen.
Gleichzeitig steigt der Druck auf die Ressource Wasser, durch Klimawandel, Übernutzung oder auch Verschmutzung. Es gibt zwar grundsätzlich genügend Wasser für alle. Bloß muss es zuerst erschlossen, dann gereinigt, an den Ort der Nutzung geführt und dort feinverteilt. werden. Ein gewaltiger Handlungsbedarf. Die Chancen sind offensichtlich. Die Risiken sind unterschwelliger und oft emotional gesteuert. Wasser ist ein öffentliches Gut, zumindest wenn es um die private, individuelle Nutzung geht. Doch wie weit geht diese „Öffentlichkeit“? Und was soll diese „Öffentlichkeit“ die Öffentlichkeit kosten? Soll Wasser einen Preis haben, und was ist der korrekte Preis? Dies gilt es als Gesellschaft zu verhandeln. Wir sind der Meinung, nur was einen korrekten Preis hat, wird vom Konsumenten geschätzt.
Die Risiken liegen bisweilen in der Überpolitisierung und –emotionalisierung des Gutes. Wenn wir es schaffen, den Handlungsbedarf am Notwendigen auszurichten und die Preissetzung ehrlich und transparent zu gestalten, dann sind die Risiken für Anleger, vor allem  für an Nachhaltigkeit interessierte Anleger, gering.

ECOreporter.de: Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Schmidli!

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