28.03.12 Nachhaltige Aktien , Meldungen , Fonds / ETF

Unternehmen stehen weltweit vor drängenden Nachhaltigkeitsproblemen – KPMG warnt vor stark steigenden Umweltkosten



"Wir leben in einer Welt mit begrenzten Ressourcen. Das schnelle Wachstum in den Schwellenländern (Emerging Markets) sowie der Klimawandel und der Energie- und Wasserverbrauch zählen zu jenen Kräften, die enormen Druck auf unsere Gesellschaft ausüben werden", sagt KPMG-Geschäftsführer Gert Weidinger, der den Bereich Climate Change & Sustainability (CC&S) mitverantwortet. "Die Wirtschaft muss eine führende Rolle bei der Entwicklung von Lösungen einnehmen", stellt er fest.

Die KPMG-Studie mit dem Titel "Expect the Unexpected: Building Business Value in a Changing World" wurde in englischer Sparche verfasst und untersucht, wie sich globale Kräfte wie der Klimawandel und Schwankungen bei der Versorgung mit Energie, Brennstoffen und Wasser auf Wirtschaft und Industrie auswirken und welche Kosten diese Faktoren verursachen. Sie beziffert zum Beispiel die Kosten, die den 300 größten Unternehmen der Welt in einem Jahr durch Umweltschäden entstehen, auf 2,1 Billionen US-Dollar. Peter Ertl, ebenfalls KPMG-Geschäftsführer und mitverantwortlich für CC&S, verweist auf die zunehmende Bedeutung von Umweltkosten. Sie tauchten meist nicht in den Geschäftsberichten auf, „da sie oft nicht monetär sind oder direkt dem Unternehmen zu geordnet werden können“. Man dürfte sie aber nicht vernachlässigen. Denn wie man der KPMG-Studie entnehmen könne, seien diese Umweltkosten seit 2002 in elf Hauptindustriesektoren um 50 Prozent gestiegen, mit stark steigender Tendenz. Zu diesen Hauptindustriesektoren zählen etwa die Nahrungsmittelbranche, der Bergbau und die Schifffahrt, dort sind die Umweltkosten laut KPMG in den letzten Jahren besonders stark gewachsen. Auch in Sektoren wie der Chemie- und der Automobilindustrie, in Bereich wie Energie, Erdöl und Metalle nahmen sie deutlich zu.

Die Untersuchung führt die größten Einflusskräfte auf, die sich laut Ertl „maßgeblich auf die Geschäftstätigkeit von Unternehmen in den nächsten zwei Jahrzehnten auswirken können“. Zu diesen Nachhaltigkeitsfaktoren zählt vor allem der Klimawandel. Dieser wirke sich direkt auch auf alle anderen Faktoren aus. Die KPGM-Studie sieht eine Fülle von Auswirkungen. Sie reichen von direkten wirtschaftlichen Schäden, die etwa durch immer häufiger auftretende und immer intensivere Wetterextreme wie Wirbelstürme verursacht werden bis hin zu regulatorischen Eingriffen wie etwa Auflagen für emissionsintensive Betriebe, mit denen Regierungen dem Klimawandel entgegen wirken wollen. Die Unternehmensberatung sagt voraus, dass Klimafaktoren die Wirtschaftlichkeit von Unternehmen jedes Jahr um durchschnittlich ein Prozent vermindern werden – im besten Fall. Das heißt, sofern die Politiker rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen, um den Klimawandel zu bremsen. Wenn die Politiker es verabsäumen, klare Klimaziele zu setzen und zu erreichen, wird sich die Wirtschaftlichkeit von Unternehmen jedes Jahr im Schnitt um bis zu fünf Prozent verringern, heißt es in der Untersuchung. Besonders groß seien die Klimarisiken für Unternehmen, die in Entwicklungsländern operierten, also zum Beispiel dort Zulieferbetriebe beschäftigen.

Bildhinweis: Hurrikane verwüsten immer häufiger stark besiedelte Küstenregionen wie hier im Süden der USA. / Quelle: Munich Re


Der wirtschaftliche Aufschwung in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern birgt laut der KPMG-Studie weitere Nachhaltigkeitsrisiken. Die Weltbevölkerung werde in den kommenden 20 Jahren voraussichtlich auf weit über acht Milliarden Menschen wachsen. Dies werde den Druck auf die Ökosysteme und die Versorgung mit natürlichen Ressourcen wie Nahrung, Wasser, Energie und Materialien stark erhöhen. Für Unternehmen, für ihre Produktionsweise und für ihre Beschäftigten vor Ort sowie für ihre Kunden stelle dies eine Bedrohung dar. Sie seien gezwungen, innovative Ideen zu verwirklichen, um diese Herausforderungen zu meistern.

Ebenso verhält es sich der Studie zufolge mit der zunehmenden Ressourcenknappheit. Die Industrialisierung in den Entwicklungsländern schreite rasch voran; die weltweite Nachfrage nach materiellen Ressourcen werde auch daher dramatisch zunehmen. Zusätzlich intensiviert werde der globale Wettbewerb um natürliche Ressourcen voraussichtlich durch zunehmende Handelsbeschränkungen. Auch hierfür müssten Unternehmen Lösungen entwickeln, etwa effizienter mit Ressourcen wirtschaften.
Wegen seiner Bedeutung hebt KPMG hierbei die sich abzeichnende Knappheit der natürlichen Ressource Wasser hervor. 2030 werde die weltweite Nachfrage nach Trinkwasser das Angebot um 40 Prozent übersteigen. Unternehmen würden zunehmen gezwungen, Wassermangel und eine sinkende Wasserqualität aufzufangen. Schon deutlich früher müssten Unternehmen sich Gedanken darüber machen, wie sie Energie und fossile Treibstoffe einsetzen. Nicht zuletzt der wirtschaftliche Aufschwung in Schwellenländern wie China und Indien lasse den globalen Energiebedarf enorm ansteigen, mit der Folge stark schwankender Preise für fossile Brennstoffe.

Als ein weiteres wichtiges Nachhaltigkeitsthema für Unternehmen führt die KPMG-Studie die weltweite Entwaldung an. Noch seien Wälder sind ein großes Geschäftsfeld, sie hätten noch vor kurzem pro Jahr 100 Milliarden US-Dollar zur Weltwirtschaft beigetragen. Doch die Aufforstung, mit der der Abbau des Holzbestandes kompensiert werde, sei rückläufig und werde bis 2030 um 13 Prozent abnehmen, vor allem in Südasien und Afrika. Das erschwere die Versorgung mit Holz. Zudem würden Kunden Unternehmen wahrscheinlich immer mehr unter Druck setzen, ihre Produkte aus nachhaltigen und zertifizierten Quellen anzubieten.

Bildhinweis: Abholzungen im brasilianischen Regenwald. / Quelle: Precious Woods


Auch sonst mache der Abbau der Ökosysteme natürliche Ressourcen knapper, teuer und weniger vielfältig, lasse die Kosten für Unternehmen ansteigen und stelle nicht nur Branchen wie Landwirtschaft, Fischerei, Nahrungsmittelindustrie und Tourismus vor große Herausforderungen. Der Verfall der Artenvielfalt und der Ökosysteme werde sich nicht mehr vor allem auf die Reputation der Unternehmen auswirken, sondern direkt auf ihre Kostenstruktur.

Die Experten von KPMG konkretisieren dies in der Studie zum Beispiel anhand der Nahrungsmittelindustrie, dort seien die Umweltkosten allein in 2010 um über 200 Prozent gestiegen und würden auch in Zukunft stark zunehmen. Bevölkerungswachstum, Wasserknappheit und Entwaldung sowie eine Steigerung der Weltmarktpreise für Lebensmittel seien hier wichtige Herausforderungen. In wasserarmen Regionen würden landwirtschaftliche Produzenten mit wasserintensiven Branchen wie Energieversorgung oder Bergbau konkurrieren. Regulierende Maßnahmen würden nötig, um die wachsende Lebensmittelknappheit zu bekämpfen, die wiederum eng mit dem starken Zuwachs der Weltbevölkerung verbunden sei. Zumal dieses Wachstum sehr geballt auftrete. Nahezu das gesamte Bevölkerungswachstum der nächsten 30 Jahre werde Städte betreffen. Das wiederum erfordere umfangreiche Verbesserungen der Infrastruktur einschließlich Bau, Wasser und Abwasser, Strom, Abfall, Verkehr, Gesundheit, öffentliche Sicherheit und Telekommunikation. Somit berge die Entwicklung auch große wirtschaftliche Chancen – für Unternehmen, die sich der anstehenden Nachhaltigkeitsherausforderungen bewusst seien und sich ihr mit Lösungen stellen würden.
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