Nach dem Niedergang der US-Kohle-Konzerne trifft es nun auch die Öl-Riesen / Foto: Claudia Otte/Fotolia.com

  Erneuerbare Energie

US-Studie enthüllt: Konzerne vor dem Kollaps? – So risikoreich sind Investments in Öl

Welche Folgen hat die Energiewende für die Öl- und Kohleindustrie und für Konzernriesen wie Chevron, ExxonMobil, Shell, Total, ConocoPhillips oder BP? In einer Studie hat die US-amerikanische Non-Profit-Organisation "As You Sow" untersucht, ob es Parallelen zwischen dem sich wandelnden Energiemarkt, der Öl-Industrie und dem Zusammenbruch des Kohle-Marktes gibt. In der Folge warnen die Autoren Anleger vor den finanziellen Risiken, die ein Öl-Investment mit sich bringe.

Fest steht demnach: Produzenten fossiler Energieträger haben zu langsam auf den sich wandelnden Markt reagiert und haben nun unter anderem mit steigenden Kosten und mit der Konkurrenz durch neue Technologien zu kämpfen. Bereits 2011 hatten Experten von "As You Sow" vorausgesagt, dass der Niedergang der US-Kohleindustrie kurz bevor steht – weil sich die Märkte so grundlegend veränderten, gingen sogar zuvor sehr profitable Firmen baden.

Nun droht sich das Szenario auch für die Öl-Produzenten zu wiederholen, wie der aktuelle Report  "Unconventional Risks: The Growing Uncertainty of Oil Investments" warnt. Lange Zeit habe der niedrige Ölpreis den drohenden Kollaps maskiert. Nun gebe es einige ernstzunehmende Signale, die einen Absturz der einst mächtigen Industrie markierten:

Zunehmende Investitionen:  Zwischen 2000 und 2014 stiegen die Ausgaben der Ölmultis um 308 Prozent von 41 auf 166 Milliarden US-Dollar. Trotz dieser Investitionen sank die Produktion im selben Zeitraum um 1,7 Prozent und reflektiert damit teilweise die steigenden Kosten für den

Ersatz von Reserven:
  Der eingeschränkte Zugang zu den herkömmlichen Rohöl-Lieferungen zwingt die meisten unabhängigen Ölgesellschaften, unkonventionelle und teure Quellen zu erschließen (zum Beispiel Ölquellen in der Arktis).

Rückläufige Gewinnmargen:  Von 2011 bis 2013 waren die Ölpreise auf dem historischen Höchststand. Doch weil die Produzenten immer neue Ressourcen erschließen mussten und die Schuldenbelastung anstieg, sind auch die Gewinnmargen der Ölkonzerne zurückgegangen. Die durchschnittliche Eigenkapitalrendite ist seit dem Höchststand im Jahr 2005 rückläufig, was auf eine sinkende Profitabilität in der letzten Dekade hindeutet.

Wachsende Schulden:  Von Mitte 2000 bis 2014 haben sich die Schulden der Ölkonzerne mehr als verdreifacht. Nicht ganz eindeutig ist, ob diese zunehmende Verschuldung nun die historisch niedrigen Zinsen widerspiegelt, oder ob sie notwendig war, um die steigenden Kosten für Ressourcen-Erschließung und Dividenden zu tragen. Aktuelle Bonitätsherabstufungen zeigen jedenfalls, dass der Schuldenstand der Konzerne auch die Rating-Agenturen nicht kalt lässt.

Schrumpfende Barreserven:  Ebenfalls im Zeitraum 2000 bis 2014 erlitten mehrere Öl-Unternehmen erhebliche Rückgänge an Cash-Reserven. Ursachen hierfür waren unter anderem die erhöhten Ausgaben, kleinere Gewinnmargen, hohe Dividenden-Ausschüttungen, Aktienrückkäufe und die Rückzahlung der Schulden.

Zusammenbruch der Ölpreise:  Verschärft wird die finanzielle Belastung noch durch die Mitte 2014 kollabierten Ölpreise. Es ist unklar, wie lange die Konzerne bei diesen niedrigen Preisen noch standhalten können, auch wenn sie im vergangenen Jahr ihre Investments zurückgefahren und sich auf weniger kostenintensive Projekte konzentriert haben. Die Unternehmensbilanzen stehen unter hohem Druck, da die Öl-Konzerne weiterhin hohe Dividenden ausschütten, um die Investoren in finanzieller Sicherheit zu wiegen. Und das, obwohl die Unternehmen damit ihre Einnahmen kannibalisieren und potenziell noch mehr Schulden aufnehmen.
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