Vertrauen ist die Basis des Kundengespräches über Geldanlage. / Quelle: Fotolia

06.06.13 Finanzdienstleister

Verbraucher misstrauen Anbietern von Finanzprodukten

Die deutschen Verbraucher haben wenig Vertrauen in Finanzprodukte und deren Anbieter. Zwei Drittel von ihnen vermuten, dass es im Finanzbereich Produkte und Anbieter gibt, die Verbraucher täuschen und schädigen können. Das zeigt eine repräsentative Studie, die das Meinungsforschungsinstitut infas im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) durchgeführt hat. „Das Vertrauensdefizit ist groß. Staat und Wirtschaft müssen gegensteuern. Sie müssen Verbraucherinteressen ernst nehmen und für mehr Klarheit im Markt sorgen“, sagt dazu Gerd Billen, Vorstand des vzbv.

Die Studie hat auch ermittelt, was den Verbrauchern bei Anlageentscheidungen wichtig ist. Demnach vertrauen Verbraucher vor allem auf den Ruf eines Finanzinstituts. Für 56 Prozent ist der erste Eindruck ein entscheidendes Kriterium und damit wichtiger als ethische Aspekte (48 Prozent) oder geprüfte Siegel (47 Prozent). Lediglich jeder Dritte setzt sich intensiv mit der Entscheidung bei Finanzen auseinander – gegenüber 50 Prozent bei Lebensmitteln und sogar 65 Prozent bei Gebrauchsgütern.

Wie die Studie ferner zeigt, ist die Mehrzahl der Verbraucher bereit, auf Auswahl zu verzichten. 66 Prozent der Befragten gaben an, dass sie lieber weniger Anlageprodukte miteinander vergleichen. Dabei wollen sie sich an Empfehlungen und Warnungen von unabhängigen Institutionen orientieren. 92 Prozent der Befragten wünschen sich zudem mehr Marktkontrollen durch unabhängige Institutionen.

„Gerade bei Finanzen sind Verbraucher auf die Empfehlungen eines fachkundigen Beraters angewiesen. Sie können nicht jedes Angebot intensiv prüfen und müssen sich darauf verlassen können, dass die Marktaufsicht funktioniert“, sagt Billen. Er fordert eine unabhängige Institution, die den Markt aus Verbrauchersicht beobachtet und rechtzeitig auf Fehlentwicklungen aufmerksam macht: einen Finanzmarktwächter. Dieser könne Verbraucherbeschwerden systematisch analysieren und seine Erkenntnisse Politik und Wirtschaft zur Verfügung stellen, um Missstände frühzeitig zu beheben. „Nur wenn wir die Beschwerden der Verbraucher auswerten und Märkte konsequent auch aus Verbrauchersicht beobachten, bekommen wir ein Frühwarnsystem, das Verbraucher schützt, bevor Schaden entsteht“, so Billen.
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