Der weltweite Ausbau der Photovoltaik soll neue Rekordmarken erreichen. Experten warnen, dass Europa und speziell Deutschland dabei den Anschluss verlieren. / Foto: Q-cells

  Erneuerbare Energie

Verliert Europa den Anschluss am Photovoltaik-Weltmarkt?

Der Solarmarkt boomt. Allerdings spielt die Musik längst nicht mehr in Europa sondern in Asien und Amerika. Und anhaltende Streitigkeiten zwischen China und den USA beziehungsweise China und der EU machen es den westlichen Marktakteuren zunehmend schwer.

Der Photovoltaikweltmarkt erlebt auch in der zweiten Jahreshälfte 2014 ein rasantes Wachstum. Marktforscher gehen in aktuellen Studien davon aus, dass allein im vierten Quartal des laufenden Jahres weltweit neue Sonnenstromkraftwerke mit 15.000 Megawatt Leistungskapazität die Stromproduktion beginnen werden. Das entspricht  rein rechnerisch der Kapazität von zehn mittelgroßen Atomkraftwerken. Kommt es so, wie die Forscher der Marktforschungsagentur IHS aus Englewood in Colorado vorhersagen, wäre das ein neuer Rekord. Die bisherige Bestmarkte erreichte das vierte Quartal 2013 mit 12.700 MW neu installierten Solaranlagen. Treiber des vorhergesagten Booms sollen IHS zufolge große Freiflächenanlagen sein, die der Prognose zufolge allein 9.000 MW zu dem Marktwachstum beitragen sollen. Die schlechte Nachricht: Die meisten dieser neuen Solaranlagen werden den Forschen zufolge in China, Japan und den USA in Betrieb gehen. Und zwar exakt in dieser Reihenfolge. Aus der Sicht europäischer Marktakteure ist das vor allem deshalb keine sonderlich gute Vorhersage, weil speziell China und auch Japan für westliche Unternehmen noch immer vergleichsweise schwer zugängliche Märkte sind.
Grade China soll IHS zufolge die unangefochtene Nummer 1 in Sachen Ausbau der Photovoltaikleistung bleiben. Zwar gab es jüngst Zweifel daran, ob die chinesische Regierung ihre ambitionierten Photovoltaikausbauziele für 2014 (offiziell bislang 8.000 MW) erreichen kann, weil es China noch nicht über die Geschäftsmodelle und Finanzierungsstrukturen verfüge um die Industrie so schnell voranzubringen. Die IHS-Analysten gehen jedoch davon aus, dass Chinas Regierung Maßnahmen ergreift, um dieses Defizit schnell zu kompensieren. Insgesamt hält IHS an der Prognose fest, dass weltweit im Gesamtjahr 2014 neue Solaranlagen mit insgesamt 46.000 MW neu installiert werden. Zum Vergleich: in Deutschland sind Stand Ende Mai 2014 Solaranlagen mit rund 36.000 MW in Betrieb.

Auch der deutsche Bundesverband der Solarwirtschaft geht davon aus, dass die weltweite Nachfrage nach Solartechnik 2014 voraussichtlich 20 Prozent über der des Vorjahres liegt. Zum einen werde Photovoltaik immer billiger und zum anderen werde Solarstrom damit immer konkurrenzfähiger. Doch in Europa und speziell in Deutschland sei der Markt eher rückläufig, so der Branchenverband. Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar warnt: „In diesen Tagen wird sich entscheiden, ob Deutschland ein wichtiger Solarmarkt bleibt oder den Anschluss verliert und die selbst gesteckten Ausbauziele verfehlt.“ Das sagt Körnig mit Blick auf die aktuelle Debatte um die Reform des Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG). In Europa und speziell in Deutschland seien die Rahmenbedingungen für Photovoltaik immer weiter erschwert worden. So habe sich der Ausbau der Solarenerigie in Deutschland extrem verlangsamt. Allein in 2013 sei die Photvoltaiknachfrage in Deutschland um 60 Prozent niedriger ausgefallen als noch 2012 und im Frühjahr 2014 sei sie nochmals um 45 Prozent gesunken, so Körnig.

Eskaliert Europas Handelsstreit mit China?

Zunehmend als problematisch wird von der Branche auch der anhaltende Handelsstreit zwischen China und der EU sowie China und den USA gesehen. Sowohl die USA als auch die EU haben Einfuhrbeschränkungen auf Solartechnik aus China eingeführt. Während die USA seit 2012 Importzölle erheben, hat die EU Mindestpreise eingeführt. Die Regelungen, die Preisdumping von Seiten asiatischer Hersteller entgegenwirken sollen, rufen auf beiden Seiten großen Unmut hervor. Jüngst wurden wiederholt Vorwürfe laut, die betroffenen chinesischen Hersteller würden die Regelungen der EU systematisch umgehen.  Der Interessenverband EU Pro Sun, der sich für Sanktionen gegen chinesische Hersteller stark macht, hat jüngst eine neue Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. Das berichtet Spiegel online. EU Pro Sun sammelte demnach Hinweise für 1.500 Verstöße gegen die aktuellen EU-Bestimmungen.

Das Unbehagen von Seiten chinesischer Hersteller richtet sich derzeit vor allem gegen die Importzölle der USA. Sowohl Yingli Green Energy als auch Trina Solar, die beiden derzeit größten Solarkonzerne der Welt, üben Kritik an den jüngst neuerlich festgesetzen Zöllen. Im Fall des aktuellen Weltmarktführers Yingli liegt der Strafzoll aktuell bei rund 27 Prozent. 
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