09.08.11 Anleihen / AIF

Vermittler und Initiatoren erwarten nach Markteinbruch neuen Wachstumsschub für geschlossene Neue Energiefonds


Das ist das Ergebnis des aktuellen Erhebung des Berliner Finanzanalyse-Instituts Scope zum ersten Halbjahr 2011. Die basiert auf Angaben von Emittenten und Vermittlern geschlossener Beteiligungsangebote. Demnach sehen die Initiatoren die bisherige Marktlage kritischer als die Vermittler. Zusammengenommen 47 Prozent der befragten Initiatoren beurteilen die Marktsituation als „unbefriedigend“ oder „schlecht“ Unter den Vermittlern kommen lediglich 37,1 Prozent zu denselben Urteilen.



Insgesamt bewertet die Mehrheit beider Gruppen die Marktlage der vergangenen sechs Monate positiv. Während ein Drittel der befragten Emittenten Zufriedenheit äußert, erklärt mehr als jeder zweite Vermittler, die Marktlage der ersten Jahreshälfte sei befriedigend gewesen. Insgesamt kommen 53 Prozent aller Initiatoren zu einem positiven Urteil über die Marktlage. Unter den Vermittlern sind es sogar 62,7 Prozent.


Deutlich positiver sehen sowohl Initiatoren als auch Vermittler den Verlauf der eigenen Geschäfte in die erste Jahreshälfte. Auch hier zeigen sich die Initiatoren unzufriedener als die Vermittler. Während mehr als jeder zweite Vermittler die eigenen Geschäfte von Januar bis Juni als „gut“ einstuft tun dies nur 40 Prozent der Emissionshäuser.


Insgesamt sehen 62,2 Prozent der Vermittler ihre eigene Geschäftslage als „gut“ oder „sehr gut“ an, während dies unter den Emittenten lediglich 54 Prozent tun. Unzufrieden mit der eigenen Geschäftslage waren 4,5 Prozent der Vermittler, sie kommen zum Urteil „unbefriedigend“ oder „schlecht“. Auf Seiten der Initiatoren stuft keiner der Befragten die Geschäftslage als schlecht ein; jedoch benoten sie sechs Prozent mit unbefriedigend.




Über alle Anlageklassen hinweg sollten geschlossene Fonds im ersten Halbjahr 2011 laut ihrer Fondsprospekte 2,95 Milliarden Euro bei Anlegern einsammeln. Verglichen mit der ersten Jahreshälfte 2010 stieg dieses prospektierte Eigenkapital um 3,8 Prozent an. Der Bereich Neue Energiefonds erlebte im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2010 allerdings einen Einbruch um 39,4 Prozent auf 234,1 Millionen Euro. Das sei vor allem eine Folge der europaweiten Kürzungen der Einspeisetarife für Solarstrom, so Scope.

Für die zweite Jahreshälfte gehen sowohl Vermittler als auch Initiatoren davon aus, dass sich die Marktlage für geschlosserne Neue Energiefonds deutlich aufhellt. Vor allem die Vertriebe sind der Analyse zufolge wieder optimistischer. Nicht zuletzt wegen der durch die Katastrophen in Japan ausgelösten energiepolitischen Debatten gehen 61 der Initiatoren und 72,5 Prozent der Vermittler davon aus, dass die Nachfrage nach Sachwertinvestments in Erneuerbare Energien ansteigen wird. In Sachen Nachfrageentwicklung setzten die Vermittler Neue Energiefonds für das zweite Halbjahr sogar auf Platz eins noch vor Immobilienfonds. Denn es herrsche nun wieder Klarheit über die Vergütung für Strom aus alternativer Energie in Kernmärkten wie Spanien, Frankreich und Deutschland.

Vermittler bemängeln Qualität von Erneuerbare-Energie-Beteiligungen

Allerdings sind derzeit aus Sicht der Vermittler zu wenige qualitativ hochwertige geschlossene Neue Energiefonds auf dem Markt, um die bestehende Nachfrage adäquat zu bedienen. Immerhin wollen 38 Prozent aller befragten Emissionshäuser im zweiten Halbjahr in diesem Bereich aktiv werden oder ihr Angebot erweitern. Insgesamt haben Emissionshäuser gegenüber den Analysten von Scope bis zum Ende des laufenden Jahres 23 neue Beteiligungsangebote im Bereich der geschlossenen Neue Energiefonds angekündigt.

Die Mehrheit der Befragten geht laut Scope nicht davon aus, dass die Schuldenkrise die Nachfrage nach Sachwertinvestments in Form von geschlossenen Fonds nicht zusätzlich beflügeln werde. Die befragten Emissionshäuser würden davon ausgehen, dass geschlossene Fonds in 2011 mit 5,3 Milliarden Euro 500 Millionen Euro weniger bei Anlegern einwerben werden Die Vermittler würden damit rechnen, zwischen vier und sieben Milliarden Euro Eigenkapital platzieren zu können.

Wie Scope weiter feststellte, spielen nach Aussagen der Befragten offenbar weder die anstehenden gesetzlichen Veränderungen für den Fondsvertrieb noch die Schuldenkrise in Europa und den USA eine große Rolle für die weitere Marktentwicklung in 2011. Obwohl noch offen sei, wie der Vertrieb geschlossener Fonds in Zukunft rechtlich ausgestaltet sein werde, scheine es so als habe sich die Branche mit den anstehenden Regulierungsschritt arrangiert.
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