18.03.13 Nachhaltige Aktien , Meldungen , Anleihen / AIF , Fonds / ETF

„Vermögen als Festgeld bei einer Bank liegen zu lassen, schafft keinen Mehrwert“ – Andrew Murphy, Murphy&Spitz Green Capital AG




ECOreporter.de: Mit der Übernahme der SysTrade Capital AG startet Murphy&Spitz eine eigene Vermögensverwaltung. SysTrade saß bisher in Augsburg und Murphy&Spitz in Bonn. Von wo aus geht das neue Unternehmen mit wie vielen neuen Mitarbeitern an den Start?

Andrew Murphy: Der Hauptsitz der Vermögensverwaltung wird Augsburg bleiben. Murphy&Spitz verbleibt in Bonn. Mit der Beibehaltung beider Standorte können wir unsere persönliche Beratung in Deutschland gut abdecken. Insgesamt betreuen wir unsere Kunden mit sieben festen Mitarbeitern. Weiterhin arbeiten wir mit einigen freiberuflichen Analysten und Vertriebspartnern zusammen. Wir suchen aber weitere Mitarbeiter für unser Research-Team und die Vermögensverwaltung.

ECOreporter.de: Ihre neue Unternehmenssparte kann sowohl das Vermögen von Privatanlegern als auch institutionellen Investoren wie Pensionskassen oder Stiftungen verwalten. Wollen Sie sich auf eine dieser Zielgruppen konzentrieren?


Murphy: Wir sehen ein Angebotsdefizit für Anleger, und zwar sowohl für private als auch institutionelle, die nah an der Wertschöpfung anlegen möchten. Geld einfach als Festgeld bei einer Bank liegen zu lassen, schafft einfach keinen Mehrwert. Es ist quasi „totes Kapital“. Murphy&Spitz ist Spezialist für Wertpapiere, die SysTrade Capital war auf defensive Anlageformen ausgerichtet. Zusammen können wir für unsere Mandanten konstruktiv in der Breite investieren. Unser Ziel ist es, mit der nachhaltigen Vermögensverwaltung  sowohl privaten als auch institutionellen Investoren ein zu Hause zu geben. Murphy&Spitz bringt einen großen Stamm privater und einige institutionelle Anleger mit. Die SysTrade Capital hat sich in den letzten Jahren auf institutionelle Investoren konzentriert. Wir freuen uns, unseren Privatanlegerinnen und -anlegern nun auch Vermögensverwaltungsmandate anbieten zu können. Die letzten Monate haben jedoch besonders gezeigt, dass das Interesse institutioneller Investoren an ethischen und ökologischen Geldanlagen enorm gewachsen ist. So gehen wir davon aus, auch die institutionellen Mandate weiter ausbauen zu können.

ECOreporter.de: Welche Nachhaltigkeitsansätze wird die Vermögensverwaltung in Ihren Anlagestrategien verfolgen?

Murphy: Murphy&Spitz steht für einen stringenten Nachhaltigkeitsansatz. Alle unsere Investments erfolgen ausschließlich in per se nachhaltigen Branchen und Themen. Im Rahmen der Vermögensverwaltungsmandate werden wir gemeinsam mit unseren Kunden definieren, welche Nachhaltigkeitskriterien in dem jeweiligen Mandat angesetzt werden und wie sie gewichtet werden sollen. Wir erweitern also unseren Ansatz und können zukünftig auch Anlagen in „neutrale Branchen“ anbieten. Konkret heißt das, dass die Positivkriterien, wie wir sie etwa für die Murphy&Spitz-Aktienfonds definiert haben, bei den Portfolios der Vermögensverwaltung nicht zwingend zum Einsatz kommen. Wenn wir beispielsweise das bestehende Portfolio eines Mandanten der Vermögensverwaltung anschauen, kommentieren wir die einzelnen Anlageentscheidungen, machen dem Mandanten aber keine Vorschriften.
Fest stehen jedoch die Ausschlusskriterien. Dazu zählen beispielsweise Investitionen in lebensfeindliche Technologien oder Produkte wie sie Rüstungs- und Atomindustrieunternehmen herstellen oder anwenden. Tabu sind auch monopolbildende und Abhängigkeit verursachende Produkte und Geschäftsverträge, wie sie von Produzenten gentechnisch-veränderten Saatguts hergestellt beziehungsweise abgeschlossen werden, Unternehmen mit Geschäftspraktiken, die die Umwelt in vermeidbaren Ausmaßen belasten und die natürliche Diversifizierung gefährden. Außerdem vom Investment ausgeschlossen sind Unternehmen, die Mitarbeiter, Zulieferer oder Konkurrenten diskriminieren und geltende Rechte missachten, die intransparente und unlautere Geschäftspraktiken anwenden oder über unzuverlässige und unaufrichtige Entscheidungsträger verfügen.

ECOreporter.de: Wird die Vermögensverwaltung auf Ihr hauseigenes Nachhaltigkeitsanalystenteam setzen, oder ziehen Sie externe Partner hinzu?

Murphy: Das Research für die Vermögensverwaltung leistet unser hauseigenes Research-Team Murphy&Spitz GreenResearch. Unser Team ist seit 1999 auf Sustainability Investment spezialisiert. Es beobachtet kontinuierlich rund 200 Unternehmen und erstellt regelmäßig Branchenstudien. Neben der langen Erfahrung ist natürlich der kurze Dienstweg ein enormer Vorteil.

ECOreporter.de: Murphy&Spitz hat selbst einen nachhaltigen Aktienfonds. Inwiefern ist es denkbar, dass die Vermögensverwaltung das Anlegerkapital in hauseigene Produkte investiert?


Murphy: Murphy&Spitz ist Initiator des Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland, der in Small- und Midcaps nachhaltiger Branchen mit Unternehmenstätigkeit im deutschen Sprachraum investiert. Die SysTrade Capital betreut ihn von der Vermögen verwaltenden Seite her, außerdem verwaltet sie den ethischen Rentenfonds BlueValue EthicFund. Allerdings laufen die Betreuung der Fonds und die Vermögensverwaltung unserer Mandanten unabhängig voneinander. Es ist durchaus möglich, dass Anlegerkapital im Rahmen von Verwaltungsmandaten in diese Fonds investiert wird. Allerdings ist dies eine Entscheidung, die in Abstimmung mit den jeweiligen Mandanten getroffen werden muss. Wir werden die Gewichtung der einzelnen Fonds klar reglementieren. Grundsätzlich wird die Shortlist von Murphy&Spitz GreenResearch für Nachhaltigkeitsfonds als Grundlage für die Investitionen verwendet.

ECOreporter.de: Die Finanzkrise und die Branchenkrisen in den wichtigen Umwelttechnologie-Branchen haben Anleger verunsichert. Welche nachhaltigen Geldanlagethemen halten Sie aktuell und in nächster Zukunft für aussichtsreich?


Murphy: Oberster Grundsatz ist die Streuung der Anlagen. Es gilt zu diversifizieren, da die politische Situation für die Erneuerbaren Energien definitiv ein Risiko darstellt. Ein klarer Trend ist da zurzeit schwer auszumachen. Zu sehr wirken die „Einschläge“ bei der Photovoltaik nach. Entspannung erwartet Murphy&Spitz bei Windkraftanlagenbauern, die auf Onshore - also die Windkraft zu Lande - fokussiert sind. Ein langfristiger Trend des nachhaltigen Investments ist sicherlich die Gesundheitsbranche sowie der Bereich der nachhaltigen Verkehrssysteme.

ECOreporter.de: Das Erneuerbare Energien-Gesetz soll erneut reformiert werden. Inwiefern ist und bleibt Deutschland angesichts der Pläne der zuständigen Minister ein guter Standort, um als Anleger in Erneuerbare Energien zu investieren?


Murphy:
Wir treten aktuell in eine zweite Phase der Energiewende ein. Die bisher aufgebauten Kapazitäten bilden den Grundstock. Nun brauchen wir flexible und anpassungsfähige Konzepte. Es kann in dieser zweiten Phase jedoch nicht sein, dass ein „fossiler Schutz“ für Dinosaurier der Energienutzung mit lukrativen Aufsichtsratsposten aufrecht erhalten bleibt, und diese sich nicht der Konkurrenz stellen müssen. Einer der Grundfehler der bisherigen Rahmenbedingungen der Energiewende, der nun in der zweiten Phase ausgeglichen werden muss, ist die Orientierung der Grünstromumlage an dem Merit-Order-Effekt (mehr darüber erfahren Sie Opens external link in new windowhier - die Red.). Hier brauchen wir dringend eine gerechtere Regelung, die alle Seiten an der Finanzierung beteiligt und nicht nur den Privatkunden. Wir sollten bei all der Diskussion nicht aus den Augen verlieren, dass wir ein großes Ziel haben: Eine geopolitisch sichere, eine wirtschaftlich verlässliche und eine zukunftsfähige Energieversorgung für unsere Gesellschaft. Und diese ist nur mit 100 Prozent Erneuerbare Energien zu gewährleisten.

ECOreporter.de: Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Murphy.

Murphy&Spitz Green Energy AG: ISIN DE000A0KPM66 / WKN A0KPM6
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