Kohleinvestments bergen neben Klimarisiken auch ganz konkrete Gefahren für die Rendite eines Portfolios. Dieser Faktor führt immer mehr Großinvestoren zum Ausstieg aus Unternehmen aus der Kohlebranche. / Quelle: Fotolia

27.06.16 Erneuerbare Energie , Finanzdienstleister

Viele Großinvestoren flüchten aus Kohleinvestments

Raus aus Kohleinvestments! Nach diesem Prinzip verfahren immer mehr Großinvestoren. Dazu zählen Versicherungskonzerne wie Allianz und Axa aus gutem Grund, wie Stefan Rößler erläutert, Analyst bei der Erste Asset Management. Aktuell hat das Abgeordnetenhaus des Bundeslandes Berlin ein solches Divestment beschlossen, also den Abzug von Investitionen aus Unternehmen, die im Bereich der fossilen Energien wie Kohle und Öl tätig sind.

„Wir beobachten Divestments vor allem innerhalb der Versicherungsbranche“, stellt Stefan Rößler fest. Dafür gebe es einen einfachen Grund. „Kohle trägt in großem Maße zur Erderwärmung bei - die aus Sicht von Versicherungen besonders existenzgefährdend ist. Die Auswirkungen einer Erderwärmung von vier Grad brächten unkalkulierbare Umweltrisiken mit sich, die schlichtweg nicht mehr versicherbar wären“, erläutert der Analyst von Erste Asset Management aus Wien, die etliche Nachhaltigkeitsfonds auf den Markt gebracht hat.

„Investments in Kohlekonzerne ein hohes Risiko“

Wie Rößler weiter ausführt, sind Kohleinvestments auch aus anderen Gründen für viele Investoren unattraktiv geworden. „Investments in diese Branche tragen beim aktuellen Preisniveau der Kohle ein hohes Risiko“, so der Analyst. Erst vor wenigen Wochen habe mit Peabody der größte private Kohlenminenbetreiber Insolvenz anmelden müssen. Rößler ergänzt: „Besorgniserregend ist auch ein Blick nach China: Hier arbeitet aktuell jede dritte gelistete Kohlenmine mit negativen Grenzerträgen. Es ist also kein Wunder, dass immer mehr große, langfristig orientierte Investoren Kohle aus ihrem Investmentuniversum ausschließen.“

Die weltweite Divestment-Kampagne ist noch jung. Sie hat 2011 ihren Anlauf an US-Universitäten genommen, vor allem seit 2015 schließen sich ihr aber immer mehr Großinvestoren an (lesen Sie dazu auch unsere  Interview (Link entfernt)  über das Divestment der Bank im Bistum Essen). Auch das deutsche Bundesland Berlin soll nun seine Geldanlagen aus Unternehmen abziehen, deren „Geschäftsmodell dem Ziel der Klimaneutralität widerspricht“. Das entschied das Abgeordnetenhaus des Landes Berlin einstimmig mit den Stimmen von SPD, CDU, Grünen, Linken und Piraten. Er forderte den Senat auf, den Abzug der Finanzanlagen innerhalb von fünf Jahren zu vollziehen. Zudem solle in Zukunft durch neue Anlagerichtlinien Investitionen in klimaschädliche Unternehmen verhindert werden. Berlin solle so zur „Divestment-Hauptstadt“ werden.
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