06.11.09 Anleihen / AIF

„Viele Klimaschutzinvestoren müssen ihre Beteiligungen auf dem Zweitmarkt verkaufen“ – ECOreporter.de-Interview mit Dr. Götz von Laffert, IGB Klimaschutz Portfolio

Der geschlossene Fonds IGB Klimaschutz Portfolio sammelte bis Ende 2008 insgesamt 11,5 Millionen Euro bei Anlegern ein. Das Geschäft des Fonds beruht auf dem Handel mit Emissionsrechten und soll dem Klimaschutz dienen. Doch die Preise für Emissionsrechte haben sich drastisch verbilligt. Müssen die Anleger des Fonds um ihre Renditen fürchten? ECOreporter.de sprach darüber mit dem IGB-Geschäftsführer Dr. Götz von Laffert.


ECOreporter.de: Dr. von Laffert, Anfang Juni 2008 haben wir Ihren geschlossenen Fonds IGB Klimaschutz Portfolio in unserem ECOanlagecheck getestet. Ein klares Lob sprang nicht dabei heraus. Aber immerhin: Wir kamen zum Ergebnis, der Fonds wäre für Anleger, die sich mit dem Bereich Emissionsrechtehandel befassen wollen, durchaus einen Blick wert. Haben wir falsch gelegen?
Dr. Götz von Laffert: Ihr Urteil hätte durchaus noch positiver ausfallen dürfen!


ECOreporter.de: Im Nachhinein gesehen: vielleicht noch vorsichtiger? Denn Ihr Fonds finanziert Klimaschutz-Projekte, die unter das so genannte Kyoto-Protokoll fallen. Diese Projekte erhalten CO2-Emissionsrechte – und die soll der Fonds dann verkaufen. Daraus soll er die Renditen für die Anleger erzielen.
von Laffert: Ja, in der Regel ist vertraglich vorab die Abnahme der von einem Klimaschutz-Projekt über die Jahre erzielten CO2-Minderungen vereinbart. Dafür erhalten die Projekte von der UN zertifizierte CO2-Gutschriften, die auf den internationalen Emissionsrechtemärkten gewinnbringend veräußert werden können.


ECOreporter.de: So war zumindest der Plan. Und immerhin, am Anfang der Finanzkrise blieben die Preise für Emissionszertifikate stabil. Im Sommer 2008 lagen die Höchstkurse bei 30 Euro pro Tonne CO2. Aber dann stürzten die Kurse auf unter neun Euro pro Tonne. Warum?

von Laffert: Zum einen, weil der Ölpreis von über 140 Dollar auf unter 40 Dollar stürzte. Dadurch sank der Gaspreis, und viele Emittenten verfeuerten Gas statt Kohle. Gas setzt weniger Emissionen frei, und so mussten sie weniger Rechte für Emissionen kaufen als wenn sie weiter Kohle verfeuert hätten. Außerdem sanken in der Krise überhaupt die Emissionen, weil weniger produziert wurde. Und letztlich verkauften im Frühjahr 2009 viele Unternehmen und Investoren ihre Emissionsrechte, um aus Geldnöten herauszukommen.


ECOreporter.de Und jetzt erhalten die Anleger Ihres Fonds wegen des Preisverfalls bei den Emissionsrechten nur noch einen Bruchteil der versprochenen Erlöse?
von Laffert: Falsch. Trotz der kurzen Haltedauer erzielten schon die bisher getätigten Investitionen eine Wertsteigerung (nach Investitionsnebenkosten) von 7,3 Prozent bis Ende August 2009. Anfang September erhielt die IGB Klimaschutz Portfolio eine Barausschüttung in exakt dieser Höhe. Damit ist die im Verkaufsprospekt für 2009 vorgesehene Ausschüttung der IGB Klimaschutz Portfolio GmbH & Co. KG von vier Prozent auf die Kommanditeinlagen bereits zu 98 Prozent vereinnahmt. Weitere Ausschüttungen auf Fondsebene hat der Investment Manager bereits für die zweite Jahreshälfte angekündigt.


ECOreporter.de: Wie kann es sein, dass die Preise verfallen, der Fonds aber genau das Ergebnis erzielt, das angepeilt war?
von Laffert: Ursprünglich sollte der Fonds über seine Portfoliogesellschaft (IGB Klimaschutz Portfolio SA, Luxemburg) sukzessive in neue Klimaschutzprojekte aus der Entwicklungspipeline des Investment Managers (Natsource Asset Management LLC, New York) investieren. Aufgrund der Finanzkrise ergaben sich für die IGB Klimaschutz Portfolio SA jedoch noch weitaus attraktivere Investitionsmöglichkeiten, nämlich die Übernahme von bestehenden Projektbeteiligungen aus dem CO2-Investitionsprogramm von Natsource Asset Management. Durch die Finanzkrise waren bzw. sind viele Klimaschutzinvestoren gezwungen, ihre Beteiligungen auf dem Zweitmarkt zu verkaufen, und zwar mit Abschlägen auf deren kalkulatorischen Wert. Für den Fonds hat das Vorteile: Die Projekte sind genehmigt und in Betrieb, und man kann sehen, wie viel CO2-Emissionsrechte dabei herauskommen. Zum anderen ist ein Zweitmarktprojekt in Krisenzeiten ein günstiger Kauf, weil sich der aktuelle Wert direkt an den aktuellen Marktpreisen für Emissionsrechte bemisst. Die Projektwerte werden durch externe Gutachter nach fixen Bewertungsregeln festgestellt.


ECOreporter.de: Dann hoffen die Anleger nun wahrscheinlich, dass Sie möglichst viel investiert haben?
von Laffert: Bis Mitte 2009 waren es fast zwei Drittel des verfügbaren Investitionsvolumens für die Zweitmarktkäufe. Damit lagen wir etwa 100 Prozent vor dem Investitionsplan.


ECOreporter.de: Wie wird es weitergehen?
von Laffert: Wir werden weiter investieren – eventuell schon in Kürze und zu ähnlich guten Konditionen.


ECOreporter.de: Wird der Fonds dabei denn auch die angestrebten Gewinne erzielen – Sie hatten satte 14 Prozent pro Jahr versprochen.
von Laffert: Bei dauerhaft unverändertem Preisniveau wäre auf der bisherigen Basis eine laufende Rendite von zirka acht Prozent jährlich erzielbar. Aber die Preise für Emissionsrechte könnten auch wieder auf 20 bis 25 Euro pro Tonne CO2 im europäischen Emissionsrechtehandel steigen. Solch eine „Normalisierung“ der Preise würde bereits ausreichen, um dem Fonds eine gegenüber der Prospektierung sogar erhöhte Renditechance zu bescheren. Die Weltklima-Konferenz im Dezember in Kopenhagen und Barack Obamas Pläne werden hier eine große Bedeutung haben.

ECOreporter.de: Dr. von Laffert, wir danken Ihnen für das Gespräch!
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