26.08.09 Finanzdienstleister

„Viele wollten schon lange die Bank wechseln. Jetzt kommen sie im Laufschritt.“

Die Finanzkrise wirkt auf die Bankenlandschaft. Immer mehr Kunden wählen konfessionell statt konventionell und ökologisch statt rein ökonomisch, wenn es um ihre neue Hausbank geht. Kirchenbanken und andere nachhaltig orientierte Institute wachsen gegen den Trend.

31 Milliarden Euro: So groß ist die Bilanzsumme der Sparkasse Köln-Bonn; 25 Mal so hoch wie die der nachhaltigen GLS Bank aus Bochum. In einigen Jahren könnte die GLS die Köln-Bonner dennoch eingeholt haben. Denn die Bank aus Bochum wächst, 2008 um stolze 27 Prozent auf 1,25 Milliarden Euro. Die Bilanzsumme der Sparkasse sank im gleichen Jahr um 2,5 Prozent. Ginge es in diesen Raten weiter, lägen die beiden Institute 2020 gleichauf....

Natürlich ist es unwahrscheinlich, dass die Sparkasse kontinuierlich Geschäft verliert und die GLS dauerhaft so stark wächst wie derzeit.

Deshalb genießt man im Ruhrgebiet die Gegenwart. Allein in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres begrüßte die GLS Bank 6.000 neue Kunden, fast so viele wie im gesamten Jahr 2008. Die GLS als Krisengewinnler? Pressesprecher Christof Lützel: „Viele Kunden konventioneller Institute wollten schon lange ihre Bank wechseln. Jetzt, seit Ausbruch der Krise, tun sie es.“

Um den Zustrom zu meistern, haben die Nachhaltigkeitsbanker aufgestockt: Mit Übernahme der IntegraBank wurde 2008 eine neue Filialen in München und eine weitere in Berlin eröffnet. Die GLS Bank stellte 2008 32 neue Mitarbeiter ein, in diesem Jahr sollen 24 neue Arbeitsplätze hinzu kommen.
Vor allem das Einlagengeschäft ist gewachsen, trotz gesunkener Zinsen. Liegt da nicht die Gefahr nahe, als Bank das Geld riskanter anzulegen bzw. leichtfertiger Kredite auszugeben? „Wir sind auch deshalb 35 Jahre alt geworden, weil wir die Kreditanträge gründlich prüfen, bevor wir Geld verleihen“, hält Christof Lützel gegen. Die Ausfallquote liege bei niedrigen 0,38 Prozent des Kreditvolumens. Insgesamt hat die GLS 2008 über 613 Millionen Euro an Krediten neu ausgegeben. „Ob Bio-Lebensmittel, Privatschulprojekte oder Anlagen zur Nutzung Erneuerbarer Energien – wir profitieren davon, dass wir fast nur Wachstumsbranchen finanzieren“, erklärt der Pressesprecher.
Die GLS legt offen, in welche Bereiche Kredite fließen. Den größten Anteil haben derzeit Freie Schulen und Kindergärten, gefolgt von regenerativen Energien, Wohnprojekten und Behinderteneinrichtungen.

Bei der Ethikbank, einer Tochtergesellschaft der Volksbank im thüringischen Eisenberg, war das Kreditgeschäft im vergangenen Jahr einer der Wachstumstreiber. „Zusätzliche Impulse erwarten wir von unserem Öko-Baukredit. Dieses Produkt haben wir im Frühjahr neu ins Programm genommen, die ersten Darlehensanträge liegen jetzt auf dem Tisch“, berichtet Vorstand Sylke Schröder.

Im Einlagengeschäft hält die positive Entwicklung des vergangenen Jahres an, allerdings auf gemäßigtem Niveau. „2008 haben wir über 1.000 neue Konten eröffnet, das war ein Plus von fast 16 Prozent“, erklärt die Bankmanagerin. Auch dieses Jahr rechnet sie mit einer zweistelligen Zuwachsrate. „Die Finanzkrise spielt beim Wechsel der Bankverbindung eine Rolle, aber vielen Kunden ist es einfach nur wichtig, die Idee der ethischen Geldanlage zu unterstützen“, glaubt Sylke Schröder.
Weitere Neukunden erhofft sich die Ethikbank von der Kooperation mit der Pax-Bank aus Köln. „Wir empfehlen unseren Kunden die Pax-Bank, die eine Vermögensverwaltung wünschen oder in Mikrofinanz-Anleihen investieren möchten. Die Pax-Bank empfiehlt die Ethikbank dafür Privatkunden, die nicht christlich orientiert sind“, erläutert Schröder.

Aus Sicht der Pax-Bank in Köln gehört diese Kooperation allerdings nicht zur Expansionsstrategie des kirchlichen Kreditinstituts. Im Gegenteil: „Wir sehen in der Ethikbank vor allem eine gute Alternative für Privatkunden, die die Vorteile einer Direktbank nutzen wollen. Wir selbst möchten das Privatkundengeschäft in der Breite nicht weiter ausbauen, sondern uns wieder stärker auf das Geschäft mit den institutionellen Kunden fokussieren“, erklärt Dr. Christoph Berndorff, Vorstand der Pax-Bank.

In Jerusalem hat die Pax-Bank im Juni ein neues Büro eröffnet. Dort seien zwar viele Ordensgemeinschaften ansässig, die vor allem aus dem Ausland finanziell unterstützt werden, so Berndorff, aber Kirchenbanken waren bisher nicht in Jerusalem vertreten.

Basis für die weitere Expansion ist eine seit Jahren gesunde wirtschaftliche Entwicklung. Dabei hat die Pax-Bank 2008 die Finanzkrise positiv wie negativ deutlich zu spüren bekommen. „Unsere Bilanzsumme ist um 19 Prozent gewachsen, die Zins- und Provisionserträge lagen operativ um 6 Prozent bzw. um 7,2 Prozent über dem Vorjahr“, berichtet der Bankvorstand. Trotzdem fiel der Jahresüberschuss nur noch knapp halb so hoch aus wie noch 2007. „Zum einen mussten wir Abschreibungen auf unseren Wertpapierbestand vornehmen. Zum anderen wurde das Ergebnis belastet, weil wir ein Lehman-Zertifikat herausgeben ließen. Als die Garantie gebende Bank ausfiel, haben wir unseren Kunden gegenüber innerhalb einer Woche eine Beistandserklärung abgegeben. Für die Ausfallbürgschaft haben wir Rückstellungen von 7,2 Millionen Euro gebildet.“

Unangenehmer dürfte der Fauxpas gewesen sein, den der „Spiegel“ Anfang August aufdeckte: Demnach hat der gemeinsam mit der Liga-Bank aufgelegte nachhaltige Investmentfonds Liga-Pax-Aktien-Union 160.000 Aktien des U-Boot- und Düsenjäger-Bauers BAE-Systems ins Depot genommen. Außerdem hatte ein weiterer Fonds der beiden katholischen Geldhäuser in Anteile eines Tabakkonzerns investiert. Beides starke Widersprüche zu den Anlagegrundsätzen der christlichen Bank. Nach Bekanntwerden des Fehltritts kündigte der Pax-Bank-Vorstand an, die betreffenden Aktien umgehend zu verkaufen.

Das Zinsergebnis der Bank dürfte zulegen: Das Kundenkreditgeschäft ist 2008 um ca. 12,5 Prozent auf rund 657 Millionen Euro gewachsen.

Bei der Bank für Kirche und Caritas (BKC), Paderborn, sind die Kundenkredite 2008 gar um 15,5 Prozent auf 518 Millionen Euro gestiegen. Das Plus von 5,6 Prozent bei der Bilanzsumme lag im Durchschnitt aller deutschen Volks- und Raiffeisenbanken. Das hat mit dem Geschäftsmodell der Kirchenbank zu tun: „Wir öffnen uns nicht für weitere Kundengruppen“, betont Dr. Richard Böger. Weiterhin werden also nur sozial und kirchliche Institutionen sowie deren Mitarbeiter bedient.

Dass mit dieser Selbstbeschränkung weiteres Wachstum nicht einfach wird, räumt der Bankvorstand ein. „Die Einnahmen aus der Kirchensteuer gehen 2009 aufgrund der Wirtschaftskrise zurück. Die Refinanzierungsmöglichkeiten beim Bau und Betrieb von Pflegeheimen haben sich außerdem verschlechtert“, fasst Böger die aktuellen Rahmenbedingungen zusammen. Und dennoch: „Wir rechnen mit einem moderaten Wachstum in den kommenden Jahren.“ Verdrängungswettbewerb lautet der Schlüssel dazu. „Viele potenzielle Kunden sind noch bei nichtkirchlichen Kreditinstituten“, so der Paderborner.

Eine andere Strategie verfolgt die Dortmunder KD Bank für Kirche und Diakonie. Hier kann Kunde werden, wer „die christlichen Werte der KD-Bank teilt“, heißt es auf der Homepage. Die Offenheit zieht. Schon 2008 wuchs die Bilanzsumme um knapp 9 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. „Aufgrund der vielen Neukunden gehen wir davon aus, dass wir bis zum Jahresende sowohl Kredite wie auch Einlagen gegenüber 2008 nochmals steigern können“, prognostiziert Vorstands-Chef Ekkehard Thiesler.

Dabei profitieren die Dortmunder auch davon, dass viele Kunden den konventionellen Banken nicht mehr über den Weg trauen. „Wir machen die Erfahrung, dass das allgemeine Misstrauen gegenüber Banken uns nicht entgegengebracht wird“, meint Thiesler.

Text: Martin Volmer

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Bild: Dr. Christoph Berndorff / Quelle: Pax-Bank
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