11.10.11 Erneuerbare Energie , Anleihen / AIF

„Vor allem in Baden-Württemberg und Bayern gibt es noch großes Windenergie-Ausbaupotenzial“ – Interview mit der Geschäftsführung der Stahl & Schöller GmbH



Stahl & Schöller ist Aussteller und Sponsor der Messe Grünes Geld Freiburg 2011. Auf der für Besucher kostenlosen Veranstaltung im Historischen Kaufhaus am Münsterplatz am kommenden Samstag, 15. September, präsentieren mehr als 30 Aussteller sich und ihre nachhaltigen Anlageprodukte. Umrahmt wird diese Ausstellung von einem umfangreichen Vortragsprogramm. Die Messe-Reihe Grünes Geld bietet Einsteigern wie Profis einen Überblick über aktuelle Trends und Angebote auf dem nachhaltigen Finanzmarkt im deutschsprachigen Europaraum. (Mehr dazu erfahren Sie Opens external link in new windowhier).

ECOreporter.de: Was ist das Kerngeschäft der Stahl & Schöller GmbH und inwiefern können sich Anleger beteiligen?

Gunther Stahl: Stahl und Schöller bietet den Anlegern die Möglichkeit der Direktinvestition in die Windenergie. Mit nachhaltigen und ökologisch sinnvollen Einnahmen, auf Grundlage des EEG, bieten wir Direktbeteiligungen an der Energiewende an. Investoren können sich über die Stahl und Schöller GmbH ab circa 70.000 Euro Eigenkapital – bei Verzinsung von bis zu circa sieben Prozent jährlich. – an Windkraftprojekten berteiligen. Hierbei werden zwei Drittel der Investitionssumme fremdfinanziert und ein Drittel durch das Eigenkapital des Investors abgedeckt. Ab etwa 200.000 Euro Eigenkapital sind Beteiligungen an rein mit Eigenkapital ausgestatteten Windenergieanlagen-Kommanditgesellschaft möglich.

Marcel Schöller:
Beginnend bei Windenergieanlagen mit einer Nennleistung von 800 Kilowatt (kW), die mit einem Eigenkapitalanteil von rund 400.000 Euro, die für Einzelinvestoren geeignet sind, bis hin zu Anlagen mit 2,3 Megawatt (MW) und mehr deckt Stahl und Schöller eine große Bandbreite ab. Aufgrund ihrer Investitionshöhe eignen sich letztere auch für einen Zusammenschluss mehrerer Investoren oder für den Verkauf in Form von Kommanditanteilen einer GmbH & Co. KG.

Willi Schöller: Darüber hinaus bietet Stahl und Schöller komplette Windparks mit mehreren Windenergieanlagen für größere Investoren an. Bis Ende 2011 werden 25 weitere Stahl und Schöller Onshore-Windenergieanlagen im gesamten Bundesgebiet in Betrieb gegangen sein.

ECOreporter.de: Die Turbulenzen am Kapitalmarkt haben bei Anlegern für große Verunsicherung gesorgt. Inwiefern wirkt sich dieses angespanntere Investmentklima auf ihr Geschäftsmodell aus? Sind Anleger zurückhaltender als zuvor?


M. Schöller: Nein, definitiv nicht. Ganz im Gegenteil. Gerade durch die heftigen Schwankungen an den Finanzmärkten suchen die Anleger den sicheren Weg im Bereich der Sachanlagen. Ähnlich wie im Immobilienbereich ist die Windenergieanlage resistent gegen Kursschwankungen. Das EEG garantiert den Windmüllern eine feste Einspeisevergütung, Somit können sie ihren Strom auf Basis des EEG an das Energieversorgungsunternehmen vor Ort oder am freien Markt zu verkaufen. Ein Wechsel zwischen beiden Alternativen ist im vierwöchentlichen Rhythmus möglich.

Stahl: Wir befinden uns derzeit mit der Vergütung nach EEG schon so nahe am Marktpreis, dass durch den Verkauf des produzierten Stroms am freien Markt direkt an Stromhändler eine höhere Vergütung erzielt werden kann. Dies wirkt sich inflationsausgleichend aus. Berücksichtigt man dazu noch die zukünftige Entwicklung des Strompreises, erscheinen Investitionen in den Sachwert Windenergieanlage noch attraktiver.


ECOreporter.de: Inwiefern haben sich die Turbulenzen an den Finanzmärkten auf die Realisierung von Windkraftprojekten in Deutschland ausgewirkt – Sind die Banken zurückhaltender als zuvor?

Stahl: Die Banken sichern sich selbstverständlich nach wie vor ab. Jedes Projekt wird von den Banken noch einmal auf Herz und Nieren überprüft. Bei einer Non-Recourse-Finanzierung (das meint eine Projektfinanzierung, bei der ausschließlich auf das Objekt und den Mittelflüssen aus den Ertragseinnahmen abgestellt wird. Anm. d. Red.) erhalten die Investoren durchschnittlich für jeden investierten Euro in die Windenergie weitere zwei Euro von der Bank. Dies bestätigt die Qualität der Projekte und das Vertrauen der Banken in unsere Arbeit. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 2010 rund 80 Prozent aller neu gebauten Windenergieanlagen in Deutschland durch ihr Kapital unterstützt und plant die Investitionssumme zukünftig weiter auszubauen.

W. Schöller: Auch der allgemeine Trend der Banken lässt erkennen, dass in diesem Sektor auf die Nachhaltigkeit und Stabilität der Erneuerbaren Energien gesetzt wird.

ECOreporter.de: Welches sind die drei größten Herausforderungen, mit denen Sie es bei der Umsetzung Ihrer Windkraftprojekte aktuell zu tun bekommen und wie begegnen Sie diesen?

M. Schöller:
Eine der größten Herausforderung besteht nicht darin, geeignete Windenergiestandorte zu finden, sondern für diese eine Baugenehmigung zu erhalten. Durch die stetig steigende Nachfrage, vor allem aus dem institutionellen Sektor, sind die genehmigungsfähigen Windenergieanlagenstandorte bundesweit hart umkämpft. Stahl und Schöller sichert sich früh rentable Standorte und setzt auf eine nachhaltige Kostenstruktur der Projekte.

Stahl: Die Politik, insbesondere die zwölf Regionalverbände in Baden-Württemberg, wehren sich teilweise noch immer gegen den zügigen Ausbau der Windenergie. Unabhängige Umfragen haben gezeigt, dass die Bürger den Erneuerbaren Energien sehr positiv gegenüber stehen, allerdings nicht vor der eigenen Haustür. Diese Denkweise muss sich grundlegend ändern. Des Weiteren weisen die Regionalpläne Windvorranggebiete aus, die nicht rentabel sind. Standorte mit einem hohen Windvorkommen werden in den Regionalplänen ausgeschlossen. Stahl und Schöller wirkt in Ausschüssen und Verbänden mit, um Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit bei Politikern und in der Bevölkerung zu leisten.

ECOreporter.de: Das Erneuerbare Energie Gesetz (EEG) regelt die Vergütung für Windenergie ab 2012 neu. Was sind die aus Ihrer Sicht wichtigsten Änderungen und wie Bewerten Sie Neuregelung?

W. Schöller: Da sich die Vergütung der Windenergie bereits heute sehr nahe am Marktpreis befindet, sehen wir der Novelle des EEG relativ gelassen entgegen. Nichts desto trotz wird es Neuregelungen geben, die eine grundlegende Tendenz zur Förderung der Windenergie vermissen lassen. Eine dieser grundlegenden Regelungen wird die jährliche Degression (= Im EEG festgelegte Kürzung der Einspeisevergütiung Anmerkung d. Red.) für neu gebaute Windenergieanlagen sein. Sollte diese ab dem Jahr 2013 final auf 1,5 Prozent erhöht werden und zusätzlich der SDL-Bonus (Dieser Bonus wird Bauherren und Projektierern gewährt, deren Anlagen ein Zertifikat haben, das bestätigt, dass die Anlagen mit modernen Stromnetzen kompatibel sind. Der SDL-Bonus soll die bessere Netzintegration von Windstrom forcieren. Windanlagenbetreiber erhalten 0,5 Cent / kWh SDL Bonus Anm. d. Red.) ab dem 01.01.2015 entfallen, so wird sich die Vergütung der Windenergie gemäß EEG in Meilenschritten dem Marktpreis für Strom nähern oder in Zukunft sogar darunter liegen. Offshore Windenenergie hingegen wird durch die Novelle auch zukünftig höher vergütet.

ECOreporter.de: Einige Windradhersteller sind in die Kritik geraten, weil sie bei der Produktion ihrer Turbinen auf sogenannte seltene Erden zurückgreifen. Inwiefern ist diese Kritik ein Thema bei ihren Kundengesprächen und inwiefern setzt Stahl & Schöller auf Windradhersteller die seltene Erden verwenden?

M. Schöller: Dieses Thema und auch die energetische Amortisation der Windenergieanlage häufig Bestandteil von Kundengesprächen. Wir haben uns von Windenergieanlagenherstellern, die sich in unserem Portfolio befinden, bestätigen lassen, dass die Windenergieanlagen ohne den Einsatz seltener Erden konstruiert und gebaut werden. Nur so ist gewährleistet, dass sich eine Windenergieanlage innerhalb weniger Monate energetisch amortisiert und somit die umweltfreundlichste Art der Energieerzeugung bleibt.

ECOreporter.de: Der Konkurrenzdruck aus Asien auf die etablierten westlichen Turbinenhersteller wächst. Inwiefern sind Windkraftanlagen chinesischer Konzerne wie Sinovel und Goldwind eine Alternative zu den Produkten von Vestas, Nordex, Enercon und Co?

W. Schöller:
Bisher spüren wir keinen direkten Konkurrenzdruck aus Asien. Stahl und Schöller fokussiert sich vorrangig auf das deutsche Festland und setzt dabei auf sein etabliertes Netzwerk.Hohe Qualität der Produkte und nachhaltige Unternehmenskonzepte sind für Stahl und Schöller von höchster Bedeutung. Auch deshalb setzen wir ach wie vor auf unsere langjährigen Beziehungen zu unseren europäischen Partnern. Sollten in Zukunft Projekte mit asiatischen Herstellern in den Fokus rücken, so wäre eine detailliertere Auseinandersetzung mit den asiatischen Produkten erforderlich. Dennoch sind wir gespannt mit welchen Konzepten die asiatischen Hersteller den Markt bereichern werden.

ECOreporter.de: Wo in Deutschland hat die Onshore-Windenergie noch Ausbaupotenziale und wo stößt die Windenergie bereits heute an Ihre Grenzen?

Stahl: Windenergie hat ihre Potenziale an Land noch lange nicht ausgeschöpft. Vor allem die industriell sehr stark aufgestellten Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern bieten noch ein sehr großes Potenzial für die Errichtung neuer Anlagen. Selbst in unserer Region, der Schwäbischen Alb, wurden mit dem neuen Windatlas weitere potenzielle Standorte aufgezeigt, die interessante Perspektiven, nicht nur für die Investoren, sondern auch für die Gemeinden bieten.

W. Schöller: Onshore-Projekte sind selbst in weiter Zukunft nicht wegzudenken. Sie stellen das Fundament der zukünftigen Stromproduktion dar und sind auch weiterhin von größter Bedeutung für den Ausbau der Energieversorgung durch Erneuerbare Energien und die Erreichung der Klimaziele.

M. Schöller: Wir sind davon überzeugt, dass die Energie dort produziert werden soll wo sie verwendet wird – in der Nähe der Städte und Kommunen. Dies würde den kostspieligen Ausbau der Netze, um den im Norden produzierten Strom teuer in den Süden zu transportieren, teilweise erübrigen.

ECOreporter.de: Was wollen Sie auf der Messe Grünes Geld Freiburg präsentieren und mit welcher Erwartung kommen Sie zu der Veranstaltung?


M. Schöller: Stahl und Schöller wird den Messebesuchern einen Einblick in die aktuellen Beteiligungen, die Rahmenbedingungen und Vorteile einer Direktinvestition in die Windenergie am Standort Deutschland geben.

W.Schöller: Mit dem Auftritt bei der Messe Grünes Geld 2011 in Freiburg möchte Stahl und Schöller die Besucher darauf aufmerksam machen wie einfach es ist, „mit der Natur Werte zu schaffen“ und damit einen ermutigen, einen Beitrag zu einer sauberen und zukunftsfähigen Umwelt zu leisten. Die Energiewende ist nicht nur beschlossen, sondern jeder kann sich aktiv daran beteiligen.
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