16.08.10 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Vor dem Kurssprung? - Analyst empfiehlt fünf deutsche Solaraktien



Mit einem Kurs von 9,7 Euro notiert die Aktie des Bonner Solarkonzerns SolarWorld AG heute Mittag in Frankfurt 40 Prozent unter dem Vorjahreskurs. Der britische Analyst Ben Lynch von Bryan, Garnier & Co. rechnet mit einem deutlichen Kursanstieg. Als Kursziel für die nächsten zwölf Monate nennt er 16 Euro. Zur Erklärung verweist Lynch weniger auf die vor wenigen Tagen vorgelegten Quartalszahlen des Unternehmens (wir Opens external link in new windowberichteten) als vielmehr auf dessen Erfolge in den USA. Laut dem Analysten wirtschaftet die Produktion von SolarWorld in den Vereinigten Staaten nach langer Anlaufzeit endlich profitabel. Fortan könne sie einen wesentlichen Beitrag zum Gewinn beisteuern. Der Solarkonzern gehe für dieses Jahr in den USA von einem Absatz jenseits der 100 Megawatt aus. Das würde einem Marktanteil von zehn Prozent entsprechen.

Der Solarmarkt der USA weist starke Wachstumsraten auf und hat sein Potential noch längst nicht ausgeschöpft. 2009 kletterte der Umsatz der US-Solarbranche um 38 Prozent auf vier Milliarden Dollar, wie die Solar Energy Industries Association (SEIA) in ihrem letzten Jahresbericht mitteilte. Demnach verfügte der US-Solarmarkt Ende 2009 über eine installierte Gesamtkapazität von 2,1 Gigawatt (GW). Der Zuwachs betrug im vergangenen Jahr 481 Megawatt (MW) und fiel damit um 37 Prozent höher aus als im Vorjahr. Damit rangieren die USA bei der 2009 neu installierten Photovoltaikkapazität weltweit auf Rang 4. Vorne liegt die Bundesrepublik mit drei GW bzw. 3.000 MW, gefolgt von Italien mit 700 MW und Japan mit 484 MW. Laut der SEIA will die US-Solarbranche aber bis 2015 eine jährlich installierte Solarstrom-Leistung von zehn GW erreichen. Bereits 2013 soll die Solarenergie den größten Anteil unter den neuen Technologien zur Stromerzeugung in den Vereinigten Staaten haben. 2015 werde Solarstrom in allen 50 Staaten die preiswerteste Elektrizität sein, so der Verband.

Die Solarworld AG verfügt in den USA am Standort Hillsboro im US-Bundesstaat Oregon über eine integrierte Produktionsstätte für Solarwafer, -zellen und  -module. Eine weitere Fertigung existiert am Standort Tamarillo in Kalifornien. Insgesamt will SolarWorld in 2011 mehr als 3000 Mitarbeiter beschäftigen und davon ein Drittel in den USA.  Über die US-Strategie des Unternehmens berichtete ECOreporter.de im Juni 2009 ausführlich. Per Opens external link in new windowMausklick gelangen Sie zu dem Beitrag.

Erstmals seit über einem Jahr hat die Bitterfelder Q-Cells SE wieder ein positives Quartalsergebnis veröffentlicht (wir Opens external link in new windowberichteten). Lynch sieht darin einen Beleg dafür, dass die Restrukturierung greift. Er geht davon aus, dass der Solarkonzern sich weiter erholen wird. Dafür habe die Vertragsverlängerung des bisherigen Übergangsvorstandschefs Nedim Cen eine wichtige Bedeutung und sei daher ein positives Signal. Der Experte von Bryan, Garnier & Co. prognostiziert, dass Q-Cells die erhöhe Jahresprognose für den Umsatz im Umfang von 1,1 bis 1,3 Milliarden Euro erreichen wird. Für 2011 rechnet er mit einem weiteren Zuwachs um 19 Prozent. Ebenfalls zuversichtlich beurteilt e die Gewinnaussichten des Solarkonzerns. Cen hat für das Gesamtjahr keine Ergebnisprognose gewagt. Lynch erwartet für 2010 ein positives Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) von 73 Millionen Euro und für 2011 einen Zuwachs auf 91 Millionen Euro. 2009 hatte Q-Cells noch einen EBIT-Verlust von 485 Millionen Euro erlitten. Der Analyst empfiehlt die Aktie des Solarkonzerns mit Sicht auf zwölf Monate mit Kursziel 18 Euro zum Kauf. Aktuell wird sie in Frankfurt mit 5,65 Euro gehandelt und damit 57 Prozent unter dem Vorjahreskurs.

Positiv beurteilt Lynch auch den Anteilsschein von SMA Solar Technology. Das hessische Unternehmen ist der weltweit führende Anbieter von Wechselrichtern für Solaranlagen und hat in der vergangenen Woche Rekordzahlen für das erste Halbjahr 2010 vorgelegt (wir Opens external link in new windowberichteten). Laut Lynch lagen der auf 816 Millionen Euro verdreifachte Umsatz und der EBIT-Sprung um das Sechseinhalbfache auf 220 Millionen Euro im Rahmen der hochgesteckten Erwartungen. Dabei hätten Engpässe bei einzelnen Komponenten die Produktion sogar noch gebremst. Nach einem Gespräch mit der Unternehmensführung geht der Analyst davon aus, dass diese Probleme im zweiten Halbjahr behoben werden und SMA weiter wachsen kann. Für 2010 erwartet er einen Umsatzanstieg im Vergleich zum Vorjahr um über 37 Prozent auf 938 Millionen Euro, bei einer Verbesserung des EBIT von 167 Millionen auf 228 Millionen Euro. 2011 werde beim Umsatz mit über 1,7 Milliarden Euro eine weitere Schallmauer gesprengt und ein EBIT von 463 Millionen Euro erreicht, meint er. Für 2012 prognostiziert er allerdings eine weitaus schwächere Dynamik. Der Umsatz könne dann wohl nur noch auf rund 1,9 Milliarden Euro wachsen und das EBIT werde auf 461 Millionen Euro leicht absinken. Dennoch empfiehlt Lynch die Aktie mit Kursziel 120 Euro zum Kauf. Heute Mittag kostet sie 85,4 Euro und damit 50,5 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Angesichts der guten Aussichten für den weltweiten Solarmarkt empfiehlt der Experte zudem Aktien von Solarausrüstern. Der bayrische Solarausrüster centrotherm photovoltaics AG in Blaubeuren hat in der vergangenen Woche starke Zahlen für das zweite Quartal veröffentlicht und dabei die Prognose für das gesamte Jahr 2010 erhöht (wir Opens external link in new windowberichteten). Nun will das Solarunternehmen 580 bis 600 Millionen Euro umsetzen. Lynch erwartet sogar einen Umsatzsprung auf 609 Millionen Euro, nach 509 Millionen Euro in 2009. Zur Begründung verweist er insbesondere auf die Entwicklung des Auftragseinganges. Vom ersten zum zweiten Quartal sei dieser um 260 Prozent auf 274 Millionen Euro gestiegen. Erstmals seit dem ersten Quartal 2009 habe centrotherm damit wieder einen Zuwachs von einem Vierteljahreszeitraum zum nächsten erreicht. Der Analyst zeigt sich enttäuscht, dass der Solarausrüster weiter keine EBIT-Prognose ausgegeben hat. Er selbst rechnet für 2010 mit einem Gewinnsprung von 37 Millionen Euro in 2009 auf nun 79 Millionen Euro. Für das kommende Jahr sagt er ein weiteres Wachstum auf 733 Millionen Euro Umsatz und ein EBIT von 86 Millionen Euro voraus. Er nennt als Kursziel für die Aktie 36 Euro und empfiehlt sie zum Kauf. In Frankfurt notiert sie derzeit bei 34,4 Euro. Gegenüber dem Vorjahreswert bedeutet dies ein Plus von rund fünf Prozent.

Nach Einschätzung von Lynch wird sich die Aktie des Solarausrüsters Roth & Rau AG in den kommenden zwölf Monaten weniger gut entwickeln als die der centrotherm. Dennoch nennt er auch deren Anteilsschein als Kaufempfehlung. Hier beziffert er das Kursziel mit 36 Euro. Der Anteilsschein wird in Frankfurt heute mit 24,6 Euro gehandelt und damit ebenfalls rund fünf Prozent über dem Vorjahreswert. Der Analyst geht davon aus, dass die Aktie von den nun vorgelegten positiven Geschäftszahlen profitieren und von einer anhaltenden Nachfrage von Solarherstellern wird. Roth & Rau hatte in der vergangenen Woche neben den Zahlen auch einen Auftragsrekord gemeldet und den Orderbestand mit 351,1 Millionen Euro beziffert. Für 2010 prognostiziert der Experte von Bryan, Garnier & Co. einen Umsatzsprung um 50 Prozent auf 295 Millionen Euro, für 2011 auf 362 Millionen Euro. Das EBIT werde nach 16 Millionen Euro in 2009 in diesem Jahr auf 27 Millionen Euro springen und 2010 auf 28 Millionen Euro klettern. Kritisch sieht Lynch allerdings den Produktmix des Unternehmens aus Hohenstein-Ernstthal. Er berge Risiken, die die Aktie im Vergleich zu anderen Solarausrüstern bremsen.

centrotherm photovoltaics AG: ISIN DE000A0JMMN2 / WKN A0JMMN
Q-Cells SE: WKN 555866 / ISIN DE0005558662
Roth & Rau AG: ISIN DE000A0JCZ51 / WKN A0JCZ5
SMA Solar Technology AG: ISIN DE000A0DJ6J9 / WKN A0DJ6J
SolarWorld AG: ISIN DE0005108401 / WKN 510840

Bildhinweis: Solarbaum von SMA Solar Technology. / Quelle: Unternehmen
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