19.09.08 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Vorstandsgehälter deutscher Umweltaktiengesellschaften: zahmer Zaster

Josef Ackerman, Vorstandschef der Deutschen Bank, kassierte 2007 gut neun Millionen Euro, mit Aktienoptionen sollen es 13 gewesen sein. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking soll insgesamt auf 60 Millionen Euro gekommen sein – mehr als der Gesamtumsatz mancher börsennotierter Erneuerbare-Energie-Gesellschaft. Wie hoch sind die Bezüge der Vorstände deutscher Umwelt-Aktiengesellschaften? ECOreporter.de hat das in einer Kurzstudie ermittelt.


No-Name-Gehälter
Erstes Ergebnis dabei: Nur gut ein Drittel der Unternehmen veröffentlicht, welcher Vorstand wie viel verdient. Der große Rest gibt nur die Gesamtsumme der Bezüge aller Vorstände an. Der Corporate Governance Kodex fordert im Sinn einer guten Unternehmensführung eine Offenlegung des Vergütungssystems der Vorstände, inklusive detaillierter Bezüge der einzelnen Vorstände. Die meisten Umwelt-Aktiengesellschaften berufen sich also auf Ausnahmen, die der Kodex erlaubt. Einige Unternehmen zeigen die Bezüge des Vorstands gar nicht vor – vor allem, wenn es nur einen Vorstand gibt.

Über das höchste Gehalt der Umwelt-Aktiengesellschafts-Vorstände konnten sich 2007 die Vorstände des Bahntechnik-Herstellers Vossloh AG aus dem sauerländischen Werdohl freuen. Die beiden Vorstände verbuchten knapp 5,4 Millionen Euro im Jahr auf ihrem Konto, jeder also im Durchschnitt 2,7 Millionen in 2007. Damit spielen sie locker in der Liga der Vorstände der DAX-30-Unternehmen mit. Hier verdient ein Vorstandsvorsitzender entsprechend der Daten, die das Manager Magazin veröffentlichte, durchschnittlich gute vier Millionen Euro.

Allerdings: Die Vossloh AG ist überhaupt kein typisches Umwelt-Unternehmen. Nur weil er in etlichen Nachhaltigkeitsfonds enthalten ist, hat ECOreporter.de den Hersteller von Schienenbefestigungs-Systemen, Weichen und anderem Eisenbahnzubehör mit in die Untersuchung einbezogen. Auch die am zweitbesten bezahlten Vorstände schaffen bei einem für Umwelt-Aktien eher untypischen Unternehmen – es ist der Lübecker Medizin- und Sicherheitstechnik-Hersteller Dräger AG. Hier entfallen auf jeden der immerhin fünf Vorstände durchschnittlich 1,75 Millionen Euro im Jahr. Den dritten Platz nimmt die Fassadensystemherstellerin Sto AG aus Stühlingen ein. Ihre drei Vorstände kommen im Schnitt auf 1,01 Millionen Euro im Jahr. Im Schnitt verdiente ein Vorstand eines deutschen börsennotierten Unternehmens aus den Bereichen Nachhaltigkeit und Erneuerbare Energien 2007 knapp 340.000 Euro.

Viel Wind – viel Geld
In dem Bereich Erneuerbare Energien stehen die Windkraftunternehmen bei der Vergütung ihrer Vorstände an der Spitze. Auch mit dem Vorstandsgehalt des Unternehmens, das hier das Schlusslicht bildet, lässt sich noch leben: 213.000 Euro sind es im Jahr. Bei den Solarunternehmen verdient der Vorstandsvorsitzende von Singulus Technologies wohl am besten – Stefan A. Baustert bezog 2007 1,27 Millionen Euro. Da viele Solar-Unternehmen keine Einzelgehälter ausweisen, könnte allerdings noch der eine oder andere Vorstand über dem Gehalt von Baustert gelegen haben. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Vorstände bei Solar World und Conergy. Der Vorstand eines deutschen börsennotierten Solarunternehmens, der am wenigstens Vergütung bezog, kam auf 72.000 Euro – ein Bruchteil des Durchschnitts der Solarunternehmens-Vorstandsbezüge.

Bioenergie-Vorstände: Am Ende der Lohnskala
In der Bioenergiebranche verdienen die Vorstände weniger, wobei einige Unternehmen erst 2007 an die Börse gingen und noch keine Jahresgehälter auswiesen. Zum Vergleich: Der Verdienst von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern liegt in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bei knapp 37.000 Euro jährlich. Die Umwelt-Aktiengesellschaften sind Mittelständler, ihre Umsätze steigen, aber sie sind von denen der Konzerne wie Siemens, BASF oder VW meilenweit entfernt. Vergleicht man jedoch das Verhältnis von Vorstandsbezügen zum Gesamtumsatz, dann liegen einige der Umwelt-Aktiengesellschaften hier höher als die Konzerne. So gibt es Bio-Energie-Vorstände, deren Bezüge 2007 mehr als ein tausendstel so hoch waren wie der Umsatz, während die Unternehmen gleichzeitig Verlust abwarfen.


Wenig Frauenpower
In Sachen Chancengleichheit bieten die DAX-30-Unternehmen ein finsteres Bild: Nicht eine einzige Frau sitzt in den Vorständen. Bei den Umwelt-Aktiengesellschaften gibt es mehr als drei Prozent Frauen im Vorstand.
Genaue Zahlen jedes einzelnen Unternehmens liefert die ECOreporter.de-Kurzstudie:
“Vorstandsgehälter deutscher börsennotierter Umwelt- und Erneuerbare-Energie-Aktiengesellschaften”
Aus dem Inhalt:
•    Vorstandsbezüge aller deutschen börsennotierten Umwelt- und Erneuerbare-Energie-Unternehmen im abgelaufenen Jahr
•    Relation zum Umsatz
•    Relation zum Aktienkurs
•    Durchschnittsbezüge der Vorstände, so weit recherchierbar: Individualbezüge
•    Ordnung nach Teil-Branchen, insbesondere:
•    Wind-Branche
•    Solar-Branche
•    Bio-Energie-Branche
•    Sonstige Umwelt-Aktiengesellschaften
•    Höchstes Vorstandsgehalt
•    Niedrigstes Vorstandsgehalt
•    Durchschnittsgehalt
•    Gesamtdurchschnitt aller Vorstandsgehälter
•    Welches Unternehmen gibt Durchschnittsbezüge an, welches individuelle Vorstandsbezüge?
•    Anzahl Frauen im Vorstand

„Vorstandsgehälter deutscher börsennotierter Umwelt- und Erneuerbare-Energie-Aktiengesellschaften“
Kurzstudie
ECOreporter.de-Verlag, Dortmund 2008
59,00 Euro
ISBN 978-3-9811660-4-0


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Vossloh-Lokomotive; Frank H. Asbeck, Vorstandsvorsitzender der SolarWorld AG. / Quelle jeweils: Unternehmen
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