25.07.11 Aktientipps , Erneuerbare Energie

Wachstum der Photovoltaik in Europa gerät ins Stocken - Experten sehen Verschiebung von Marktgewichten voraus

In diesem Jahr wird der europäische Solarmarkt stark einbrechen. Er wird im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent schrumpfen. Deutschland wird seine führende Rolle in den kommenden Jahren verlieren. Das geht aus einem aktuellen Report des US-amerikanischen Marktforschungsunternehmens Solarbuzz hervor. Sie stellen fest, dass die häufigen Kürzungen der Solartarife in europäischen Märkten Photovoltaik-Investoren verunsichern. Hinzu kämen hohe Lagerbestände der Solarhersteller. Diese Faktoren hätten im ersten Halbjahr 2011 dazu geführt, dass die Preise für kristalline Siliziummodule ab Werk mit 0,75 bis 1 Euro je Watt ein Rekordtief erreichten. Nur durch starke Preisnachlässe konnten die Hersteller die lahmende Nachfrage beleben.

Dies wiederum führte dazu, dass viele Solarunternehmen weniger Umsatz und Gewinn erzielen konnten als angenommen. Etliche haben bereits ihre Jahresprognosen nach unten korrigiert. So zuletzt die Centrosolar AG aus München, die im ersten Halbjahr beim Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) einen hohen Fehlbetrag verbuchte (wir Opens external link in new windowberichteten). Ihr traut allerdings Maxim Tilev, Analyst der BHF Bank zu, durch ein starkes zweites Halbjahr im Gesamtjahr 2011 einen operativen Gewinn zu erzielen. Gegenüber ECOreporterTV erläuterte Dr. Thomas Kneip, Vice President Finance and Strategy der Centrosolar Group AG, Anfang Juni in einem Opens external link in new windowVideo-Interview (Link entfernt), mit welcher Strategie das Unternehmen auf die aktuellen Herausforderungen reagieren will.


Eine Belebung der Nachfrage für Solarprodukte infolge der stark gesunkenen Preise erwartet auch Michael Tappeiner, Analyst der UniCredit. Nach seiner Einschätzung führen die Kürzungen der Solarstromtarife in den wichtigen Absatzmärkten Europas aber dazu, dass es weiter Überkapazitäten im Markt geben wird. Der Preis- und somit der Margendruck auf die Solarhersteller werde anhalten. Als Beispiel für die daher weiter nicht profitabel wirtschaftenden Hersteller nennt Tappeiner Renewable Energy Corporation (REC) aus Norwegen. Der Solarkonzern produziert Solarwafer, -zellen und -module und hat vor wenigen Tagen schwache Zahlen für das zweite Quartal veröffentlicht (wir Opens external link in new windowberichteten). Der Analyst rechnet für REC mit weiterem Preisdruck und einem deutlichen Fehlbetrag im Gesamtjahr. Er rät, die Solaraktie zu verkaufen, die sich in Frankfurt auf Jahressicht bereits um 37 Prozent auf 1,5 Euro verbilligt hat.

Nach Einschätzung wird die Nachfrage in Europa vor allem durch die Tarifsenkungen in Deutschland, dem bislang größten Solarmarkt weltweit, und in Tschechien belastet. Gemeinsam mit Italien hätten diese Länder 2010 noch 89 Prozent der europäischen Nachfrage getragen. In Italien sei der Solarmarkt von März bis Mai 2011 angesichts der Debatte über die Neugestaltung der Solartarife zum Stillstand gekommen, werde aber in der zweiten Jahreshälfte kräftig zulegen. Bis 2015 könne Italien sogar Deutschland beim Zubau als den führenden Solarmarkt in Europa ablösen. Doch auch gemeinsam mit ebenfalls aufstrebenden kleineren Märkten werde dies die anhaltende Schwäche des deutschen Marktes nicht auffangen.

Vor allem für große Freiflächenanlagen verdüstern sich die Aussichten in Europa. Solarbuzz stellt einen eindeutigen Trend hin zu kleineren Anlagen fest, die auf Gewerbe- und Privatimmobilien errichtet werden. Die würden in den Tarifsystemen zunehmend bevorzugt. Für 2012 sieht Solarbuzz bei Großanlagen allenfalls noch in Griechenland ein starkes Wachstum voraus. Auf Grund dieser Entwicklung fort von Großanlagen werde sich der Marktanteil von professionellen Investoren am europäischen Photovoltaikmarkt bis 2015 auch deutlich verringern. Zudem würden sich Projekte von großen Energieversorgern verzögern, weil etwa die deutschen Versorger in den kommenden Jahren dafür weniger Mittel als bislang angenommen zur Verfügung hätten.
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