Brigitte Binder arbeitet als Referentin für internationale Projekte bei OroVerde - Die Tropenwaldstiftung. Sie ist seit vielen Jahren im Bereich Nachhaltigkeit und Entwicklungszusammenarbeit tätig. / Quelle: Unternehmen

  Anleihen / AIF

„Waldinvestments sind mit großer Vorsicht zu behandeln.“ - Brigitte Binder, OroVerde

In einer neuen Studie hat die Tropenwaldstiftung OroVerde aus Bonn das Geldanlagesegment Waldinvestments kritisch durchleuchtet. Ergebnis: Viele Anbieter werden ihrem ökologischen Anspruch nicht gerecht (ECOreporter.de  berichtete) Gegenüber ECOreporter.de nimmt Brigitte Binder, Referentin für internationale Projekte bei OroVerde, Stellung zur Studie, spricht über Chancen und Risiken bei Waldinvestments und erklärt, worauf Anleger bei der Auswahl ihrer Investments achten sollten.

Namen von Anbietern oder Produkten, die den Studienautoren als besonders kritikwürdig erscheinen, nennt die Nichtregierungsorganisation OroVerde allerdings nicht – um (juristische) Auseinandersetzungen zu vermeiden.


ECOreporter.de: Wie viele Unternehmen /Angebote haben Sie insgesamt untersucht?


Brigitte Binder:  Insgesamt haben wir für unsere Untersuchung 18 Anbieter auf dem deutschen Markt angeschrieben, damit zusammen 34 verschiedene Anlageprodukte. Durch unsere Fallstudien vor Ort haben wir gemeinsam mit dem Global Nature Fund sechs unterschiedliche Unternehmen und damit auch sechs unterschiedliche Angebote in Australien, Bulgarien, Costa Rica, Panama, Paraguay und Vietnam untersucht. Die Zusammenfassungen der Ergebnisse unserer Fallstudien können auf unserer  Internetseite eingesehen werden.

ECOreporter.de: Holz muss Jahrzehnte lang wachsen. Wie alt müssen die laut Ihrer Untersuchung für Waldinvestments gängigen Baumarten werden, um Erträge zu bringen?

Binder:  Grundsätzlich ist der Holzertrag von Baumart zu Baumart und vor allem von den Standortbedingungen sowie vom Forstmanagement abhängig.
Eine allgemein gültige Aussage lässt sich dazu nicht treffen, denn Vorhersagen für das Wachstum von Bäumen unterliegen vielen Unsicherheiten. In der von uns in Auftrag gegebenen Analyse von Teakinvestments in Mittelamerika werden internationale  Studien  angeführt, die einen durchschnittlichen Produktionszeitraum beispielsweise für Teak von 20 Jahren ansetzen.


ECOreporter.de: Gibt es unter denen von Ihnen untersuchten Angeboten, welche mit entsprechend langen Laufzeiten?

Binder: Die von uns untersuchten Angebote haben geplante Laufzeiten zwischen 7 und 24 Jahren. Das heißt allerdings nicht, dass die Bäume auch wirklich solange wachsen. Teilweise werden Flächen mit bereits bestehenden Pflanzungen gekauft, teilweise werden auch Zwischenernten vorgenommen.

ECOreporter.de: Haben Sie untersucht, ob die Anbieter die von Ihnen durchleuchtete wachsende Biodiversität versprechen?  

Binder: Insbesondere durch das Werbematerial wird suggeriert, dass Waldinvestments viel mit Biodiversität zu tun haben. In fast allen der von uns näher untersuchten Fälle werden die Angebote als „ökologisch nachhaltig“ oder „gut für die Umwelt“ im Zusammenhang mit Abbildungen von artenreichen Wäldern beworben. Drei Anbieter geben zum Beispiel an, durch das Investmentprojekt „ökologisch wertvollen Mischwald“ oder „Naturwald“ zu schaffen.
Bild: Regenwald aus der Luft. / Quelle: Fotolia

ECOreporter.de: Gibt es Anbieter und Angebote, von denen Sie auf Grundlage der Studie abraten würden?

Binder: Grundsätzlich sind die Angebote des grauen Kapitalmarktes mit großer Vorsicht zu behandeln und auch bei Waldinvestments besteht das Risiko eines Totalverlusts.
Interessierte Anleger sollten sich immer umfassend informieren und unabhängig beraten lassen. Wir möchten zu einzelnen Angeboten keine Empfehlungen aussprechen, sondern mit unserer Broschüre möglichst viele Informationen liefern, damit potenzielle Anleger Waldinvestment-Produkte besser einschätzen und entsprechend handeln können. 

ECOreporter.de: Was sind die wichtigsten Aspekte, mit denen Anleger die Nachhaltigkeit der Angebote einschätzen können?

Binder: Wichtig ist, dass alle drei Bereiche der Nachhaltigkeit, also ökologische, soziale und ökonomische Aspekte genau betrachtet werden sollten. Denn auch wenn ein Angebot ökologisch und sozial sinnvoll erscheint, kann es unter ökonomischen Gesichtspunkten alles andere als nachhaltig sein. Hier gilt es genau nachzufragen und sich gegebenenfalls neutral beraten zu lassen. In unserer Broschüre haben wir für Anleger einen Fragenkatalog zusammengestellt, der dafür Orientierung bieten kann.

ECOreporter.de: Herzlichen Dank für das Gespräch, Frau Binder!
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