Bauarbeiten an einem Solarpark von First Solar aus Arizona. Die Aktie des US-Konzerns ist aussichtsreicher als die der chinesischen Solarhersteller. Aber auch hier drohen hohe Kursrisiken. / Foto: Unternehmen

  Aktientipps

Was Anleger bei Solaraktien jetzt beachten müssen

Solarkonzerne aus China wie JA Solar, Yingli Green Energy und Renesola haben zuletzt deutlich verbesserte Ergebnisse gemeldet. Sie alle profitierten von einer starken Nachfrage für Solarmdoule aus ihrem Heimatmarkt. Dennoch sollten Anleger daraus nicht den Schluss zeihen, dass Solaraktien aus China derzeit besonders aussichtsreich sind. Auch bei Aktien anderer Solarkonzerne sollten sie vorsichtig sein.

Für die globale Solarbranche ist China der große Motor. Denn seit mehreren Jahren wächst der dortige Solarmarkt stärker als alle anderen Märkte. Allein im ersten Halbjahr 2016 kamen Anlagen mit rund 13 Gigawatt (GW) neu ans Netz - fast zehn Mal so viel wie im gesamten letzten Jahr in Deutschland. Doch offenbar wird der Solarboom der chinesischen Regierung nun zu heiß. Sie drosselt den Ausbau. Zum einen wird dafür die chinesische Solarstrom-Einspeisevergütung gekappt, zum anderen gibt die Nationale Energieadministration jetzt Limite für die Installation neuer Photovoltaikanlagen vor: Geplant ist demnach eine neu installierte Gesamtleistung von gut 18 Gigawatt für dieses Jahr. Allerdings gibt es zahlreiche Solar-Projekte, die nicht von diesen Vorgaben erfasst sind, darunter beispielsweise ein Programm zur Armutsbekämpfung bei Bauern. Auch für die Selbstversorgung mit Solarenergie soll es keine Grenzen geben. Trotzdem, auf mehr als 20 GW dürfte der gesamte Neubau 2016 in China nicht kommen. Bleiben also für das zweite Halbjahr noch sieben GW - nur gut halb so viel wie im ersten Halbjahr.

Die Folgen dürften drastisch ausfallen. Für das dritte Quartal erwartet das Marktforschungsunternehmen IHS Technology bereits einen Einbruch der chinesischen Nachfrage für Solarmodule um 80 Prozent. Auch im vierten Quartal werde sich die Nachfrage nur wenig erholen, heißt es. Solarkonzerne aus China müssen sich also auf einen starken Preisverfall und auf einen massiven Rückgang der Gewinnmarge einstellen - oder sogar auf kräftige Verluste.

Damit ruhen die Hoffnungen der Solarkonzerne auf den USA. Die Vereinigten Staaten waren zuletzt nach China und Japan der Solarmarkt mit dem weltweit drittstärksten Solarzubau. Der US-Kongress hat die staatliche Förderung von Solarinvestments nun zu unverändert attraktiven Bedingungen bis 2020 verlängert; in Japan verliert der Solarmarkt dagegen an Dynamik, weil die Regierung jedes Jahr die Solarstromtarife für neue Photovoltaikanlagen kürzt. Doch auch in den USA droht für die zweite Jahreshälfte ein Nachfragerückgang. Denn dort werden viele Projekte nach hinten verschoben, weil mit der Verlängerung der Solarförderung der Druck entfällt, geplante Photovoltaikprojekte noch 2016 abzuschließen. Zudem haben nach Angaben von Marktforschern viele US-Projektierer hohe Lagerbestände mit Solarmodulen aufgebaut und müssen diese nun zunächst abtragen. All' das wird voraussichtlich dazu führen, dass die Nachfrage für Solarmodule in den USA im zweiten Halbjahr 2016 gegenüber dem Vorjahr schrumpfen wird.

Und Europa? Hier machen die Solarhersteller schon länger keine guten Geschäfte mehr, weil die Politik die Einspeisevergütungen so stark beschnitten hat. Als aussichtsreicher neuer Absatzmarkt gilt höchstens noch Lateinamerika. Viele Solarkonzerne haben bereits begonnen, in dieser Region Solarparks auszurüsten oder selbst umzusetzen. Aber das Nachfragevolumen ist hier noch viel zu gering, um die Rückgänge in China und den USA ausgleichen zu können.

Droht ein ähnliches Desaster wie 2011?

Von 2011 bis 2013 gab es schon einmal eine vergleichbare Situation: Damals war das Angebot an Solarmodulen weit höher als die Nachfrage. Die Solarhersteller erlitten hohe Verluste, und viele von ihnen gingen Pleite. Die Kurse von Solaraktien brachen auf breiter Front massiv ein. Die Markterholung setzte 2013 ein, weil zum einen etliche Anbieter vom Markt verschwanden und zum anderen in Asien und in den USA die Nachfrage für Solarmodule wieder anstieg.

Die nächste Krise wird nicht nur die Solarhersteller betreffen, sondern auch die Solarzulieferer und die Solarausrüster. Denn die Solarhersteller werden versuchen, den Preisdruck an ihre Zulieferer weiterzugeben. Für Solarausrüster besteht sogar die Gefahr, dass vereinbarte Bestellungen nicht abgerufen oder Kunden zahlungsunfähig werden. Damit erhöhen sich auch die Anlagerisiken bei Aktien von Solarausrüstern.

Kursverluste drohen jetzt natürlich vor allem den Aktionären von chinesischen Solarkonzernen. Langfristig Aussicht auf Wachstum haben allenfalls Anbieter wie Canadian Solar, die ein großes Projektgeschäft aufgebaut haben und den Absatz teilweise in andere Märkte verlagern können. Als Solarprojektierer noch weiter fortgeschritten sind US-Konzerne wie First Solar und SunPower. Sie haben weitere Vorteile in dieser Situation: First Solar aus dem US-Bundesstaat Arizona stellt die billigeren Dünnschicht-Module her, kann also den Preisdruck damit etwas abfangen. Und die kalifornische SunPower bietet besonders leistungsstarke Solarmodule an. Zudem sind beide US-Konzerne finanziell gut aufgestellt, können also eine gewisse Verlustphase aussitzen. Dennoch: Auch solche Solaraktien sind derzeit Risikopapiere für sehr wagemutige Anleger und absolut nichts für die sichere Altersvorsorge!
Aktuell, seriös und kostenlos: Der ECOreporter-Newsletter. Seit 1999.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x