22.06.12 Anleihen / AIF

Was bedeute die Insolvenz der Solarwatt AG für die Anleger des Ökorenta Zukunftsenergien I?

Noch vor drei Jahren sah die Zukunft für deutsche Solarunternehmen überaus rosig aus. Zwar hatte die weltweite Finanzkrise, die nach der Lehman-Pleite im Herbst 2008 ausgebrochen war, zu Projektverschiebungen geführt und damit Löcher in die Bilanzen gerissen. Doch der Sektor zeigte weiter beeindruckende Wachstumsraten und die Nachfrage für Solarstrom würde weltweit weiter stark wachsen, nicht zuletzt im weltweit größten Solarmarkt, in Deutschland. Da waren sich damals nahezu alle Experten einig.

Und so erschien es nur logisch, dass der 2009 gestartete geschlossene Fonds Ökorenta Zukunftsenergien I aus Aurich auch in die Solarbranche investierte. Dieser Fonds hat das Ziel, Wagniskapital in Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbare Energien zu investieren. Etwas mehr als neun Millionen Euro konnte er bei Anlegern dafür einsammeln. Und den Großteil der bislang investierten Mittel, rund 2,5 von über fünf Millionen Euro, steckte der Fonds in Aktien des 1993 gegründeten Solarmodulhersteller SolarWatt AG. Aber der hat jetzt Insolvenz angemeldet. Das hat nicht nur die Anleihegläubiger des Unternehmens aus Dresden aufgeschreckt (wir Opens external link in new windowberichteten), sondern auch die Initiatoren und Anleger des Ökorenta Zukunftsenergien I.

Wie Tjark Goldenstein, Vorstand der Ökorenta AG, gegenüber ECOreporter.de erklärte, ist der Fonds geschlossen worden, und zwar rückwirkend zum 31. Mai 2012. Wer danach Anteile gezeichnet habe, erhalte seine Investition zurück. Vorher sei die Insolvenz der Solarwatt nichts absehbar gewesen. Die Gesellschafter hätten der Schließung nahezu einstimmig zugestimmt. Angesichts der aktuellen Marktentwicklung mache es keinen Sinn, sich weiter um Investoren für den Fonds zu bemühen. Schon als die Bundesregierung im Frühjahr weitere massive Einschnitte bei der Solarstromvergütung ankündigte, war der Vertrieb ausgesetzt worden.

Goldenstein bekräftigte im Gespräch, dass es damals eine richtige Entscheidung gewesen sei, in Solarwatt zu investieren.  Zum einen weil man damals einfach nicht habe absehen können, dass die deutsche Solarbranche so massiv unter Druck geraten wird, wie es infolge der enormen Konkurrenz aus China, des spektakulären Preisverfalls und der gravierenden Kappung von Solarstromtarifen in den europäischen Märkten geschehen ist.

Zum anderen sei Solarwatt noch bis vor kurzem solide aufgestellt und eines der führenden Solarunternehmen in Deutschland gewesen. Nicht ohne Grund sei Stephan Quandt, Mitglied der BMW-Besitzerfamilie, einer der Großaktionäre. Noch bis zum dritten Quartal letzten Jahres habe das Unternehmen aus Dresden schwarze Zahlen geschrieben, erst mit dem dann einsetzenden Markteinbruch sei es in Schieflage geraten. Viele Aufträge seien storniert worden. Vor allem ein langfristiger Zuliefervertrag habe das Unternehmen nun in die Bredouille gebracht. Vor Jahren sei es genau die richtige Entscheidung gewesen, dass sich Solarwatt angesichts der Aussicht auf hohe Nachfrage mit langfristigen Zulieferverträgen abgesichert habe. Weil die Banken angesichts des starken Geschäftsrückgangs die Liquidität gekappt hätten, könne Solarwatt den Zulieferer nun nicht bezahlen, erläuterte Goldenstein. Die beantragte Insolvenz stärke aber nun die Verhandlungsposition der Solarwatt gegenüber dem Vertragspartner. Somit sei es durchaus noch möglich, dass sich das Unternehmen wieder erholen wird. Der Fonds müsse die Beteiligung noch keineswegs abschreiben.

Allerdings bedauerte Goldenstein, dass die Banken in diesem Fall wie auch in anderen kaum Unterstützung bieten. Früher seien Banken für kriselnde Unternehmen ein Partner gewesen, der ihnen geholfen habe, Lösungen für ihre Probleme zu finden. Heute seien die Banken meist die ersten, die sich zurückziehen. Indem sie kriselnden Firmen so Liquidität entzögen, würden sie dazu beitragen, dass insgesamt das Risiko von Insolvenzen zunehme.

Was aber bedeutet die Insolvenz der Solarwatt für die Anleger des Ökorenta Zukunftsenergien I? „Einen Totalverlust kann ich ausschließen“, stellte Goldenstein klar. Zum einen verfüge der Fonds über rund drei Millionen liquide Mittel, habe also ein etwa Drittel des platzierten Kapitals noch gar nicht investiert. Dazu werde es auch jetzt nicht mehr kommen. Zudem sei der Wert von manch anderer Beteiligung des Wagniskapitalfonds deutlich angestiegen, etwa im Fall des Windkraftprojektierers ABO Wind und des Windenergiezulieferer SSP Technologies. Natürlich seien große Erträge des auf acht Jahre Laufzeit ausgerichteten Fonds nun nicht mehr zu erwarten. Aber wenn der Fonds vorzeitig aufgelöst werde, so erfolge dies nur in enger Abstimmung mit den Gesellschaftern. „Wir legen größten Wert darauf, dass das weitere Vorgehen transparent abläuft“, so der Ökorenta-Vorstand. Er führte zudem an, dass er auch ein eigenes Interesse daran habe, das Beste für die Anleger des Ökorenta Zukunftsenergien I. Schließlich sei er selbst stark in den Fonds investiert. Das halte er so mit allen Fonds, die er auf den Markt bringe.

Die Solarwatt will bis Ende Juli einen Sanierungsplan vorlegen, den das Unternehmen nach eigenen Angaben mit Unterstützung des Restrukturierungsexperten Andreas Ziegenhagen von der Wirtschaftskanzlei Salans erarbeitet. Spätestens bis Ende September muss die Gläubigerversammlung über ein Sanierungskonzept abstimmen. Das schreibt das gesetzliche Schutzschirmverfahren vor, der Solarwatt derzeit unterliegt.
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