Diese Immobilie in den Niederlanden ist das Investirionsobjekt eines geschlossenen Fonds, der von Wölbern Invest aufgelegt wurde. "Wölbern 72" hält allerdings ein anderes Bürogebäude

05.03.15 Anleihen / AIF

Was ist los beim nachhaltigen Immobilienfonds Wölbern 72?

Ein weiterer geschlossener GreenBuilding-Fonds, der einst von dem Skandal-Emissionshaus Wölbern Invest gestartet wurde, steht vor dem Aus. Weil eine Bank ein Darlehen zurückfordert, ist der Fonds wohl gezwungen, seine Büroimmobilie in Rotterdam zu verkaufen.  Für die Anleger ist das doppelt bitter: Sie müssen sich auf große Verluste einstellen – auch weil der niederländische Immobilienmarkt durch eine Krise geht.  Das bestätigte das Hamburger Emissionshaus Paribus Capital auf Nachfrage von ECOreporter.de. Dieser Fondsinitiator hatte bei fast allen Privatanleger-Immobilienfonds nach der Insolvenz von Wölbern Invest das Management übernommen.

Der Skandal um das Hamburger Emissionshaus Wölbern Invest betrifft rund 40.000 Anleger, die mehr als 700 Millionen Euro in 38 geschlossene Wölbern-Fonds investiert haben. Der Gründer und ehemalige Chef von Wölbern Invest verantwortet sich derzeit vor Gericht, weil er Fondskapital in dreistelliger Millionenhöhe veruntreut haben soll.  Wölbern Invest legte insgesamt 24 Fonds für Privatanleger zu 30 Immobilien auf. Das ebenfalls in Hamburg ansässige Emissionshaus Paribus Capital hat nach der Insolvenz von Wölbern für 23 geschlossene Immobilienfonds das Management übernommen.  Fünf dieser Beteiligungen investierten in nachhaltige Büroimmobilien. Eine davon in Deutschland und vier in den Niederlanden, wovon  eine insolvent ist.

Bankforderung zwingt Fonds wohl zum Verkauf seiner Immobilie

Der Skandal zieht jetzt wohl den zweiten nachhaltigen Immobilienfonds des Hauses mit in die Tiefe: Der GreenBuilding-Fonds „Holland 52“ meldete bereits 2014 Insolvenz an (ECOreporter.de  berichtete). Jetzt steht der Wölbern-Fonds „Holland 72“ auf der Kippe. Dieser Fonds hält eine Büroimmobilie an der Waterfront im Zentrum von Rotterdam. Hintergrund ist die Forderung einer Bank über 5 Millionen Euro: „Es wurde im Jahr 2013 eine kurzfristige Brücken-Finanzierung gewährt, die nunmehr zurückgefordert wird“, erklärt die Führung von Paribus Capital gegenüber ECOreporter.de. Das Fondsmanagement sieht keine Alternative zum Verkauf  des Bürokomplexes mit 5.500 Quadratmetern Nutzfläche. „Der Verkauf bleibt – nach dem derzeitigen Stand der Dinge – die geforderte Rückzahlung des Darlehens  zu bewerkstelligen“, erklärt Paribus Capital.

Bild: Architektur-Skizze zum Fondsobjekt des geschlossenen Fonds Woelbern 72. / Quelle: Unternehmen

Anleger müssen zittern – droht der Totalverlust?

Die prekäre Situation des Fonds ist keine Überraschung. Thomas Böcher, Geschäftsführer der Paribus Fondsdienstleistung GmbH, hatte bereits im Sommer 2014 eine große „Liquiditätslücke“ bei den Wölbern-Fonds beklagt (mehr lesen Sie  hier).  Für die Anleger der verbleibenden Wölbern-Holland-Fonds kommt es doppelt dick, weil der Immobilienmarkt in den Niederlanden in den vergangenen Jahren in eine Krise geraten war und die Preise deutlich absackten: „Der Immobilienmarkt in Holland sind nach der Krise um circa 35 bis 40 Prozent gefallen“, erklären die Verantwortlichen von Paribus Capital. Medien hatten spekuliert, die Anleger von „Holland 72“ könnten deshalb 85 Prozent ihrer Einlagen verlieren. Das bestätigte Paribus Capital so nicht. „Die Anleger müssen sich auf Verluste einstellen“,  lautet der kurze Kommentar des Unternehmens zu der kolportierten Verlustquote.

Was ist mit den übrigen Wölbern-GreenBuilding-Fonds?

Es laufen noch drei weitere nachhaltige Immobilienfonds, die ursprünglich von Wölbern Invest gestartet wurden. „Holland 52“ ist bislang der einzige nachhaltige Immobilienfonds aus der Reihe,  der in die Pleite rutschte. Hier schätzt Paribus die Aussichten der Anleger  auf Rückerstattungen schlecht ein: „Wir gehen davon aus, dass keine Rückflüsse an Anleger erfolgen werden“, so Paribus. Die Situation der drei übrigen Fonds „Holland 69“, „Holland 70“ und „Deutschland 05“ scheint nicht so prekär wie die von „Holland 72“ oder gar „Holland 52“. Bekanntermaßen bestehe bei allen Wölbern-Fonds durch „die potenziellen Veruntreuungen und vollständigen Entnahmen der Liquiditätsreserven eine grundsätzliche Insolvenzgefahr“, erklärt  Paribus dazu. Allerdings seien die Fonds „Holland 69“, „Holland 70“ und „Deutschland 05“ „gut und langfristig vermietet“. Es bestehe kein Grund zu der Annahme, dass die finanzierenden Banken sich zurückziehen.

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