Dr. Gerhard Wagner ist Fondsmanager und Leiter Nachhaltige Anlagen bei Swisscanto Asset Management. / Quelle: Unternehmen

17.08.15 Fonds / ETF

Was spricht für Ressourcenverbrauch als Anlagekriterium?

Nachhaltig orienierte Investoren können und sollten einen Beitrag dazu leisten, Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln. Darauf weist Dr. Gerhard Wagner hin, Leiter Nachhaltige Anlagen bei Swisscanto Asset Management aus Zürich. Ihm zufolge lebt die Menschheit beim Verbrauch natürlicher Ressourcen schon jetzt weit über ihre Verhältnisse.  „Gemäß dem Think Tank 'Global Footprint Network' nutzt die Menschheit heute Ressourcen von 1,5 Planeten. Bei einem Business-as-usual-Szenario geht der Verbrauch der Menschheit im Jahr 2050 in Richtung drei Erden - obwohl logischerweise für einen Jahresverbrauch nur eine Erde vorhanden ist“, sagt er. „Um die Ökosphäre nicht über Gebühr zu belasten und zu schädigen, muss der globale Ressourcenverbrauch bis 2050 um 30 bis 50 Prozent reduziert werden“, erläutert der Fondsmanager.

Die Nicht-Regierungsorganisation Global Footprint Network benennt alljährlich den so genannten „Earth Overshoot Day“, auch „Welterschöpfungstag“ oder „Erdüberlastungstag“ genannt. Dieser Tag ist der Zeitpunkt im Jahr, ab dem die Natur den weiteren Ressourcenverbrauch der Menschheit in einem Jahr nicht aus sich heraus ausgleichen kann.  Im Jahr 2000 fiel der Earth Overshoot Day noch auf einen Tag Anfang Oktober. 2015 war er schpn 13. August erreicht (ECOreporter.de  berichtete).

Credo des Wachstums als Dilemma der Menschheit

Wagner sieht die Welt in einem Wachstumsdilemma: „Wächst die Wirtschaft nicht, drohen aufgrund steigender Arbeitslosigkeit soziale Unruhen und aufgrund nicht tilgbarer Schulden ökonomische Verwerfungen. Die gegenwärtige Krise in Griechenland ist ein Vorgeschmack darauf. Entwickelt sich die Weltwirtschaft aber weiter wie bisher, stehen ganze Regionen der Erde aufgrund der zunehmenden Umweltzerstörung vor dem ökologischen Kollaps. Beide Szenarien stehen im Widersinn zu einer nachhaltigen Entwicklung", sagt der Experte von Swisscanto. Solange sich die Ressourceneffizienz nicht deutlich verbessere, wachse entsprechend auch die Umweltbelastung. Falls die globale Wirtschaftsleistung weiterhin mit rund 3,5 Prozent pro Jahr zulege, verdopple sich auch der Ressourcenverbrauch alle 20 Jahre. Der einzige Ausweg aus dem Wachstumsdilemma sei „die absolute Entkopplung von Wirtschaftsleistung und Ressourcenverbrauch“. Nur wenn die Steigerung der Ressourceneffizienz größer ausfalle als das Wirtschaftswachstum könne die Wirtschaft weiter wachsen, ohne dass ökologische Grenzen erreicht werden.“

Wagner verweist darauf, dass nachhaltige Fonds auf Unternehmen setzen können, die einen wesentlichen Beitrag zu mehr Ressourceneffizienz leisten. Dies sei etwa für den von ihm gemanagten  Swisscanto (LU) Equity Fund Global Climate Invest ein zentrales ökologisches Kriterium bei der Selektion von Titeln. Er investiere zum Beispiel in „Unternehmen, die durch Substitute oder Recycling den Ressourcenverbrauch minimieren. Nur so lassen sich die notwendigen Effizienzsteigerungen von mehr als drei bis vier Prozent im Jahr erzielen“, so Wagner.
Klimafreundliche Aktien mit Kurspotential

Der Fondsmanager setzt hier einen Schwerpunkt auf Firmen, die zu mehr Klimaschutz beitragen, und sieht für sie zudem gutes Kurspotential: „Die meisten Unternehmen finden sich hier in den Bereichen Industriegüter, Technologie sowie erneuerbare Stromversorger. Zurzeit berücksichtigt etwa ein Drittel des Fondsportfolios Hersteller sowie Produzenten von erneuerbaren Energien. Wir behalten dieses Gewicht bei, da wir überzeugt sind, dass der tiefere Ölpreis nur einen marginalen Effekt auf die Gewinnaussichten dieser Unternehmen hat. Weltweit werden lediglich zwei Prozent des Stroms aus Öl produziert - somit sollte der negative Effekt auf die Unternehmensgewinne minimal sein. Viel wichtiger für eine gedeihliche Entwicklung sind hier der Zugang zu günstigem Kapital sowie ein gutes regulatorisches Umfeld. Beide Faktoren wirken zurzeit unterstützend."

ECOreporter.de hat kürzlich umfassend über eine Studie berichtet, die mögliche Auswirkungen des gefallenen Ölpreises auf Investoren in erneuerbare Energie analysiert. Hier  gelangen Sie zu dem Beitrag. Mehr über Swisscanto erfahren Sie in diesem  Kurzportrait (Link entfernt).
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