19.08.11 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Was steckt hinter dem Kursabsturz der Solar Millennium-Aktie?



Ein Eckpfeiler dieses Absturzes dürfte der gestern bekannt gegebene Kurswechsel innerhalb der US-Strategie des Unternehmens sein (ECOreporter.de Opens external link in new windowberichtete). Die Solar Millennium AG hat sich dazu entschlossen, für ihr Großkraftwerksprojekt im kalifornischen Blythe nicht mehr auf Parabolrinnen-Technologie zu setzen, sondern auf Photovoltaik. Das hat weitreichende Konsequenzen für die ausstehende Finanzierung des Projekts, eine laufende Unternehmensanleihe und wohl auch auf die weitere Geschäftsentwicklung des Unternehmens mit Sitz in Erlangen.


Verzicht auf staatliche Kreditgarantien in Milliardenhöhe

Die Entscheidung, für Blythe einen Technologieschwenk hin zur Photovoltaik zu vollziehen, sei rein unternehmerischer Natur, betont Solar-Millennium-Sprecherin Susanne Krebs auf Nachfrage von ECOreporter.de. Solar Millennium erziele mit der strategischen Umstellung am Standort Blythe allein schon wegen der in letzter Zeit stark rückläufigen Errichtungskosten für Photovoltaikangen wesentlich bessere Gewinnmargen für dieses Projekt, betont sie. Dabei lässt sich das Unternehmen mit der Umstellung bedingte Kreditgarantien der US-Regierung im Wert von 2,1 Milliarden US-Dollar entgehen, wie Krebs auf Nachfrage bestätigt: „Dieses Förderinstrument war technologiegebunden.“ Für die neue Strategie am Standort Blythe seien diese Kreditgarantien allerdings nicht mehr nötig, betont sie. Photovoltaik-Großprojekte ließen sich in den USA sehr gut über Bankfinanzierungen realisieren.


Gewinneinbruch im ersten Halbjahr 2010/2011

Derzeit laufen die Geschäfte der Solar Millennium AG derzeit nicht gerade rund. Für das erste Halbjahr 2010 / 2011 veröffentlichte das Unternehmen heute tiefrote Geschäftszahlen. Demnach stieg der Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 29,7 Prozent auf 36,1 Millionen Euro an. Entsprechend kletterte der Verlust je Aktie von 2,79 auf 3,22 Euro, Der Halbjahresumsatz brach um 65,2 Prozent auf 11,2 Millionen Euro ein. Das Konzernergebnis rutschte um weitere 34,6 Prozent tiefer in die Verlustzone auf minus 44,2 Millionen Euro.

Das Ergebnis der ersten Geschäftsjahreshälfte sei erwartungsgemäß schwach ausgefallen, weil die Finanzierungsabschlüsse der beiden Großprojekte Blythe in Kalifornien und Ibersol in Südspanien erst in der zweiten Jahreshälfte eingeplant gewesen seien, hieß es dazu aus der Unternehmensspitze. Die Finanzierung von Blythe werde nun voraussichtlich auch nicht mehr im laufenden Geschäftsjahr zu Ende gebracht. Deshalb sei auch für das Gesamtjahr 2010/2011 ein negatives Bilanzergebnis zu erwarten.




Prospektnachtrag für laufende Anleihe – Außerordentliches Rücktrittsrecht

Derzeit bietet Solar Millennium eine Unternehmensanleihe an, die unter anderem zur Vor- und Zwischenfinanzierung des Großkraftwerkprojekts Blythe 100 Millionen Euro bei Anlegern einwerben soll. Der Anleihe-Prospekt werde derzeit über einen entsprechenden Nachtrag angepasst, so Unternehmenssprecherin Krebs. An der Konditonen des Angebots, etwa der festen jährlichen Verzinsung von 6 Prozent, ändere sich nichts. Änderungen ergeben sich lediglich für diejenigen Investoren, die unmittelbar vor dem Kauf der Anleihe stehen. Weil der Nachtrag von der Bundesanstalt für Finanzaufsicht (BaFin) genehmigt werden müsse, könne die Veröffentlichung unter Umständen zwei bis drei Wochen dauern, so Krebs.

Alle diejenigen Zeichner, die sich in dieser Zeit für eine Investition in die Anleihe entscheiden sollten, erhalten Krebs zufolge ein zweitägiges außerordentliches Rücktrittsrecht, das in Kraft tritt, sobald der neue vollständige Beteiligungsprospekt veröffentlicht ist. Dies gelte unabhängig davon, ob das reguläre 14-tägige Rücktrittsrecht in der Zeit bis zur Veröffentlichung verstreiche.

Wer die Anleihe kurz nach ihrem Vertriebsstart Ende Mai unter anderen Voraussetzungen gezeichnet habe, verfüge mit der Anpassung über keinerlei neue Rechte: Schließlich habe Solar Millennium schon im ursprünglichen Fondsprospekt darauf hingewiesen, dass das Unternehmen neben der solarthermischen Kraftwerkstechnologie auch andere Technologien zum Einsatz bringen könne.

Solar Millennium AG: ISIN DE0007218406 / WKN 721840
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x