Ein Werk der German Pellets GmbH in Deutschland. Das Unternehmen produziert nach eigenen Angaben an 14 Standorten in Deutschland, Österreich und den USA. / Foto: Unternehmen.

20.01.15 Anleihen / AIF

Was steckt hinter dem Kursknick der German-Pellets-Anleihen?

Die Anleihekurse der German Pellets GmbH sind kurzfristig unter Druck geraten. Bislang notierten alle drei Anleihen des Pelletherstellers aus Wismar meist über dem Nominalwert von 100 Prozent. Gestern gaben alle drei Anleihen zwischenzeitlich stark nach und näherten sich der 90-Prozent-Marke. Hintergrund war ein lokaler Zeitungsbericht über Schwierigkeiten mit der Rohstoffzufuhr bei einer Tochtergesellschaft in Sachsen. ECOreporter.de hörte nach.

Die German Pellets GmbH ist nach eigenen Angaben in knapp zehn Jahren Unternehmensgeschichte zu einem der führenden Hersteller und Händler von Holzpellets in Europa und der gesamten Welt gewachsen. Produziert wird inzwischen an 14 Standorten in Deutschland, Österreich und den USA
Einen Teil dieses Wachstums finanziert das Unternehmen durch Anleihen und Genussrechte.

Drei Anleihen seit 2011 brachten German Pellets Millionen

Zwischen 2011 und 2014 brachte die German Pellets GmbH drei Anleihen auf den Markt, die jeweils mit 7,25 Prozent jährlich verzinst sind. Die erste Anleihe (ISIN DE000A1H3J67) aus dem Jahr 2011 hat ein Volumen von 80 Millionen Euro, die zweite von 2013 (ISIN DE000A1TNAP7) kam auf 72 Millionen Euro Volumen und die jüngste Anleihe (DE000A13R5N7) von Ende November 2014 brachte 100 Millionen Euro Emissionserlös. Bei letzterer Emission ist ein Anleihetauschprogramm mit eingerechnet: Anleger der ersten Anleihe von 2011 tauschten Wertpapiere im Wert von 26 Millionen Euro alt gegen neu und verlängerten so ihr Engagement bei German Pellets bis 2019 (mehr dazu erfahren Sie  hier). Die nächste fällige Zinsausschüttung betrifft die Anleihe von 2011. Laut Prospekt steht die Zinszahlung dafür jedes Jahr am 1. April an. Die Zinsen der zweiten Anleihe werden jährlich im Juli fällig, die der dritten Anleihe im November.

Pelletwerk in Torgau in Kurzarbeit

Die Kurse aller dieser drei Teilschuldverschreibungen gerieten gestern buchstäblich im Gleichschritt unter Druck, nachdem eine lokale Tageszeitung berichtet hatte, dass ein Werk im sächsischen Torgau bereits seit Anfang Dezember 2014 Kurzarbeit eingeführt habe. Es handelt sich um die German Pellets Sachsen GmbH, die seit 2009 zur Unternehmensgruppe gehört und zuvor als European Pellet Company firmierte. „Am Standort Torgau wurde Kurzarbeit eingeführt.“, bestätigt das Unternehmen auf Anfrage von ECOreporter.de. „Grund dafür ist, dass die als Rohstoff benötigten Sägenebenprodukte in unmittelbarer Umgebung des Werkes zurzeit nicht ausreichend zur Verfügung stehen. Ein benachbartes Großsägewerk hatte zuletzt seine Produktion gedrosselt und damit begonnen, Sägewerksnebenprodukte selbst zu Endprodukten zu verarbeiten“, erläutert ein Unternehmenssprecher. Über die restlichen freien Mengen sei mit dem Zulieferer keine Preiseinigung erzielt worden, worauf die Kurzarbeit eingeführt worden sei, so der Sprecher. „German Pellets geht aber grundsätzlich davon aus, dass dauerhaft eine zufriedenstellende Lösung hinsichtlich der Rohstoffversorgung vor Ort gefunden werden kann“, so der Sprecher weiter. Dazu wann die Kurzarbeit voraussichtlich wieder aufgehoben werden kann, äußerte sich das Unternehmen nicht.

Bild: Kerngeschäft der German Pellets GmbH ist Produktion und Handel mit Holzpellets. / Foto: Unternehmen

„Kapital der Anleger auf keinen Fall gefährdet“

Andere Standorte oder die Hauptgesellschaft in Wismar seien von der Situation des Standorts Torgau unberührt, betont der Unternehmenssprecher: „Der Standort erwirtschaftet ca. zwei Prozent des Konzernumsatzes. Die Minderproduktion wird aktuell durch preiswertere Handelsmengen ersetzt. Auf die Finanz- und Ertragslage der German Pellets-Gruppe hat diese Maßnahme daher keinen negativen Einfluss.“ Die Nachfrage nach dem Kernprodukt Pellets sei nach wie vor hoch. „Vor dem Hintergrund eines nachhaltig anhaltenden Wachstums in Europa sind die Entwicklungspotenziale der Gruppe weiterhin positiv“, so der Sprecher weiter: „Das Kapital der Anleger ist und war in keinem Fall gefährdet“, betonte er mit Bezug auf die drei Anleihen.

Bis zum Mittag des heutigen Handelstages  schwenken die Kurse aller drei Anleihen wieder in einen Aufwärtstrend über. Sie legten zwischen zwei und vier Prozent zu und notierten jeweils  nur noch knapp unter dem Nominalwert.
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