Solarpark mit Modulen von Yingli: die Chinesen wollen vor allem im Heimatmarkt verstärkt auch Solarparks umsetzen und so die eigene Produktion auslasten. / Quelle: Unternehmen

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Was steckt hinter den aktuellen Kursverlusten von Solaraktien wie Yingli Green Energy?

Auf breiter Front sind Solaraktien stark unter Druck geraten. Massive Kursverluste gab es am späten Freitag und am frühen Montag vor allem für Solarwerte aus China. Doch auch das Interesse von Börsianern an Solaraktien aus den USA ist aktuell stark gesunken.

Auslöser dieser Entwicklung ist offenbar eine auf den ersten Blick harmlose Unternehmensmitteilung von Yingli Green Energy. Der weltweit größte Solarhersteller hat seinen Hauptsitz im chinesichen Baoding und hat jetzt bekannt gegeben, dass er 25 Millionen neue Aktien ausgeben und damit rund 83 Millionen US-Dollar einnehmen will. Die Erlöse aus der Aktienemission seien überwiegend für Aktivitäten im Projektgeschäft des Solarkonzerns vorgesehen, aber auch für andere Unternehmenszwecke. Gerade letzteres aber hat die Börsianer wohl hellhörig gemacht, neben dem erstaunlich gerungen Preis, den Yingli für die neuen Aktien je Stück verlangt: 3,50 Dollar. Denn zu diesem Preis waren Aktien der Chinesen zuletzt im Sommer 2013 gehandelt worden. Danach kletterte der Kurs bis zum Herbst auf 7,7 Dollar, um dann wieder zu fallen. Unter vier Dollar stürzte der Kurs für die Yingli-Aktie jedoch est nach Bekanntgabe der aktuellen Kapitalerhöhung. Am Freitagabend um 22 Uhr mitteleuropäischer Zeit ging sie an der Nasdaq aber immer noch mit 3,7 Dollar aus dem Handel, nach einem Tagesverlust von 13 Prozent.

Dass der Solarkonzern ein großes Aktienpaket zu Schleuderpreisen anbietet, um an Kapital zu kommen, erscheint in der Tat bedenklich. Denn es ist schon länger bekannt, dass Yingli unter einer hohen Schuldenlast ächzt. Es hat für den starken Ausbau der Produktionskapazitäten hohe Verbindlichkeiten aufgenommen, die sich im letzten Geschäftsjahr auf über 25 Milliarden Dollar summierten. Zugleich verfügte der Solarkonzern Ende 2013 nur noch über etwa mehr als 500 Millionen Dollar Eigenkapital. Das ist vor allem vor dem Hintergrund bedenklich, dass Yingli weiter tiefrote Zahlen schreibt. Allein im vierten Quartal 2013 fiel ein Nettoverlust in Höhe von 128,2 Millionen Dollar an, im Gesamtjahr betrug er gar 312,2 Millionen Dollar – bei einem Jahresumsatz von 2,2  Milliarden Dollar.

Dabei liefen die Geschäfte in der zweiten Jahreshälfte 2013 deutlich besser als zuvor und waren daher diese Verlustwerte deutlich geringer als im Vorjahreszeitraum. Doch Yingli konnte diesen Aufwärtstrend im 1. Quartal 2014 nicht fortsetzen. Denn vor rund zwei Wochen musste das Unternehmen seine  Absatzprognose korrigieren. Demnach lag der Absatz in den ersten drei Monaten 2014 nach vorläufigen Berechnungen rund 35 Prozent unter dem des starken vierten Quartals 2013 (wir  berichteten). Vor diesem Hintergrund nährt die aktuelle Aktienemission den Verdacht, dass Yingli zunehmend in Finanznöte gerät.

Zumal es aktuelle Beispiele von chinesischen Solarkonzernen gibt, die sich beim Ausbau der Produktion übernommen haben, Pleite gingen und den Investoren hohe Verluste bescherten. Vorgänger von Yingli als weltweitgrößter Solarhersteller der Welt war Suntech aus dem chinesischen Wuxi. Dieser Konzern brach 2013 unter seiner hohen Schuldenlast zusammen, konnte eine Anleihe nicht mehr bedienen und wurde im Laufe des Insolvenzverfahrens zerschlagen. Eine ähnliche Entwicklung durchläuft derzeit LDK aus Xinyu, die noch um ihre Rettung kämpft (hier  erfahren Sie mehr darüber und in einem weiteren  Beitrag  berichteten wir über die jüngsten Verluste von LDK) und deren Aktie in den USA bereits vom Börsenhandel ausgesetzt wurde. Daher hat es auch nichts Beruhigendes, dass Yingli jetzt über die Aktienemission wieder zu Geld kommen dürfte. Es handelt sich hierbei allenfalls um einen Rettungsring, wenn es dem Solarkonzern nicht gelingt, in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen zu schreiben und so bei den Gläubigern glaubhaft Hoffnungen zu wecken, dass das Unternehmen in absehbarer Zeit seine Verpflichtungen erfüllen kann. Wie die Beispiele Suntech und LDK zeigen, ist die chinesische Regierung nicht länger bereit, über die staatlich kontrollierten Banken weiter hohe Summen in Solarkonzerne zu pumpen, die sich nicht als rentabel erweisen.

Das Vertrauen in Solaraktien ist leicht zu erschüttern

All dies hat zum einen das Vertrauen in Solaraktien aus China erschüttert. Dabei hatten viele von denen seit 2013 deutlich zugelegt, vor allem weil die Nachfrage in ihrem Heimatmarkt enorm gestiegen ist und ihre Geschäfte dadurch deutlich belebt wurden. Während der durch ein hohes Überangebot im weltweiten Solarmarkt verursachten Marktbereinigung in den Jahren vor 2013 hatten sich Solarwerte auch so stark verbilligt, dass es in 2013 attraktiv und wenig riskant war, in solche Papiere zu investieren. Doch die aktuellen Kurseinbrüche zeigen, dass der Vertrauensverlust in den Sektor aus den Jahren der Krise noch nachwirkt und geringe Anzeichen für Rückschläge ausreichen, um neue starke Kursverlsute auszulösen. Das wirkt sich zum anderen auch auf Solaraktien von Unternehmen aus, die wie etwa Canadian Solar oder First Solar aus Nordamerika weder regional eine Verbindung zu Yingli aufweisen noch ähnlich hoch verschuldet sind. Wer darauf setzt, dass etwa Canadian Solar und First Solar, die im Gegensatz zu Yingli bereits wieder profitabel wirtschaften, weitere eine führende Rolle im weltweiten Solarmarkt spielen werden, dem bietet sich nun die Chance, deren Aktien vergleichsweise günstig einzukaufen. Die aktie von First Solar hat heute bis 12 Uhr im Xetra drei Prozent an Wert verloren, der Anteilsschein von Canadian Solar hat sich dort seit Anfang März von knapp 32 auf knapp 22 Euro verbilligt.

Canadian Solar Inc: ISIN CA1366351098 / WKN A0LCUY
First Solar: ISIN US3364331070 / WKN A0LEKM
Yingli Green Energy Holding Co. Ltd: ISIN US98584B1035 / A0MR90
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