16.06.07

Wasser Anleihe der Deutsche Bank AG

Experten gehen von einem langfristigen Wachstum des Wassersektors aus. Dies gilt zum einen für die Industriestaaten. Allein für die Erneuerung der bestehenden Wasserinfrastruktur in Europa und Nordamerika gibt es laut der Weltbank bis 2015 einen Investitionsbedarf von 600 Milliarden Euro. Finanzanalysten und Investoren rechnen mit einem beständig zweistelligen Umsatzwachstum pro Jahr für Unternehmen, die dort in der Wertschöpfungskette Versorgung, Abwasserbehandlung, Reinigung und Qualitätsmessung tätig sind. Deren Marktvolumen beträgt gegenwärtig über 50 Milliarden US-Dollar. Weitere das Wachstum treibende Momente sind die zunehmende Verstädterung und das steigende Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung. Während in Europa die Zahl der Einwohner abnimmt, steigt deren Wasserbedarf.

Hinzu kommt zum anderen der weiter steigende Bedarf an sauberem Trinkwasser und einer nachhaltigen Abwasserentsorgung in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Wasser dürfte als erster Rohstoff im 21. Jahrhundert knapp werden. Lediglich drei Prozent der weltweiten Wasservorräte bestehen aus Süßwasser. Nicht nur der globale Bevölkerungsanstieg wird die Nachfrage weiter erhöhen. Wasser wird auch immer intensiver genutzt, zum Beispiel für die Produktion von Nahrungsmitteln. 40 Prozent verwenden verbrauchsintensive Technologien zur Bewässerung. Hier können etwa Anbieter von effizienter Mikrobewässerung Lösungen anbieten. Damit lässt sich der Verbrauch um bis zu 70 Prozent verringern, der Ernteertrag dagegen sogar steigern, weil die Bodenversalzung sinkt. Aus Nachhaltigkeitssicht problematisch sind dagegen Unternehmen, die von der Liberalisierung und Privatisierung der Wasserwirtschaft profitieren wollen.

Seit dem 3. April wird die Wasser Anleihe der Deutsche Bank AG an der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt. Das Zertifikat konnte vom 1. März bis 30. März gezeichnet werden, der Emissionspreis betrug 1.000 Euro zuzüglich einem Ausgabeaufschlag pro Anleihe in Höhe von 1,50 Prozent. Aktuell wird das Papier für 979,49 Euro gehandelt, nachdem es sich Anfang Mai vorübergehend auf über 1.100 Euro verteuert hatte. Die Wasser Anleihe setzt auf einen Aktienkorb, der aus zehn gleich gewichteten Werten besteht, von denen die Hälfte britisch ist und nur eines seinen Hauptsitz nicht in Europa hat:
- Ciba Spezialchemie Holding, Schweiz
- Geberit, Schweiz
- Kelda Group, Großbritannien
- Northumbrian Water Group, Großbritannien
- Pennon Group, Großbritannien
- Pentair Inc, USA
- Severn Trent, Großbritannien
- Suez, Frankreich
- United Utilities, Großbritannien
- Veolia Environment, Frankreich

Diese Unternehmen sind in den Bereichen Trink- und Abwasseraufbereitung, Wasserdistribution, Verfahrenstechnik und Technologien rund um die Wasserversorgung tätig. Wer als Anleger in dieses Zertifikat investiert hat, muss hoffen, dass die Performance dieser zehn Aktien sich bis Anfang April 2008 möglichst positiv entwickelt. Denn zum einen beträgt die Laufzeit des Wertpapiers lediglich ein Jahr. Fälligkeitstermin ist der 11. April 2008. Zum anderen sehen die Modalitäten der Emittentin vor, dass der Zeichner der Anleihe erst ab einem durchschnittlichen Wertzuwachs der Titel im Korb von 5 Prozent sein eingezahltes Kapital zurück erhält. Garantiert wird dem Investor lediglich ein Kapitalschutz von 90 Prozent des Nennbetrags. Lediglich diese Summe wird unabhängig von der Wertentwicklung des Aktienkorbes ausgezahlt. Inwiefern der Anleger darüber hinaus Geld bekommt, wird anhand folgender Formel ermittelt: 90% Kapitalschutz + 200% * Basketperformance. Anleger partizipieren somit zu 200% an der Wertentwicklung des Aktienbaskets.

Verdeutlicht an einem Beispiel bedeutet dies: Zunächst wird der Schlussreferenzstand - das arithmetische Mittel der Schlusskurse an den Bewertungstagen 2. bis 4. April 2008 - ermittelt. Gesetzt den Fall, dass laut diesem fünf der zehn Aktien im Korbverzeichnen eine Wertentwicklung von 20 Prozent erreichen und fünf Titel um jeweils 10 Prozent steigen: dann ergibt das eine durchschnittliche Basketperformance von 15 Prozent. Die Formel lautet folglich 90% + 2*15% = 120%. Somit erhält der Anleger 120 Prozent des Nennbetrags. Bei einer Zahlung von 1.000 Euro würde der Gewinn also 1.200 Euro betragen. Doch die Gewinnchancen des Anlegers werden von der Emittentin gedeckelt. Denn sie hat festgelegt, dass der Wertzuwachs von Aktien in dem Korb nur bis zu einem Plus von 25 Prozent berücksichtigt wird. Ausschließlich Kursverluste und Kurszuwächse unterhalb dieser Marke fließen bei der Berechnung der Basketperformance mit der tatsächlichen Wertentwicklung ein. Selbst wenn sämtliche Titel im Basket bis zum April 2008 mehr als 25 Prozent an Wert gewinnen, bleibt der Gewinn des Anlegers daher auf maximal 140 Prozent des Nennbetrags beschränkt. In dem Fall würde die angewandte Formel: 90% + 2*25% = 140% lauten. Mehr als 400 Euro Gewinn je 1.000 Euro sind also für den Anleger bei diesem Zertifikat nicht drin.

Fazit:
Dieses Zertifikat ist eine Wette auf eine kurzfristig sehr gute Kursentwicklung der ausgewählten Titel im Aktienkorb. Das Risiko des Anlegers ist immerhin auf einen maximalen Verlust von zehn Prozent seiner Anlage (plus Gebühren) begrenzt. Für Anleger, die vor allem an ihrer Nachhaltigkeit des Investments interessiert sind, ist das Angebot insgesamt nicht überzeugend. Denn es wird über die Titel im Aktienkorb nicht nur in lediglich einen Teil der Wasserverteilungsbranche und angrenzender Branchen investiert. Die ausgewählten Wasserversorger mit ihrem Interesse, das öffentliche Gut Wasser zu privatisieren, können auch nicht automatisch als nachhaltig gelten. Die Wasser Anleihe der Deutsche Bank ist daher aufgrund Ihrer Struktur und ihres Inhalts nur beschränkt zu empfehlen.

WKN: DB2PEE
ISIN: DE000DB2PEE1

Bildhinweis: Kläranlage der Severn Trent / Quelle: Unternehmen
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