Reis ist eines der Spekulationsobjekte mit denen Großinvestoren Termingeschäfte an Börsen machen. Im Bild: Eine Reisernte in Asien. / Quelle: Fotolia (Schnepf)

17.01.14 Erneuerbare Energie

Weiter scharfe Kritik an EU-Kompromiss zu Nahrungsmittelspekulation

Wolfgang Schäubles Amtssitz in der Berliner Wilhelmstraße ist bereits umbenannt: „Bundesministerium der Finanzen - eine Filiale der Deutschen Bank“, steht auf einem Schild auf der Natursteinfassade des mächtigen Gebäudes. Aktivisten der Verbraucherorganisation foodwatch, verkleidet als Mitarbeiter der Deutschen Bank, halten ein Portrait des Ministers im goldenen Rahmen in die Höhe: „Wolfgang Schäuble, Mitarbeiter des Monats“ steht unter dem Logo der Deutschen Bank. Daneben prangt der Text: „Danke Wolfgang, unser Geschäft mit dem Hunger darf weitergehen. Deine Deutsche Bank“.

Mit dieser Demonstration hat foodwatch heute Vormittag um 10.30 Uhr gegen die Haltung des Bundesfinanzministers zum Kompromiss, der in dieser Woche bei der europäischen Finanzmarktrichtlinie MiFID ausgehandelt worden war. Weil dieser Kompromiss aus der Sicht von foodwatch im Kampf gegen die Folgen von Nahrungsmittelspekulation nicht weit genug geht, hatten die Aktivisten bereits schwere Kritik geübt (ECOreporter.de berichtete).

Finanzminister Schäuble habe sich öffentlich stets für eine effektive Regulierung und eine Eindämmung spekulativer Exzesse ausgesprochen - dieses Versprechen breche er nun, wenn er dem Kompromiss bei der europäischen Finanzmarktrichtlinie MiFID zustimme, bekräftigt foodwatch seine Kritik. Diese Richtline werde Spekulationsexzesse auf den Terminbörsen für Agrarrohstoffe nicht verhindern und damit die Deutsche Bank und andere weiter machen lassen wie bisher, so foodwatch.


„Herr Schäuble ist als großer Regulierer gestartet und als Bettvorleger von Anshu Jain gelandet. Der Bundesfinanzminister agiert als willfähriger Dienstleister der Finanzindustrie“, sagt foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode. „Wer dieser verfehlten EU-Richtlinie zustimmt, macht sich mitschuldig am Hunger in der Welt. Nicht nur die Deutsche Bank, sondern auch Wolfgang Schäuble muss jetzt als Hungermacher bezeichnet werden“, fuhr Bode fort.


Die harten Worte gegen den Bundesfinanzminister bezieht foodwatch auf öffentliche Aussagen die Schäuble Ende der 1990er Jahre getätigt habe. Damals sei er für „eine strikte Regulierung“ eingetreten, weil nur diese eine „destabilisierende Auswirkungen auf die Nahrungsmittelpreise“ verhindern könnte.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x