Einblick in die Modulproduktion von First Solar. Der US-Konzern erreichte in dem Ranking von SVTC nur 56 von 100 möglichen Punkten, lag damit aber deutlich über dem Durchschnitt. / Quelle: Unternehmen

19.11.14 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Welche Solarkonzerne liegen bei der Nachhaltigkeit vorne – und welche haben großen Nachholbedarf?

Wie nachhaltig sind eigentlich Solarkonzerne? Dieser Frage ist eine Nicht-Regierungsorganisation (NGO) nachgegangen. Siehat überprüft, was die weltweit größten Solarhersteller in Sachen sozialer und ökologischer Hinsicht zu bieten haben. Das Ergebnis: Viele Solarkonzerne haben hier großen Nachholbedarf. An der Spitze der Auswertung liegen zwei chinesische Solarkonzerne und ein Unternehmen aus den USA. Sie erreichten in der Analyse mehr als 80 von 100 möglichen Punkten. Zwei Solarhersteller aus Europa erhielten immerhin über 70 Punkte und wurden daher ebenso wie die Top 3 als Nachhaltigkeitsführer eingestuft.

Durchgeführt hat diese Untersuchung die NGO „Silicon Valley Toxics Coalition“ (SVTC) mit Sitz in San Francisco. Insgesamt 34 Solarhersteller hat die SVTC für ihre Analyse unter die Lupe genommen, dafür bei den Unternehmen Informationen eingeholt sowie frei zugängliche Quellen ausgewertet. Punkte wurden etwa vergeben für Systeme zum Recycling ausrangierter Solarmodule, für die Verringerung von Emissionen und des Einsatzes von Giftstoffen, für die Vermeidung von Rohstofflieferungen aus Konfliktregionen, für Gesundheitsschutz und den fairen Umgang mit Mitarbeitern, für Transparenz. Dabei gab es besonders viele Punkte für Leistungen beim Recycling und beim Gesundheitsschutz.

Foto: Anlage von First Solar zum Recycling von Solarmodulen. / Quelle: Unternehmen

Spitzenreiter stark beim Recycling von Solarmodulen

Mit 92 Punkten hat in dem Ranking der SVTC die chinesische Trina Solar aus Changzhou die beste Nachhaltigkeitsleistung gezeigt. Der nach Produktionskapazität zweitgrößter Solarhersteller der Welt erreichte unter anderem besonders hohe Werte beim Recycling von Modulen, beim Umgang mit Giftstoffen, bei der Verringerung von Emissionen und Wasserverbrauch, beim Gesundheitsschutz und dem fairen Umgang mit Mitarbeitern. Yingli Green Energy aus Baoding erreichte mit 88 von 100 möglichen Punkten den dritten Rang. Der weltweit größte Solarkonzern blieb etwa bei den Arbeitsbedingungen und beim Wasserverbauch deutlich hinter Trina Solar zurück, lag aber weit über dem von der SVTC ermitteltem Durchschnittswert von 32 Punkten. Vor ihm rangiert nur die kalifornische SunPower, die vor allem in Asien produziert, dort aber laut der NGO nach Trina in Sachen Arbeitsbedingungen die besten Leistungen zeigt. Top-Werte erreichten die Kalifornier auch bei dem Bemühen, Treibhausgasemissionen, den Verbrauch von Wasser und den von Chemikalien zu verringern.

Den vierten Platz im Ranking der SVTC erreichte die SolarWorld AG aus Bonn. Der letzte Mohikaner unter den noch vor wenigen Jahren den Weltmarkt dominierenden deutschen Solarkonzernen ist demnach in Sachen Nachhaltigkeit der beste Solarhersteller aus Europa. Größere Mängel wurden ihm in der Analyse lediglich bei der Transparenz in Sachen Emissionen und beim Einsatz von Giftstoffen bescheinigt sowie beim Schutz der Artenvielfalt. Mit 73 Punkten übertraf SolarWorld REC aus Norwegen, die 71 Punkte erhielt und dabei vor allem in Sachen Recycling schlechter abschnitt als die Top 4 dieses Rankings. Bei den Arbeitsbedingungen erreichten aber nur Trina und SunPower wie REC den Höchstwert von 15 möglichen Punkten in dieser Kategorie.

Foto: Einblick in die Produktion von SolarWorld am Standort Freiberg. Der Solarkonzern hat laut der SVTC in vielen Nachhaltigkeitsbereichen Bestnoten erhalten, aber auch einige Schwachpunkt gezeigt: etwa beim Umgang mit Giftstoffen. / Quelle: Unternehmen

Canadian Solar enttäuscht auf breiter Front

Nicht wenige prominente Solarhersteller, die als börsennotierte Unternehmen auch in etlichen Nachhaltigkeitsfonds zu finden sind, schnitten dagegen in den Nachhaltigkeitsanalysen der SVTC schlecht bis sehr schlecht ab. So gehörte JinkoSolar aus dem chinesischen Shanghai zu den wenigen Unternehmen, die nicht einmal zehn Punkte erreichten. Mit JA Solar und Hanwha SolarOne erhielten zwei weitere Solarkonzerne aus China mit gerade einmal zehn Punkten ebenfalls eine der schwächsten Bewertungen der insgesamt 34 Solarhersteller. Weit unten rangiert auch Canadian Solar, die ihren Hauptsitz in Kanada hat, aber außer in Nordamerika vor allem in China produziert. Der Konzern, einer der größten Solarhersteller überhaupt, konnte in der Analyse lediglich in vier von zwölf Kategorien punkten. Erscheckend schwach zeigte er sich zum Beispiel bei den Arbeitsbedingungen, wo er nur einen von zehn möglichen Punkten erreichte. Fünf seiner insgesamt 14 Punkte ergatterte dieses Unternehmen auch nur, weil er es wie fast alle Konkurrenten vermeidet, seinen Elektromüll in Gefängnissen ausschlachten zu lassen. Dies geschieht laut der NGO häufig unter Missachtung der Gesundheitsgefahren für die Gefängnisinsassen, weshalb sie es positiv bewertet, wenn ein Solarhersteller sich dieser offenbar besonders kostengünstigen Praxis verschließt.

Bildhinweis: Die Solarproduktion von JA Solar ist laut der SVTC längst nicht so sauber wie es dieses Foto suggeriert. / Quelle: Unternehmen

Eine weitere Auffälligkeit: In Sachen Recycling zeigen laut der SVTC vor allem die großen Solarhersteller aus Japan großen Nachholbedarf. Sharp und Kyocera zeigten hier mit die schwächsten Leistungen aller untersuchten Solarhersteller.
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