Schweden liegt im Nachhaltigkeitsranking von Staaten an der Spitze. / Quelle: Ola Ericson

07.08.15 Fonds / ETF

Welche Staatsanleihen sind die nachhaltigsten? – Experten beleuchten die Nachhaltigkeit von Ländern

Viele nachhaltige Investoren, etwa nachhaltige Renten- oder Mischfonds, Stiftungen und andere, investieren in Staatsanleihen. Doch können Sie hierbei nachhaltige Aspekte berücksichtigen? Inwiefern kann man die Nachhaltigkeit von Staaten beurteilen und vergleichen? Einige Nachhaltigkeitsrating-Agenturen haben die Nachhaltigkeit von Ländern analysiert und dabei Ranglisten aufgestellt, an denen sich nachhaltige Investoren orientieren können.

EIRIS ist ein Netzwerk von Nachhaltigkeitsrating-Agenturen, denen aus Deutschland das IMUG aus Hannover angehört (mehr über dieses Institut erfahren Sie in diesem  Kurzportrait (Link entfernt)). EIRIS hat ein „Country Sustainability Rating“ durchgeführt und nun die Spitzenreiter öffentlich gemacht. Demnach zeichnen sich Schweden, Österreich und Finnland durch „überdurchschnittliche Leistungen in allen drei Untersuchungsbereichen Umwelt, Soziales und Governance“  aus. Deutschland erreichte in der IMUG-Rangfolge den fünften Platz.

In die Gesamtbewertung des EIRIS-Ratings flossen über 50 Kriterien aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance ein. Bewertet wurden beispielsweise der Ausstoß von Treibhausgasemissionen, der Anteil von Erneuerbaren Energien am Energiemix, die Ausgaben für Bildung und Erziehung, die Kindersterblichkeitsrate, das Ausmaß von Korruption und die politische Stabilität. Als Grundlage für die Bewertung nutzen die Nachhaltigkeitsanalysten von EIRIS Informationen von staatlichen und halbstaatlichen Quellen, so etwa von den Vereinten Nationen, der OECD, der internationalen Arbeitsagentur ILO oder von Transparency International.

Tommy Piemonte, Leiter des Bereiches Nachhaltiges Investment im IMUG, betont, dass die Nachhaltigkeitsleistung eines Landes auch Aussagekraft hat für die ökonomischen Chancen und Risiken eines Investments in dessen Staatsanleihen. „Die Berücksichtigung einer systematischen Nachhaltigkeitsanalyse von Staaten zahlt sich auch unter Risiko- und Renditeaspekten für Investoren aus und stellt demnach mehr als nur eine Ergänzung, der von klassischen Rating-Agenturen ange-stellten finanziellen Betrachtungen dar“, stellt er fest.

RobecoSAM sieht nach Schweden die Schweiz und Norwegen vorne

Auch RobecoSAM aus Zürich verfügt über eine langjährige Erfahrung mit Nachhaltigkeitsratings. Die Tochtergesellschaft der niederländischen Robeco ist besonders bekannt für ihre Analysen, die Grundlage sind für die Zusammensetzung des Nachhaltigkeitsindex Dow Jones Sustainablility Index (DJSI), für den RobecoSAM Tausende internationale Großkonzerne unter die Lupe nimmt. Die Schweizer haben ebenfalls ein nachhaltiges Länderranking erstellt, kommen dabei aber zum Teil zu anderen Ergebnises als das IMUG. Wie diese sehen sie bei der Nachhaltigkeit von Staaten Schweden an der Spitze, auf den beiden folgenden Plätzen aber nicht Österreich und Finnland, sondern die Schweiz und Norwegen, das seinen Wohlstand vor allem der Ölförderung verdankt. Deutschland nimmt in dieser Rangfolge lediglich den siebten Platz ein, Österreich liegt nur auf Rang 10. Finnland hat es nicht einmal in die Top 10 geschafft, im Gegensatz zu Großbritannien, dass die Experten von RobecoSAM von den 60 untersuchten Staaten auf dem vierten Platz sehen. Und dass obwohl Großbritannien über Atomwaffen verfügt, als einer von wenigen Staaten weltweit den Neubau eines Atomkraftwerkes plant. Selbst Australien hat es in die Top 10 geschafft, rangiert bei RobecoSAM vor Österreich, dass massiv auf Erneuerbare Energie setzt und ehrgeizige Klimaziele verfolgt, während Australien von einem Leugner des Klimawandels regiert wird, keinem Klimaschutzabkommen beigetreten ist, zu den größten Klimasündern weltweit gehört, durch seine Bergbaukonzerne massiven Raubbau an der Natur betreibt und durch einen harschen Umgang mit Flüchtlingen für Negativschlagzeilen sorgt.

Dabei haben die Nachhaltigkeitsanalysten des Unternehmens nach dessen Angaben die Länder ebenfalls anhand einer Vielzahl von Faktoren aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance untersucht. Die Ergebnisse mündeten dabei in eine Endnote auf der Skale 1 bis 10, wovon allein Schweden mehr als 8 Punkte erreichte und Nigeria mit 1,8 Punkten zu den Schlusslichtern zählte. Schlechte Noten erhielten insbesondere Schwellenländer, die in dem Ranking durchweg in der unteren Hälfte angesiedelt sind. Laut RobecoSAM stellt insbesondere Korruption in diesen Staaten ein Nachhaltigkeiitsproblem dar. Be Indien zum Beispiel kome noch belastend hinzu, dass dort die sozialen und die ökologischen Beingungen noch immer äußerst schlecht seien. Für Russland und China wiederum habe es zusätzliche Minuspunkte etwa für Mängel bei bürgerlichen Freiheiten und der Rechtssicherheit gegeben. Diese drei Staaten sind alle in der Schlussgruppe des Rankings von RobecoSAM zu finden.
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