Bauarbeiten an einem Großprojekt von First Solar. / Quelle: Unternehmen

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Welches Kurspotential haben Solaraktien aus den USA?

Die Aktie von SunEdison hat seit der Börsennotiz im vergangenen Juni ihren Kurs mehr als verdoppelt. Sie notiert aktuell  in New York bei knapp 20 Dollar (14,4 Euro) und war vor rund neun Monaten mit rund acht Dollar gestartet. Das Unternehmen aus St. Peters in Missouri ist aus dem Halbleiterhersteller MEMC Electronic Materials hervorgegangen, der sich in den letzten Jahren immer stärker auf das Solargeschäft konzentiert und sich umfirmiert hat, um diesen Strategiewechsel auch nach außen hin zu dokumentieren. Er benannte sich nach der Tochtergesellschaft SunEdisun, die Photovoltaikprojekte umsetzt und betreibt. Daneben ist der US-Konzern auch ein Produzent von Solarwafern, aus denen seine Kunden Solarzellen fertigen.

Die Aktie von SunEdison hat in den letzten Monaten stark zugelegt, obwohl die Geschäfte des Unternehmens nicht so gut liefen wie von vielen Experten eigentlich erwartet. Mit einem Umsatz von knapp einer Milliarde Dollar und einem Gewinn je Aktie von 0,48 Dollar fiel die letzte Bilanz für das vierte Quartal aber ansehlich aus. SunEdison profitiert stark vom Photovoltaikboom in den Vereinigten Staaten. Der US-Solarverband Solar Energy Industries Association (SEIA) hat für 2013 einen neuen Rekordzubau verzeichnet. Demnach gingen im vergangenen Jahr neue Solaranlagen mit einer Gesamtkapazität von 4.751 Megawatt (MW) ans Netz. Gegenüber 2012 war das ein Zuwachs von 41 Prozent. Für das laufende Jahr 2014 rechnet der US-Solarverband mit 25 Prozent Wachstum gegenüber 2013.

Analysten von Needham & Company gehen davon aus, dass sich dieses Wachstum des Solarmarktes in den USA weiter positiv auf SunEdison auswirken wird. Die Förderung von Investitionen in Solarprojekte über Steuernachlässe habe der Gesetzgeber bis 2016 festgeschrieben und werde bis dahin die Nachfrage beflügeln. Sie raten zum Kauf der Aktie und nennen als Kursziel 23 Dollar (16,5 Euro). Auch Experten der UBS empfehlen das Investment. Sie sehen SunEdison ebenfalls auf Wachstumskurs und setzen das Kurziel mit 26 Dollar (18,7 Euro) sogar noch höher an. Analysten von Morgan Stanley sind ebenfalls positiv für das Papier gestimmt und nennen als Kursziel 24 Dollar (17,3 Euro).

Anders als SunEdison ist First Solar der Platzhirsch im US-amerikanischen Solarmarkt. Dieser Konzern aus Arizona ist der größte Solarprojektierer des Landes, setzt aber im Gegensatz zu dem Unternehmen aus St. Peters vor allem auf große Solarfarmen, die er für Energieversorger betreibt und an sie verkauft. Dabei verbaut First Solar in der Regel Module aus eigener Produktion. Denn das Unternehmen ist weltweit der größte Hersteller von Dünnschicht-Solarmodulen. Diese lassen sich billiger produzieren als herkömmliche Solarmodule, die aufwendig aus dem Rohstoff Silizium gefertigt werden, sind aber auch nicht so leistungsstark wie diese. Doch weil sie billiger sind, sind sie gerade für große Solarparks an sonnenreichen Standorten besonders geeignet, wie First Solar sie in großem Stil in den südlichen Bundesstaaten der USA und in Kalifornien umsetzt.

Zuletzt hatten aber Projektverschiebungen und Abschreibungen infolge von Einschnitten bei der Modulproduktion die Geschäfte von First Solar beeinträchtigt. Der Solarkonzern aus Tempe errecihte daher im Gesamtjahr 2013 nur 3,309 Milliarden Dollar Umsatz und verfehlte damit die Prognose sowie die Vorjahresmarke von 3,8 Milliarden Dollar deutlich. Auch beim Gewinn blieb das Unternehmen unter der eigenen Prognose. Es hatte 4,0 bis 4,5 Dollar Gewinn je Aktie in Aussicht gestellt, erreichte in 2013 aber nur einen Gewinn je Aktie von 3,7 Dollar. Die Börsianer reagierten darauf geschockt und die Aktie fiel wieder unter die Marke von 50 Dollar. Heute Mittag notiert sie mit 54 Dollar (38,8 Euro) an der Nasadaq aber schon wieder um 99 Prozent über dem Vorjahreswert.

Aktienanalyst Brian Lee von Goldman Sachs glaubt aber nicht, dass die Aktie dieses Niveau halten kann. Nach seiner Einschätzung wird es angesichts der starken Förderung von billigem Schiefergas noch länger dauern, bis Solarstrom in den USA mit herkömmlichem Strom konkurrieren kann. Daher rät er von einer Beteiligung ab und rät, den Anteilsschein von First Solar mit Kursziel 45 Dollar (32,4 Euro) zu verkaufen. Ganz anders beurteilt der Wiener Börsenbrief Öko-Invest diese Solaraktie. Er verweist darauf, dass die Amerikaner vor kurzem einen großen Fortschritt bei der Dünnschicht-Technologie erreicht und einen Wirkungsgrad von 20,4 Prozent erreicht haben. Das sei im Bereich Dünnschicht ein Weltrekord und werde die Vermarktung von Modulen aus der Produktion von First Solar erleichtern. Der Öko-Invest bekräftigt seine Kaufempfehlung für die Aktie von First Solar, die jüngst auch einen Erfolg mit wachstumsstarken Solarmarkt Japans erzielt hat, wo man mit Photovoltaikprojekten besonders hohe Margen erwirtschaften kann (wir  berichteten (Link entfernt)).

Auf Dünnschicht-Photovoltaik setzt auch Ascent Solar Technologies aus Thornton im US-Bundesstaat Colorado. Allerdings verwendet sie diese vor allem für Photovoltaik-Akkus in Smartphones und für andere tragbare Geräte. Die Analysten von Cowen and Company’s halten dieses Geschäft derzeit für wenig aussichtsreich. Sie raten zum Verkauf der Beteiligung und senken das Kursziel von 0,8 auf 0,9 Dollar (0,6 Euro). An der Nasdaq notiert der Anteilsschein aktuell bei knapp 0,7 Dollar (0,5 Euro). Das Unternehmen hatte vor kurzem rote Zahlen für das vierte Quartal und im Gesamtjahr 2013 gemeldet (auch darüber haben wir  berichtet). Die Experten sehen vorerst keine Aussicht auf eine deutliche Kurserhöung, halten aber den letzt Kursabschlag für übertrieben.

Ascent Solar: ISIN US0436351011/ WKN A0KEZT
First Solar: ISIN US3364331070 / WKN A0LEKM
SunEdison Inc: ISIN US86732Y1091 / WKN A1WZU6
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