Auch was diese Postkutsche aus dem 19. Jahrhundert mit der größten Bank der Welt zu tun hat, lesen Sie in unserem Artikel.

09.12.15 Aktientipps

Wells Fargo & Company - Wie nachhaltig und sicher ist die Aktie der größten Bank der westlichen Welt?

Unternehmensüberblick, Geschäftsmodell & Sicherheit:

Wells Fargo & Company: Das ist eine Finanzholding – aber der Einfachheit halber nennen wir sie dann doch: Bank. Sie ist mit einer Marktkapitalisierung von 266,2 Milliarden Euro die größte Bank in der westlichen Welt. Die Bank sitzt in San Francisco, USA. Beschäftigt sind bei ihr 264.000 Mitarbeiter; der Gewinn lag 2014 bei 23,1 Milliarden US-Dollar. Wells Fargo ist im US-Aktienindex S&P 5oo an Rang 7 gelistet. Die Bank bietet Firmen- und Privatkundengeschäft, Hypotheken, andere Finanzierungen, Leasing, Aktienhandel, Vermögensberatung, Versicherungen und Zahlungsverkehrsabwicklung. Sie ist einer der größten Anbieter von Finanzdienstleistungen in den USA und hat dort und in Kanada etwa jeden dritten Haushalt als Kunden.

Wells Fargo ist eine von weltweit insgesamt 28 Großbanken, die vom Financial Stability Board (FSB) als „Systemically Important Financial Institution“ (systemisch bedeutsames Finanzinstitut) eingestuft wurde. Das Unternehmen wird daher besonders überwacht und muss strenge Anforderungen erfüllen. Und seit dem Beginn der Finanzkrise in 2008 wissen wir: Systemrelevante Banken lässt man nicht Pleite gehen, es sei denn, es ist Lehmann Brothers.

Die Wurzeln von Wells Fargo reichen bis 1852 zurück: Da gründeten William Fargo und sein Geschäftspartner Henry Wells im Westen der USA die Wells Fargo & Company mit dem Ziel, Transport- und später Finanzdienstleistungen anzubieten. Insbesondere die Postkutschen der Wells Fargo Company gehörten zum Straßenbild im Wilden Westen. Bis heute ist die Kutsche des „Wells Fargo U.S. Mail Service“ aus dem 19. Jahrhundert fester Bestandteil der Marke Wells Fargo.

1998 übernahm die Norwest Corporation aus Minneapolis Wells Fargo, ließ aber deren Namen bestehen. Die Postkutschen-Geschichten aus dem Wilden Westen waren einfach zu attraktiv, um sie zu begraben.
Ende 2008 übernahm Wells Fargo den US-amerikanischen Konkurrenten Wachovia.
Die Finanzkrise betraf auch Wells Fargo. Im Oktober 2008 bekam die Bank 25 Milliarden US-Dollar von der US-Regierung zur Verfügung gestellt. Wells Fargo kündigte im Dezember 2009 an, die im Zuge der Finanzkrise erhaltenen Staatshilfen zurückzuzahlen. Bisher hat die Bank die erhaltenen Finanzhilfen an die amerikanische Regierung nicht vollständig zurückgezahlt. Im September 2011 stufte die Ratingagentur Moody’s die Bonität der langfristigen Kredite von Wells Fargo um eine Stufe von „A1“ auf „A2“ herab. Es sei weniger wahrscheinlich, dass die amerikanische Regierung einschreiten werde, um eine in Schwierigkeiten geratene Großbank vor einer Krise zu bewahren. Noch heute liegt das Rating der Bank bei „A2“ und bedeutet, dass Wells Fargo eine „sichere Anlage, sofern keine unvorhergesehenen Ereignisse die Gesamtwirtschaft oder die Branche beeinträchtigen“ darstellt.

Bedeutung & Gewichtung in großen Portfolios & bei Mehrheitsaktionären:

Die Aktie von Wells Fargo ist begehrt und beliebt. Der US-Großinvestor Warren Buffett und seine Berkshire Hathaway sieht Wells Fargo als eines seiner vier „Kerninvestments“ an (neben Coca Cola, IBM und American Express). Berkshire Hathaway hält 24,1 Prozent an Wells Fargo; das war im Oktober 2015 ein Wert von 24,5 Milliarden US-Dollar. Auch viele der großen US-amerikanischen Vermögensverwalter und US-Pensionsfonds haben in Wells Fargo investiert. Das Finanzdienstleistungsunternehmen gehört zu den „Top 10 most owned stocks“ und befindet sich in den „Top 10 stocks by Percent“ auf Rang 1. Diese Rangliste wird von dem unabhängigen Daten- und Finanzanalyst „dataroma.com“ im vierteljährlichen Rhythmus, im Auftrag der größten US-Vermögensverwalter, herausgegeben.

Dividende & Kursentwicklung:

Wells Fargo zahlt seit 43 Jahren eine Dividende aus - wie bei US-Unternehmen üblich, quartalsweise. Von 2000 bis 2008 erhöhte sich die Dividende. Lediglich in den Krisenjahren 2009 und 2010 sank die Dividende. Seit 2011 steigt die Dividende jedes Jahr wieder an. Zurzeit liegt sie bei 1,35 US-Dollar je Aktie. Wells Fargo hat eine für die Finanzbranche herausragende Eigenkapitalquote von 9,7 Prozent und eine Payout Ratio (in Prozent angegebene Quote der Ausschüttung an die Aktionäre vom Gesamtgewinn) von 26 Prozent (bezogen auf 2014). Zum Vergleich: Bei der Deutschen Bank sind es 4 und 45,4 Prozent.
Während der S&P 500 Index zwischen Mitte Dezember 2010 und Mitte Dezember 2015 um 69,7 Prozent stieg, kletterte der Kurs der Wells Fargo-Aktie um 137,6 Prozent. Die Bank of America schaffte 85,8 Prozent, die Citigroup 44,5 Prozent und JP Morgan 105,9 Prozent.

Weitere, wichtige Unternehmenskennzahlen & Finanz-Fazit:

Wells Fargo hat den Gewinn pro Aktie seit 2008 jährlich gesteigert, von 4,2 US-Dollar in 2008 auf 7 US-Dollar in 2014 pro Aktie. Der Gesamtgewinn betrug 2006 8,42 Milliarden US-Dollar, 2014 konnte er bis auf 23,06 Milliarden US-Dollar gesteigert werden. Lediglich in 2007 und 2008 war der Gewinn rückläufig: 2007 lag er bei 8,06 und 2008 bei 2,66 Milliarden US-Dollar. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt konstant seit 7 Jahren zwischen 12 und 13. Lediglich 2008 war es bei 42, was mit der Immobilienkrise in den USA zusammenhing – der Gewinn von Wells Fargo war stark geschrumpft.

Unter den führenden westlichen Großbanken bietet Wells Fargo mit großem Abstand das profitabelstes Geschäftsmodell: Die Bank erzielt jährlich einen operativen Gewinn in Höhe von 2,14 Prozent der Bilanzsumme. Die US-Investmentbank JP Morgan Chase kommt auf 1,52 Prozent, die australische Universalbank Commonwealth Bank of Australia auf 1,4 Prozent und die nach der Höhe der Bilanzsumme weltweitführende Großbank HSBC nur auf 0,78 Prozent. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank wies 2014 lediglich einen operativen Gewinn von 0,19 Prozent der Bilanzsumme auf.

US-amerikanische unterscheiden sich von den europäischen Banken bei der Eigenkapitalquote deutlich, insbesondere bei der realen, nicht der „risikoadjustierten“ Bilanzsumme, die in der Presse oft angegeben wird. Die vier großen US-Banken Wells Fargo, JP Morgan Chase, Bank of America und die Citigroup sind mit 9 bis 12 Prozent an Eigenkapital ausgestattet, während die europäischen Konkurrenten lediglich mit 3 bis 7 Prozent Eigenkapital arbeiten. Sie verwenden also einen viel höheren Risikohebel und drücken damit optisch die Eigenkapitalrendite nach oben. Dies schließt die europäischen Banken von vielen riskanten, aber auch lukrativen Geschäften aus. Die Folge sind entsprechend bescheidene Gesamtkapitalrenditen.
Wells Fargo ist ein Basisinvestment für Anleger, die auch US-Aktien kaufen. Die Haltedauer ist auf unbestimmte Zeit angelegt. Die steigende Dividende ist attraktiv für Langfristanleger.

Nachhaltigkeit:

Gelobt wird Wells Fargo von Nachhaltigkeitsrating-Agenturen für die Betriebsökologie und die hauseigenen Umweltrichtlinien, also beispielsweise für sparsamen Papiereinsatz und das Umweltmanagementsystem. Wells Fargo gilt auch als familienfreundlicher Arbeitgeber. Eiris und imug kritisieren aber, die Anstrengungen der Bank gegen Korruption seien nur „durchschnittlich“ und die Berichterstattung dazu sogar „unterdurchschnittlich“. Bei der Kreditvergabe heißt es, die Bemühungen, verantwortungsvoller zu werden, seien “gering“.   Die soziale, ethische und ökologische Nachhaltigkeit bei der Projektfinanzierung stufen imug und Eiris im Branchenvergleich als „durchschnittlich“ ein.

Noch schwerwiegender dürften allerdings andere Faktoren sein: So rühmt Wells Fargo sich damit, zu den größten Geldgebern der US-amerikanischen Öl- und Gasindustrie zu gehören. Eine aktuelle Studie der Heinrich Böll Stiftung („Kohleatlas 2015“) führt Wells Fargo als einen der 20 weltgrößten Braunkohlefinanzierer auf. Anfang Dezember 2015 gab Wells Fargo anlässlich der UN-Weltklimakonferenz in Paris allerdings bekannt, die Kreditvergabe an Unternehmen der Kohlekraftindustrie zurückzufahren. Wells Fargo zählte auch lange Zeit zu den Finanzierern der Palmölindustrie. Die öffentliche Kritik daran geht allerdings zurück ins Jahr 2011. Dazu, ob und wie Wells Fargo aktuell als Geldgeber von Palmöl-Firmen aktiv ist, macht die Bank auf Nachfrage von ECOreporter.de keine Angaben. Die US-Nichtregierungsorganisation Ciztizens For Tax Justice hält Wells Fargo in einer aktuellen Studie vor, über ein internationales Netzwerk an Tochtergesellschaften in Steueroasen massiv Steuern zu umgehen. Wegen Verstößen gegen das US-Insolvenzrecht im Zusammenhang mit Hausbesitzern, die Hypotheken aufgenommen haben, akzeptierte Wells Fargo im September 2015 eine 81,6 Millionen Dollar schwere Strafe vom Justizministerium. Die Behörde hatte der Bank vorgeworfen, US-Hausbesitzern, die vor der Pleite standen, nicht rechtzeitig über Umstellungen bei Hypotheken informiert zu haben. Ein Großteil dieser Hausbesitzer musste deshalb höhere Hypotheken zahlen, andere erhielten treuhänderische Zahlungen verspätet. Wells Fargo ist in den USA immer wieder mit Klagen von Städten, Behörden und auch einzelnen Privatkunden konfrontiert. Der Vorwurf: Wells Fargo betreibe „räuberische Kreditvergabe“. Seit 2012 hat Wells Fargo mehrfach Millionen-Zahlungen geleistet, um außergerichtliche Einigungen zu erzielen. Darauf weist die US-Anwaltskanzlei Bond Law PLLC hin.

Bild: In den USA ist es zu Protesten gegen Wells Fargo gekommen. / Foto: Bond Law PLLC



K.O.-Kriterien:  Wells Fargo finanziert fossile Energien, wie Öl, Gas und Kohle. Wells Fargo macht laut der Nachhaltigkeitsratingagenturen imug und Eiris über die Beteiligung an mehreren Hotels bis zu 5 Prozent seines Umsatzes mit Alkohol, Waffen und Rüstung (Der Finanzdienstleister Wachovia – seit 2008 eine Wells-Fargo-Tochter – ist imug und Eiris zufolge ein großer Finanzierer der Rüstungsindustrie).

Basisdaten:


Wells Fargo & Company:    
(Kürzel: NYSE:WFC)
ISIN: US9497461015
WKN: 857949
Gründung: 1852
Mitarbeiter: 264.000
EBIT 2014: 35,31 Milliarden US-Dollar
Marktkapitalisierung: 266,24 Euro (Stand  9.12.15)
Kurs: 54,40 US Dollar; 50,40 Euro (Stand 9.12.15, 9:27 Uhr, Frankfurt)
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