12.03.13 Finanzdienstleister

„Weltweit stoßen die Ansätze von Nachhaltigkeitsbanken auf zunehmende Akzeptanz.“ – ECOreporter.de-Interview mit Christof Lützel, GLS Bank

Die „Global Alliance for Banking on Values“ (GABV) ist ein internationaler Zusammenschluss von Nachhaltigkeitsbanken. Ihm gehört auch die GLS Bank an, die am 14. März 2013 Gastgeberin des GBAV-Kongresses in Berlin ist. Über die Ziele dieses Verbandes, die Rolle nachhaltiger Banken, die Finanzierung von Grünstromprojekten und weiteres sprachen wir mit Christof Lützel, Pressesprecher der GLS Bank.

Die GLS Bank ist auch einer der Aussteller auf der Messe Grünes Geld, die am Samstag, den 13. April, in München stattfindet (mehr darüber erfahren Sie Opens external link in new windowhier), im Künstlerhaus am Lenbachplatz.

ECOreporter.de: Was ist die Global Alliance For Banking on Values (GBAV)für eine Vereinigung, welche Ziele verfolgt sie?

Christof Lützel: Die „Global Alliance for Banking on Values“ – oder kurz GABV – ist ein Zusammenschluss der weltweit führenden nachhaltigen Banken. Derzeit zählt sie 24 Mitglieder, 2009 war die GLS Bank eines ihrer Gründungmitglieder. Sie alle verbindet der Anspruch, Alternativen zum gängigen Finanzsystem aufzuzeigen und die entwickelten Arbeitsweisen und Finanzierungsinstrumente international zu bündeln.
Ein wichtiger Meilenstein ist beispielsweise eine Studie, die wir Ende 2012 präsentierten. Sie stellte mit Blick auf die Bilanzen der Banken fest, dass Nachhaltigkeitsbanken eine höhere Gesamtkapitalrendite als konventionelle Finanzinstitute vorzeigen. Ihre Eigenkapitalrendite liegt nur unwesentlich unter der der „systemrelevanten“ Banken und weist außerdem eine im Vergleich deutlich geringere Volatilität auf. Zudem zeigte die Studie, dass Nachhaltigkeitsbanken eine wichtige Stütze der Realwirtschaft sind. Mitgliedsbanken der GABV haben damit nicht nur sozial und ökologisch, sondern auch wirtschaftlich die Nase vorn [per Opens external link in new windowMausklick gelangen Sie zu einem Bericht von ECOreporter über diese Studie].

ECOreporter.de: Welche Hoffnungen und Ziele verbinden Sie mit dem GABV-Kongress zum Thema „Wertewandel im Bankensektor“, zu dem die GLS Bank für übermorgen eingeladen hat?

Lützel: Die Nachhaltigkeitsbanken galten lange als Nischenanbieter. Der Weltkongress unseres Bankenverbands in Berlin verdeutlicht die zunehmende weltweite Akzeptanz unseres nachhaltigen Ansatzes innerhalb der Finanzbranche. Wir wollen uns für eine Transformation des Finanzsystems einsetzen. Diese Diskussion und unsere Anregungen werden im Fokus der Konferenz stehen. Unsere konkreten Forderungen werden wir im Rahmen der Pressekonferenz am 13. März 2013 vorstellen.

ECOreporter.de: Hierzulande ist das Vertrauen der Anleger in den (konventionellen) Bankensektor derzeit nicht sonderlich hoch. Besonders in der Kritik steht die Privatkundenberatung auf Provisionsbasis. Arbeitet die GLS Bank mit Provisionen oder mit Honoraren?

Lützel: Trotz Bankenkrise hat sich ja bei der herkömmlichen Bankberatung in der Tat kaum etwas verändert. Und das frustriert viele, gerade die, die über den Tellerrand hinaus blicken. Viele Kundenberater haben in den letzten Jahren begonnen, sich nach einer anderen Form von Bankgeschäften umzusehen, streben eine Tätigkeit an, die sinnvoll ist und sich nicht nur darin erschöpft, irgendwelche Produkte zu verkaufen. Für viele sehr gut qualifizierte Kundenberater ist die Arbeit bei einer nachhaltigen Bank genau das, wonach sie suchen.
Bei der GLS Bank gibt es keine sogenannte „erfolgsabhängige“ Bezahlung. Unsere Mitarbeiter erhalten ein Grundeinkommen, das durch einen Sozial- sowie Funktionsanteil ergänzt wird. Der Sozialanteil berücksichtigt die unterschiedlichen sozialen Situationen, in denen sich GLS Mitarbeiter wiederfinden und kann zum Beispiel einen Kinderzuschlag und / oder Wohnkostenzuschlag beinhalten. Der Funktionszuschlag orientiert sich an der für bestimmte Aufgaben erforderlichen Fachkompetenz, Verantwortung, Sozialkompetenz oder Berufserfahrung.

ECOreporter.de: Vor knapp drei Jahren hat die GLS Bank im Auftrag der Bundesregierung den Mikrokreditfonds Deutschland Initiiert. Wie hat sich die Mikrokreditvergabe in Deutschland seither entwickelt?

Lützel: Seit 2010 haben wir über 13.000 Mikrokredite mit einem Gesamtvolumen von insgesamt circa 77,3 Millionen Euro vergeben. Die Ausfallquote beträgt weniger als zehn Prozent. Dies ist ein guter Wert. Die Nachfrage ist stetig gewachsen und auch für das Jahr 2013 erwarten wir eine Fortsetzung dieser Entwicklung. Durchschnittlich erhalten oder kreieren Mikrokredite 1,5 Arbeitsplätze. Den Ideen sind dabei keine Grenzen gesetzt: Beispielsweise konnte die erste zertifizierte Solarreinigerin in Bayern mithilfe eines Mikrokredites ihre Arbeit aufnehmen.  

ECOreporter.de: Gegner der Energiewende werden nicht müde, die Strompreisdebatte und Ressentiments gegen den Stromnetzausbau gegen eine nachhaltigere Energieversorgung ins Feld zu führen. Inwiefern wirkt sich diese Debatte auf das Alltagsgeschäft in den Filialen der GLS Bank aus und was ist von halten Sie von der aktuellen Diskussion?

Lützel: Um die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen zu bewahren, ist die Neustrukturierung unserer Energieversorgung ein existenzieller Punkt. Es wird viel zu wenig darüber gesprochen, wie viele Milliarden uns die Atomkraft bisher gekostet hat und etwaige Atomunfälle kosten werden.
Aktuell vergeben wir über 30 Prozent unserer Kredite im Bereich der regenerativen Energien. Unseren Kunden bieten wir zudem die Möglichkeit, über Unternehmensbeteiligung an Wind- und Solarparks unsere Energieversorgung direkt und aktiv mitzugestalten. Diese Angebote werden von unseren Kunden sehr stark nachgefragt.
Außerdem setzten sich die GLS Bank Stiftung sowie die in der GLS Treuhand beheimatete Stiftung „Neue Energie“ für dezentrale und zukunftsfähige Modelle der Energieversorgung ein.

ECOreporter.de: Was werden Sie auf der Messe Grünes Geld in München präsentieren, mit welcher Erwartung kommen Sie zu der Messe?

Lützel: Die GLS Bank wird mit einem Informationsstand und Mitarbeitern vor Ort sein. Unser Regionalleiter, Carsten Schmitz, wird am Vormittag in seinem Vortrag „Nicht Bad Bank, sondern Good Bank – Das Geschäftsmodell der GLS Bank“ unsere Arbeitsweise erläutern. Am Nachmittag wird Ludwig Rahlf, unser Münchener Experte für Vermögensmanagement, detailliert seinen Bereich vorstellen. Wir freuen uns bereits, unsere Mitglieder, Kunden und Interessenten im persönlichen Gespräch besser kennenzulernen. Die Messe „Grünes Geld“ bietet eine bewährte Plattform für diesen direkten Austausch.

ECOreporter.de: Herzlichen Dank für das Gespräch!
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