2016 war ein schwaches Windjahr – das wirkt sich auch negativ auf die Ausschüttungen vieler geschlossener Windfonds aus. / Foto: Pixabay

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Wenig Wind in 2016: Bekommen Windfonds-Anleger Ausschüttungen? Das sagen die Anbieter

2016 war ein schlechtes Windjahr – vielleicht das schlechteste seit 20 Jahren. "Die ansonsten starken Herbst- und Wintermonate wiesen gemäßigte Temperaturen auf und trugen so maßgeblich zu einem unterdurchschnittlichen Jahresergebnis bei", sagt Ottmar Heinen, Geschäftsführer der Lacuna AG aus Regenburg, die in den Bereichen Gesundheitswirtschaft und Erneuerbare Energien aktiv ist. Aufgrund des schwächeren Windaufkommens blieben die Lacuna-Windparks hinter den eigentlichen Planwerten, so Heinen. Bei einer Schwankungsbreite von plus/minus 20 Prozent bei Windenergie sei dies jedoch nicht unüblich. Das Minus werde statistisch betrachtet über die Laufzeit des Windparks wieder ausgeglichen. "Unsere Windparks sind nach dem Vorsichtsprinzip solide konzipiert, so dass die Projekte solch einen schwächeren Jahresverlauf gut verkraften können", erläutert Heinen gegenüber ECOreporter.de.


Gerade in schwachen Windjahren sollte besonders darauf geachtet werden, dass die Anlagen in einem technisch einwandfreien Zustand gehalten werden. So sei sichergestellt, dass man das komplette vorhandene Windpotential ausnutzen kann. Auch bei der laufend überprüften Kostenstruktur konnte man noch die "ein oder andere Stellschraube positiv beeinflussen", erklärt der Lacuna-Geschäftsführer. In einem Durchschnittswindjahr hätten fast alle Windparks die Prognose erreicht oder sogar übertroffen, so dass man über alle Windparks hinweg betrachtet ziemlich genau im Plan liege.

Die geringen Winderträge sind ungünstig für Fonds, die schwerpunktmäßig auf Windkraftanlagen setzen. Starke Schwankungen haben einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Ergebnisse der Windparkgesellschaften. Dennoch werden die Zweitmarktfonds der Ökorenta aus Aurich im Durchschnitt ca. 10 Prozent an ihre Anleger auszahlen können, sagte Ingo Löchte, Vorstand Fondmanagement.

Ein oder zwei schlechte Windjahre können die Fonds verkraften – "aber im Durchschnitt sollten die Windparks die Winderlöse der letzten 15 Jahre schaffen“, sagte Christian Averbeck, Vorstand Finanzen bei Ökorenta. Um das Risiko zu streuen, sind die Portfolios breit aufgestellt mit unterschiedlichen Windpark-Standorten in ganz Deutschland.  "Auch durch Repoweringmaßnahmen können zusätzliche Erträge durch längere Laufzeiten erzielt werden", erklärte Averbeck.

Windwärts: "Bis auf wenige Ausnahmen sind die Ausschüttungen unter dem Plan"


Auch die Windwärts Energie GmbH aus Hannover bezeichnet das Windjahr als "nicht gut". "Die Betriebsergebnisse der Kommanditgesellschaften, deren Geschäftsführung wir innehaben, zeigen, dass im Durchschnitt nur 77,2 Prozent der prognostizierten Erträge erreicht wurden", erklärt Windwärts-Sprecher Dr. Stefan Dietrich gegenüber ECOreporter.de. Bis auf wenige Ausnahmen lagen die Ausschüttungen aufgrund des niedrigen Windangebots 2016 unter dem Plan, so Dietrich. Auf den Gesamtzeitraum bezogen seien die Auswirkungen eines einzelnen schlechten Windjahrs allerdings gering. "Die Projekte werden innerhalb der prognostizierten Gesamtlaufzeit von 20 Jahren eine nennenswerte Verzinsung des von den Kommanditisten eingesetzten Kapitals erwirtschaften, wobei es eine gewisse Bandbreite bei den Ergebnissen gibt. Insgesamt können unsere Gesellschafter einen positiven Geschäftsverlauf erwarten."

Projektaufbau bei Windwärts: Das Drehen an der Kostenschraube federt die Folgen des schwachen Windjahres etwas ab. / Foto: Unternehmen

Viele der Gesellschaften müssten keine Darlehen mehr tilgen und seien teilweise mit einem hohen Eigenkapitalanteil im Verhältnis zur ursprünglichen Investitionssumme ausgestattet. Für diese Fonds waren die Auswirkungen geringer. Darüber hinaus sei es der Betriebsführung in den letzten Jahren gelungen, vor allem die Wartungs- und Instandsetzungs-, Versicherungs- und Finanzierungskosten zu optimieren. "Daher liegen einige dieser Kostenpositionen seit Jahren deutlich unter den Prognosen, was die Auswirkungen des schwachen Windjahrs etwas abgefedert hat", erklärt der Windwärts-Sprecher.

Auch in einem Durchschnittsjahr seien die Fonds unterschiedlich gelaufen: "Insgesamt liegt die Verfügbarkeit des Anlagenbestands bei mehr als 98 Prozent, das ist ein guter Wert. Wenn Ertragsprognosen in den vergangenen Jahren unterschritten wurden, so lag das in erster Linie an den ursprünglichen Ertragsannahmen, die auf Basis der überaus windstarken 90er-Jahre getroffen wurden", so Dietrich. Diese Windverhältnisse seien aber so ab der Jahrtausendwende nicht mehr eingetreten.

wpd: "Auch ältere Fonds schütten aus – aber im einstelligen Bereich"

Ähnlich beschreibt Carsten Meyer, Geschäftsführer von wpd Windmanagement aus Bremen, das Windjahr 2016: "Es war das schwächste Jahr, seit wir Windkraftanlagen betreiben. Deswegen liegen die Projekte nicht im Plan." Auf die rund 200 Windprojekte und die Fonds habe das aber extrem unterschiedliche Auswirkungen – je nach Alter des Projekts. Um das Jahr 2000 errichtete Windprojekte kalkulierten noch mit optimistischeren Winderträgen: Entsprechend hätten sie nur zwischen 60 und 80 Prozent der in den Windgutachten errechneten Prognose erreicht. "Bei neueren Projekten ist man deutlich zurückhaltender geworden", erklärt Meyer.

Auch die Investoren bzw. Kommanditisten seien daher unterschiedlich betroffen: Die älteren Projekte, die Anfang der 2000er Jahre ans Netz gingen, seien weitestgehend entschuldet. Deshalb erhalten die Eigentümer der Windfonds trotz nicht erreichter Prognosen eine Ausschüttung – wenn auch zum Teil "im unteren einstelligen Bereich", so Meyer. Denn sie profitieren zum Beispiel von Reserven, die in guten Windjahren gebildet wurden, und davon, dass bei vielen Projekten die Kosten gesenkt wurden: "Das hat eine Entlastungswirkung, aber komplett kann man die geringen Winderträge damit nicht kompensieren", so Meyer. Bei einigen neueren Fonds dürften die Anleger aber noch mit Ausschüttungen im zweistelligen Bereich rechnen: "Seit 2005 bieten wir kaum noch Publikumsfonds mit Prospekt an, deshalb fallen bei diesen neueren Fonds zum Beispiel keine Vertriebskosten an", erklärt Meyer. 

Offshore-Windpark der wpd: Investoren profitieren noch von Reserven aus guten Windjahren. / Foto: Unternehmen


Die wiwin GmbH aus Mainz, ehemals juwi Invest, vermittelt Fonds, darunter den juwi Family & Friends 1. Dieser ist kein reiner Windfonds, sondern hat zusätzlich zu zwei Windkraftanlagen in Rheinhessen auch zehn Photovoltaikanlagen an verschiedenen Standorten in Deutschland. "Insofern können bei unterdurchschnittlichen Windenergiejahren Abweichungen beim Wind gegebenenfalls durch gute Ergebnisse bei den Solarenergieanlagen ausgeglichen werden", erklärt wiwin-Geschäftsführer Sven Moormann. Durch das unterdurchschnittliche Windjahr wurden die "Planwerte Wind" nicht erreicht. "Zukünftig erwarten wir die prognostizierten Werte", so Moormann.

Energiekontor legt seit 2005 keine klassischen Windfonds mit Direktbeteiligungen an Projektgesellschaften mehr auf: Seit etwa zehn Jahren setzt das Unternehmen auf sogenannte Stufenzinsanleihen. Ein Anleger stellt einem Unternehmen aus Bremen dabei Geld zur Verfügung gegen einen Zins. Das Unternehmen leiht sich also Fremdkapital. Eine solche Anleihe bringt ihrem Inhaber einen festen, vorher festgelegten Zinsertrag und hat eine bestimmte Laufzeit. "Die Anleihen werden von den Windverhältnissen kaum beeinflusst", erklärt Energiekontor-Sprecherin Cerstin Kratzsch. Geringere Erträge würden nämlich von vorneherein mit einberechnet. Das schlechte Windjahr habe somit keine Folgen für die Ausschüttung an die Anleger.

Die Stufenzinsanleihen von Energiekontor finanzieren Windparks: Sie sind laut Anbieterin weniger anfällig für Ertragsschwankungen. / Foto: Unternehmen

Ein Beispiel ist die StufenzinsAnleihe IX von Energiekontor: Mit dem Kapital der Anleger wurden zwei Windpark-Betreibergesellschaften finanziert. Die beiden Windparks  Breitendeich und Mafomedes sind seit mehreren Jahren in Betrieb, so dass der Stromertrag realistisch berechnet werden konnte und ein Sicherheitspuffer – zum Beispiel für schwache  Windjahre – besteht.   

Aquila Capital aus Hamburg investiert über viele Länder und Regionen hinweg in Windenergie. "Eine pauschale Aussage zur Beurteilung des Windjahres ist nicht möglich, da die Windverhältnisse sich immer nur bezogen auf den Standort beurteilen lassen", teilte Aquila-Sprecherin Katrin Rosendahl mit und stellt trotz des schlechten Windjahrs fest: "Insgesamt gesehen sind wir mit den Produktionsergebnissen des Geschäftsjahres 2016 sehr zufrieden."
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